Artensterben auf Inseln: "Wie ein ökologischer Weltuntergang"
Umweltschützer sind schockiert: Auf Regenwald-Inseln in Thailand sind in nur 25 Jahren fast alle Tierarten verschwunden. Sie leiden unter der Zerstückelung ihres Lebensraumes - und einem aggressiven Eindringling.
Tiere in kleinen, zerstückelten Lebensräumen könnten einer neuen Untersuchung zufolge wesentlich gefährdeter sein als bislang gedacht. Wie Forscher aus Singapur in der US-Fachzeitschrift "Science" berichten, starben kleinere einheimische Säugetiere, die in einem Stausee in Thailand auf vielen kleinen Regenwald-Inseln lebten, im Laufe von etwa 25 Jahren nahezu vollkommen aus.
"Es war wie ein ökologischer Weltuntergang", erklärte der an der Langzeitstudie beteiligte Forscher Luke Gibson. "Niemand hat damit gerechnet, dass wir derart katastrophale örtliche Artensterben sehen würden."
Die Experten fordern nun ein Umdenken beim Regenwald-Schutz. Der oftmals praktizierte Ansatz, kleine verstreute Gebiete unter Schutz zu stellen, schütze Tiere darin nicht vor dem Aussterben. Die Untersuchung unterstreiche die "bittere Notwendigkeit, große und intakte Waldgebiete zu bewahren, um die tropische Artenvielfalt zu erhalten".
Von Feldratten verdrängt
Im Rahmen der Studie verfolgte das Team das Geschehen in dem Chiew Larn Reservoir, einem Mitte der 1980er Jahre geschaffenen Stausee mit mehr als hundert Inseln. Schon nach fünf Jahren waren fast alle einheimischen kleinen Säugetiere auf Flächen von weniger als zehn Hektar verschwunden, nach 25 Jahren auch nahezu alle in den größeren. Demnach litten sie unter den Folgen der Isolierung und wurden durch einwandernde Feldratten verdrängt, die ihre Lebensräume in Beschlag nahmen und sich aggressiv vermehrten.
Vor allem das Zusammenspiel von Lebensraum-Zerstückelung und Einwanderung invasiver Arten beunruhigt die Experten. Die malaysische Feldratte, die sich im Chiew Larn-Gebiet so rasant vermehrte, lebe auf menschlichem Farmland, dringe von dort aber auch in geschädigte Wälder vor. Das Muster könnte sich überall wiederholen, wo der Mensch auf der Suche nach Holz, Plantagen oder Rohstoffen tiefer in die tropischen Regenwälder vordringt, lautet das besorgte Fazit der Wissenschaftler.
"Es zeigt uns, dass das doppelte Unglück der Zerstückelung von Lebensraum und der Einwanderung von Arten für die einheimische Tierwelt tödlich sein kann", erklärte Antony Lynam von der Wildlife Conservation Society, einer US-Naturschutzstiftung. Es sei lebenswichtig zu verstehen, was mit der Tierwelt in solchen Wald-Fragmenten geschehe. "Das Schicksal eines großen Teils der irdischen Biodiversität hängt davon ab", teilte er zu der Studie der Wissenschaftler mit.
che/AFP
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