Artensterben 530 neue Todeskandidaten auf Roter Liste

Die Liste der bedrohten Tiere und Pflanzen ist erneut länger geworden. Mehr als 500 neue Arten, darunter der Eisbär und das Flusspferd, sind demnach vom Aussterben bedroht - neben rund 15.500 weiteren Spezies.


Genf - Der Klimawandel, die unreglementierte Jagd und andere vom Menschen verursachte Faktoren setzen der Tier- und Pflanzenwelt zu: 16.119 Arten stehen auf der Roten Liste 2006 der Artenschutzunion IUCN - 530 mehr als in der 2004 veröffentlichten letzten Ausgabe der Liste. Inzwischen seien unter anderem jeder achte Vogel und jede vierte Säugetierart vom Aussterben bedroht.

Besonders viele gefährdete Arten gebe es in China, Brasilien, Mexiko und Australien, erklärte die IUCN, der neben 81 Regierungen auch 850 unabhängige Organisationen und rund 10.000 Wissenschaftler aus aller Welt angehören. Die Staaten müssten die Artenvielfalt stärker schützen, indem sie für eine Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen und anderen umweltschädlichen Substanzen sorgten und Jagd und Fischfang strenger kontrollierten, forderte die IUCN am heutigen Dienstag in Genf.

Unter den neuen Arten auf der Roten Liste sind auch das Flusspferd und der Eisbär. Falls man die globale Erwärmung nicht aufhalte, werde die Zahl der Eisbären innerhalb der nächsten 45 Jahre um 30 Prozent sinken, sagten Experten der IUCN. Untersuchungen ergaben zuletzt, dass die steigenden Temperaturen das Packeis im Nordpolarmeer dramatisch zurückgehen lassen - und damit die Eisbären um ihren Lebensraum bringen.

Artensterben hat sich beschleunigt

Das Flusspferd landete vor allem wegen des dramatischen Niedergangs der Demokratischen Republik Kongo auf der Roten Liste, wie die IUCN betonte. Die uneingeschränkte Jagd habe den Flusspferd-Bestand in dem Land seit 1994 um 95 Prozent sinken lassen. Auch die Dama-Gazelle, einst eine der zahlenmäßig größten Gazellenarten, sei mittlerweile stark gefährdet. Wilderer hätten die grazilen Tiere an den Rand der Ausrottung getrieben.

In Flüssen und Meeren sieht es dem Bericht zufolge nicht viel besser aus. Mehr als die Hälfte der Süßwasserfische des Mittelmeerraums seien vom Aussterben bedroht, das gleiche gelte für jeden vierten Süßwasserfisch in Ostafrika. Auch in den Ozeanen grassiert der Artentod. Von den 547 Hai- und Rochenarten, die im IUCN-Bericht genannt werden, seien 20 Prozent vom Aussterben bedroht. Am Meeresboden lebende Tierarten hätten aufgrund der Tiefseefischerei besonders herbe Verluste hinnehmen müssen.

"Der Schwund der Artenvielfalt hat sich nicht verlangsamt, sondern beschleunigt", sagte IUCN-Generaldirektor Achim Steiner. "Die Folgen für die Produktivität und Belastbarkeit der Ökosysteme und für Milliarden von Menschen sind weitreichend."

mbe/rtr/AP



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