Dino-Schwund: Saurier litten schon vor dem großem Knall

Der Dino-Rückgang vor gut 65 Millionen Jahren lag nicht am gewaltigen Asteroiden-Einschlag allein. Schon vorher ging es einigen Arten schlecht, wie Forscher nun berichten. Betroffen waren allerdings vor allem große Pflanzenfresser, andere Arten trotzten dem Trend.

Ein Troodon formosus im Porträt: Aussterben der Dinosaurier verlief uneinheitlich Zur Großansicht
dapd/ J. Brougham/ AMNH

Ein Troodon formosus im Porträt: Aussterben der Dinosaurier verlief uneinheitlich

München - Ein riesiger Asteroid, der vor gut 65 Millionen Jahren im Golf von Mexiko niederging, wirbelte durch seinen Einschlag so viel Staub in die Atmosphäre, dass über Jahre kaum Sonnenlicht zur Erde drang. Die Folge war ein Massensterben, dem letztlich auch die Dinosaurier zum Opfer fielen. Das dachten viele Forscher zumindest bislang. Doch nun berichten deutsche und US-Forscher im Fachmagazin "Nature Communications", dass es zumindest um einige große Pflanzenfresser unter den Dinosauriern schon weit vorher nicht gut bestellt war.

Die Zahl vor allem der Hadrosaurier und Ceratopsier sei in den letzten zwölf Millionen Jahren der Kreidezeit deutlich zurückgegangen, schreiben die Wissenschaftler. Insgesamt sei die gesamte Entwicklung wohl viel komplexer als gedacht verlaufen.

"Wir wissen, dass das endgültige Aussterben der Dinosaurier wahrscheinlich von dem Einschlag eines Asteroiden in Kombination mit massiven Vulkanausbrüchen in Indien verursacht wurde", sagte Richard Butler von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Mitautor der Studie. "Unter Paläontologen gibt es aber seit langer Zeit eine Debatte darüber, ob es bereits vorher einen Dinosaurier-Rückgang gegeben hat."

Der T-Rex konnte sogar zulegen

In ihre Analyse hatten die Wissenschaftler um Stephen Brusatte vom American Museum of Natural History in New York neben der Entwicklung der Artenzahl auch die Gestalt der Dinosaurier und deren Ausprägungen einbezogen. Die Artenzahl allein könne wegen ungleichmäßig verteilter Fossilien ein verzerrtes Bild liefern, erläutern die Forscher. Für insgesamt 150 Arten aus sieben Dinosaurier-Gruppen wurde deshalb basierend auf anatomischen Merkmalen des Skeletts erfasst, wie stark ihre Gestalt variierte.

Zu erkennen war ein Rückgang der Diversität bei großen Pflanzenfressern in der Endphase der Kreidezeit, die vor rund 145,5 Millionen Jahren begann und vor etwa 65,5 Millionen Jahren endete. Die Abnahme der Variabilität könnte auf einen Rückgang hinweisen, so die Annahme der Forscher. Betroffen seien vor allem Hadrosaurier und Ceratopsier.

Im Gegensatz dazu blieb die Diversität von Fleischfressern wie den Coelurosauriern und Tyrannosauriern, zu denen auch der berühmte T-Rex gehört, von mittelgroßen Pflanzenfressern sowie riesigen Pflanzenfressern stabil oder erhöhte sich sogar leicht. Das Ergebnis galt allerdings nur für Saurier in Nordamerika: In Asien nahm die Diversität der Hadrosaurier zu. Als Grund für die Unterschiede vermuten die Forscher geografische Ursachen.

"Ich denke, diese Erkenntnis ist ein relativ großer Schritt", sagte Richard Butler von der LMU. Die Wissenschaftler wollen nun auch Dinosaurier in Südamerika, Afrika und Europa unter die Lupe nehmen, um festzustellen, ob es ein globales Muster gibt.

nik/dpa

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