Dramatisches Artensterben: Klimawandel lässt Nahrungskette zusammenbrechen

Tausende von Tierarten werden infolge des Klimawandels in den nächsten hundert Jahren aussterben, warnen Forscher. Doch die steigenden Temperaturen sind nicht das Hauptproblem - vielmehr gerät das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Arten zunehmend aus dem Gleichgewicht.

Dickhornschafe (hier in Mexiko): Mit Gras und Kräutern verschwinden auch die Tiere Zur Großansicht
AP/ New Mexico Dept. of Game and Fish

Dickhornschafe (hier in Mexiko): Mit Gras und Kräutern verschwinden auch die Tiere

London - Die Zahl der bedrohten Tier- und Pflanzenarten nimmt immer weiter zu, um fast jede dritte Art steht es schlecht. Dabei scheint nicht die Erwärmung an sich für viele Arten problematisch zu sein, sondern die sich ändernde Beziehung der Arten untereinander, berichten US-Forscher in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Vor allem der Nahrungsmangel infolge veränderter Umweltbedingungen führe zum Rückgang oder zum Aussterben lokaler Populationen.

Für ihre Untersuchung hatten Abigail Cahill und ihre Mitarbeiter von der Stony Brook University in einer Literaturrecherche Studien analysiert, die einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem Aussterben oder dem Rückgang von Tier- und Pflanzenarten in einem bestimmten Gebiet nachgewiesen hatten. Von den 136 gefundenen Untersuchungen wurde jedoch nur in sieben Studien der Grund für das Aussterben einer Tier- oder Pflanzenart angegeben. Bei keiner davon waren steigende Temperaturen die Ursache.

Nahrungsmangel durch klimatische Veränderungen

Stattdessen kamen die Wissenschaftler in vier der Studien zum Ergebnis, dass Nahrungsmangel durch klimatische Veränderungen den Tieren zusetzt. So zeigte etwa eine der Untersuchungen, dass nordamerikanische Dickhornschafe aus einigen ihrer Verbreitungsgebiete verschwanden, weil sie aufgrund nachlassender Niederschläge weniger Gräser und Kräuter zum Fressen fanden. Ebenfalls in Kalifornien führten starke Schwankungen der Niederschlagsmenge zum Aussterben zweier Populationen von Scheckenfaltern. Die zeitliche Überschneidung zwischen dem Auftreten der Larven und ihren Wirtspflanze hatte sich verändert.

Ganz ähnliche Bedrohungen durch den Klimawandel fanden die Forscher in weiteren sieben Studien, die nicht das Aussterben, sondern einen drastischen Rückgang lokaler Populationen infolge des Klimawandels festgestellt hatten. Sich ändernde Beziehungen zwischen Arten seien die am häufigsten demonstrierten Ursachen für das klimabedingte Aussterben oder den Rückgang von lokalen Populationen, fassen es Cahill und ihre Kollegen zusammen. Nach den Ursachen für das globale Aussterben einzelner Arten hatten die Forscher nicht gesucht.

Das Team ruft laut der Studie dazu auf, seine Ergebnisse mit weiteren Studien zu erhärten. Es sei schwer vorstellbar, wirksame Artenschutz-Strategien zu entwickeln, solange man die Gründe für die Bedrohung von Arten nicht genau kenne, schreiben die Wissenschaftler. Ihre Untersuchung deute die verstörende Möglichkeit an, dass viele Arten aufgrund der festgestellten Ursachen aussterben könnten, lange bevor sie ein physiologisches Problem mit der reinen Temperaturerhöhung bekommen.

irb/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 47 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
the_chief2k 17.10.2012
Daran werden wir uns wohl gewoehnen muessen. Der Mensch macht einfach alles kaputt, das ganze Gerede und sinnlose Konferenzen ohne dratische Strafen dienen allenfalls der Hinhaltung und Beschwichtigung. Aber es gibt ja tolle 3D Filme und den guten alten Zoo, um in 100 Jahren mal einen Elefanten zu betrachten.
2. Titel
billhall 17.10.2012
Zitat von sysopAP/ New Mexico Dept. of Game and FishTausende von Tierarten werden in Folge des Klimawandels in den nächsten 100 Jahren aussterben, warnen Forscher. Doch die steigenden Temperaturen sind nicht das Hauptproblem - vielmehr gerät das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Arten zunehmend aus dem Gleichgewicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/artensterben-nahrungsmangel-und-nicht-klimaerwaermung-setzt-tieren-zu-a-861771.html
Soll mit derartigen "Stduien" die weitere Zerstörung der Natur vorangetrieben werden? Nach dem Motto: wir können die Natur ruhig zerstören, denn die Tiere sterben "nur" am Klimawandel und nicht am verschwundenen Lebensraum...
3. Ein weiterer Beitrag in der Reihe: Hilfe wir werden alle sterben
wildschuetz 17.10.2012
Die Studie stellt, anders als in der Überschrift behauptet, kein "dramatisches Artensterben" sondern den Rückgang lokaler Populationen aufgrund von regionalen klimatischen Änderungen fest. Das ist erstmal nichts sonderlich neues oder erstaunliches. Bei Änderungen des Biotops ändert sich die Artenzusammensetzung. So eine Aussage ist natürlich ansich langweilig, also wird mit etwas Katastrophenszenario als Beilage hübsch Weltuntergangsstimmung produziert. Zu den Fakten: Der Höhepunkt des weltweiten Artensterbens wurde in bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts überschritten. Klimatische Änderungen und daraus resultierende Änderungen der Zusammensetzung von Flora und Fauna gab es im Laufe der Erdgeschichte immer wieder und wird es immer wieder geben. Auf der schwäbischen Alb z.B. kann man versteinerte Haifischzähne finden. Heute lebt dort kein einziger Haifisch mehr. - Dramatisch, oder? Ein beliebtes Beispiel für das ach so schlimme Artensterben durch die "Klimakatastrophe" ist derzeit ja der Eisbär. Der - laut Presse - ja inzwischen extrem bedroht ist, obwohl er das mittelalterliche Klimaoptimum mit eisfreiem Nordpolarmeer schon mal überlebt hat. 1930 Betrug der Eisbärenbestand weltweit ca. 5000 Exemplare. Heute leben ca. 20 000 Exemplare. D.h. wenn der Eisbär weiter in dieser Geschwindigkeit ausstirbt, werden 2050 ca. 50 000 Exemplare die Erde bevölkern.
4. Was
crocodil 17.10.2012
ist mit den Dinosaurien und den Höhlenbären usw. usw. Ist doch ganz normal, dass die Erde Zyklen erlebt, wo die Klimagebiete verschoben werden. Warum findet man denn sonst in der Arktis Öl und Gas? War mal suptropisches Klima!!!
5.
Shamgar 17.10.2012
Ach iwo, die Natur wird sich schon von selbst erholen. Durch die sogenannte Evolution wird das Ökosystem sich anpassen müssen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Artenschutz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 47 Kommentare
Fotostrecke
Bedrohte Exoten: Faszinierend, einzigartig, unersetzlich

Fotostrecke
Rote Liste: 20.000 Tiere und Pflanzen vom Aussterben bedroht

Fotostrecke
Rote Liste 2011: Diese Tiere sind bedroht