Artensterben: Forscher finden keine Spur von Chinesischem Flussdelfin

Forscher sind nach intensiver Suche im Fluss Jangtse sicher: Die Tage des seltenen Chinesischen Flussdelfins sind gezählt. Selbst wenn man einzelne Exemplare übersehen habe, könne der Baiji nicht mehr vom Aussterben bewahrt werden.

London – Schon im Dezember vergangenen Jahres war ein Forscherteam bei der Suche nach dem Chinesischen Flussdelfin skeptisch. 26 Tage lang hatten Experten aus China, Japan und den USA den Jangtse abgesucht – aber ohne Erfolg. Sie fanden kein einziges Exemplar mehr vom Baiji (Lipotes vexillifer), der weltweit seltensten Delfinart.

Jetzt hat ein internationales Team den Jangtse erneut sechs Wochen lang durchkämmt, unter anderem mit akustischem Ortungsgerät. Erneut verlief die Suche ohne Ergebnis - weshalb die Forscher den Baiji jetzt für wahrscheinlich ausgestorben erklärt haben. 20 Millionen Jahre hatte der Delfin auf der Erde überlebt. Dass der Baiji nun wohl für immer verschwunden sei, sei eine "schockierende Tragödie", sagte Sam Turvey von der Zoological Society of London, einer der beteiligten Wissenschaftler. Verantwortlich seien Überfischung, Umweltverschmutzung und die mangelnde Aufmerksamkeit der Behörden.

Die Forscher haben die Ergebnisse ihrer Untersuchung jetzt im Fachblatt "Journal of the Royal Society: Biology Letters" veröffentlicht. "Es ist die erste wissenschaftliche Studie, bei der keine Baijis mehr gefunden wurden", sagte Turvey. "Selbst wenn noch einige übrig sein sollten und wir sie nicht entdeckt haben, können wir ihr Aussterben nicht mehr abwenden."

Chinesischer Flussdelfin: Ende der Baijis
DPA

Chinesischer Flussdelfin: Ende der Baijis

Turvey hält es aber für unwahrscheinlich, dass den Experten ein Delfin entgangen sein könnte. Gleich zweimal fuhren die Boote das Verbreitungsgebiet des Baijis ab, das sich früher auf 1669 Kilometern des Jangtse zwischen dem Drei-Schluchten-Staudamm und Shanghai erstreckt hat. Die Forscher haben den Säuger nun für "stark gefährdet und wahrscheinlich ausgestorben" erklärt.

Der World Wildlife Fund (WWF) will das Ende der Baijis jedoch noch nicht wahrhaben. Man könne den Chinesischen Flussdelfin noch nicht für ausgestorben erklären, meint die Umweltorganisation. Dafür müsse seit 50 Jahren kein lebendes Exemplar mehr gesichtet worden sein – der letzte Baiji sei aber noch 2004 gesehen worden.

Das bis zu 2,50 Meter lange Tier war eine von weltweit nur einer Handvoll von Süßwasserdelfin-Arten. Ausgerottet wurde er nun durch Menschen - durch Verschmutzung, Überfischung, Schiffsverkehr und Dammbauten.

als/mbe/rtr

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