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Artensterben auf Inseln: "Wie ein ökologischer Weltuntergang"

Regenwald-Inseln: Tiere in kleinen Lebensräumen massiv bedroht Fotos
Antony Lynam

Umweltschützer sind schockiert: Auf Regenwald-Inseln in Thailand sind in nur 25 Jahren fast alle Tierarten verschwunden. Sie leiden unter der Zerstückelung ihres Lebensraumes - und einem aggressiven Eindringling.

Tiere in kleinen, zerstückelten Lebensräumen könnten einer neuen Untersuchung zufolge wesentlich gefährdeter sein als bislang gedacht. Wie Forscher aus Singapur in der US-Fachzeitschrift "Science" berichten, starben kleinere einheimische Säugetiere, die in einem Stausee in Thailand auf vielen kleinen Regenwald-Inseln lebten, im Laufe von etwa 25 Jahren nahezu vollkommen aus.

"Es war wie ein ökologischer Weltuntergang", erklärte der an der Langzeitstudie beteiligte Forscher Luke Gibson. "Niemand hat damit gerechnet, dass wir derart katastrophale örtliche Artensterben sehen würden."

Die Experten fordern nun ein Umdenken beim Regenwald-Schutz. Der oftmals praktizierte Ansatz, kleine verstreute Gebiete unter Schutz zu stellen, schütze Tiere darin nicht vor dem Aussterben. Die Untersuchung unterstreiche die "bittere Notwendigkeit, große und intakte Waldgebiete zu bewahren, um die tropische Artenvielfalt zu erhalten".

Von Feldratten verdrängt

Im Rahmen der Studie verfolgte das Team das Geschehen in dem Chiew Larn Reservoir, einem Mitte der 1980er Jahre geschaffenen Stausee mit mehr als hundert Inseln. Schon nach fünf Jahren waren fast alle einheimischen kleinen Säugetiere auf Flächen von weniger als zehn Hektar verschwunden, nach 25 Jahren auch nahezu alle in den größeren. Demnach litten sie unter den Folgen der Isolierung und wurden durch einwandernde Feldratten verdrängt, die ihre Lebensräume in Beschlag nahmen und sich aggressiv vermehrten.

Vor allem das Zusammenspiel von Lebensraum-Zerstückelung und Einwanderung invasiver Arten beunruhigt die Experten. Die malaysische Feldratte, die sich im Chiew Larn-Gebiet so rasant vermehrte, lebe auf menschlichem Farmland, dringe von dort aber auch in geschädigte Wälder vor. Das Muster könnte sich überall wiederholen, wo der Mensch auf der Suche nach Holz, Plantagen oder Rohstoffen tiefer in die tropischen Regenwälder vordringt, lautet das besorgte Fazit der Wissenschaftler.

"Es zeigt uns, dass das doppelte Unglück der Zerstückelung von Lebensraum und der Einwanderung von Arten für die einheimische Tierwelt tödlich sein kann", erklärte Antony Lynam von der Wildlife Conservation Society, einer US-Naturschutzstiftung. Es sei lebenswichtig zu verstehen, was mit der Tierwelt in solchen Wald-Fragmenten geschehe. "Das Schicksal eines großen Teils der irdischen Biodiversität hängt davon ab", teilte er zu der Studie der Wissenschaftler mit.

che/AFP

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Geht es nicht etwas kleiner?
fwohlgemuth 27.09.2013
"Tiere in kleinen, zerstückelten Lebensräumen könnten einer neuen Untersuchung zufolge wesentlich gefährdeter sein als bislang gedacht." So So. Wer denkt denn da? Und was haben die studiert, die da so denken? Die Arbeit von Robert H. MacArthur und Edward O. Wilson über Artensterben als Verinselungseffekt stammt von 1967. Und wer nicht unbedingt Biologie studieren will, sondern nur kurz als Journalist nachsehen will, wie alt die Kamelle in Wirklichkeit ist, die ihm da als brandneu aufgetischt wird, sieht unter den Stichwörtern Habitatfragmentierung oder einfach Aussterben in Wikipedia nach, es reicht auch eine Textsuche nach Verinselung. Dabei sollte er außerdem auf das inzwischen eigene Forschungsgebiet Inselbiogeographie stoßen. Das heißt jetzt nicht, dass diese Arbeit überflüssig war, aber sie sollte einfach als das gesehen werden, als das sie wichtig ist: Es handelte sich um eine weitere Bestätigung einer bereit seit länger bekannten Theorie mit konkreten Daten. Diese Martkgeschrei von der ganz neuen Erkenntnis, nach Möglichkeit auch noch unter aktivem Weglassen oder einfach nur der Unkenntnis der Vorläuferarbeiten, das bei Veröffentlichungen immer mehr zunimmt, geht mit gehörig auf den Keks.
2. @fwohlgemuth
AZ1 27.09.2013
Spricht mir grundsätzlich aus der Seele. Spricht leider auch gegen gratis-Journalismus im Internet. Der originale (kostenpflichtige) Spiegel ist in solcherlei Hinsicht zwar auch nicht perfekt, aber seehr viel besser. Davon mal abgesehen, im konkreten Fall geht es wohl nicht darum, einen bisher unbekennten Effekt oder Zusammenhang entdeckt zu haben, sondern um die Stärke des Effektes. Den scheinen (so legt der Artikel nahe) auch Experten falsch zu niedrig eingeschätzt zu haben.
3.
Celegorm 27.09.2013
Zitat von fwohlgemuth"Tiere in kleinen, zerstückelten Lebensräumen könnten einer neuen Untersuchung zufolge wesentlich gefährdeter sein als bislang gedacht." So So. Wer denkt denn da? Und was haben die studiert, die da so denken? Die Arbeit von Robert H. MacArthur und Edward O. Wilson über Artensterben als Verinselungseffekt stammt von 1967. Und wer nicht unbedingt Biologie studieren will, sondern nur kurz als Journalist nachsehen will, wie alt die Kamelle in Wirklichkeit ist, die ihm da als brandneu aufgetischt wird, sieht unter den Stichwörtern Habitatfragmentierung oder einfach Aussterben in Wikipedia nach, es reicht auch eine Textsuche nach Verinselung. Dabei sollte er außerdem auf das inzwischen eigene Forschungsgebiet Inselbiogeographie stoßen. Das heißt jetzt nicht, dass diese Arbeit überflüssig war, aber sie sollte einfach als das gesehen werden, als das sie wichtig ist: Es handelte sich um eine weitere Bestätigung einer bereit seit länger bekannten Theorie mit konkreten Daten. Diese Martkgeschrei von der ganz neuen Erkenntnis, nach Möglichkeit auch noch unter aktivem Weglassen oder einfach nur der Unkenntnis der Vorläuferarbeiten, das bei Veröffentlichungen immer mehr zunimmt, geht mit gehörig auf den Keks.
Ihre Kritik ist nicht ganz nachvollziehbar, denn nirgends wird die Studie als neues theoretisches Konzept präsentiert, sondern einfach als das was diese ist: Eine Fallstudie. Die allerdings eben genau konkrete Daten liefert und damit sowohl die Theorie bestätigt als auch spezifische Aussterberaten vorlegen kann. Gerade letzteres ist das eigentlich neue und zentrale Resultat, über welches die Theorie an sich natürlich wenig substantielles auszusagen vermag. Die Aufmerksamkeit und Schlussfolgerung, dass dieser Effekt noch problematischer für die Biodiversität zu sein scheint als gedacht, ist darum m.E. durchaus gerechtfertigt. Bei aller berechtiger Kritik am oft seichten und verzerrenden Wissenschaftsjournalismus, in diesem Fall sehe ich vergleichsweise wenig Grund zur Klage..
4.
nurmeinemeinung 27.09.2013
Also eine Habitatsfragmentierung ist strenggenommen eine Zerstückelung des bisherigen Habitats. Das ist aber hier nicht das Problem. Es geht ja eher darum, dass das bis lang gut funktionierende Gleichgewicht durch neue Einwanderer so stark gestört wird, das es zusammenbricht. Auf den kleinen Inseln sieht man das halt sehr viel eher wie in großen Festlandgebieten. Aber im Prinzip ist es schon richtig: Das ist nicht wirklich neu, nur sieht man sich nun eben mit extremen Aussterben von Arten konfrontiert. Und nun geht es eben darum die Eindringlinge auszurotten und zur Not durch weiteres Eingreifen das Gleichgewicht wieder herzustellen.
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