Artenvielfalt Forscher identifizieren wichtigste Naturschutzgebiete

137 Naturschutzgebiete hält ein internationales Forscherteam für besonders schützenswert - doch die Hälfte der von ihnen abgedeckten Fläche gilt noch nicht als Weltnaturerbe. Das sollte sich ändern, fordern die Wissenschaftler.

Bainbridge Island, Galapagos (Archivbild): Die Galapagos-Inseln sind berühmt für ihre artenreiche Fauna
DPA

Bainbridge Island, Galapagos (Archivbild): Die Galapagos-Inseln sind berühmt für ihre artenreiche Fauna


Wissenschaftler haben die weltweit wichtigsten Schutzgebiete für den Erhalt der Artenvielfalt aufgelistet - und dabei festgestellt, dass die Hälfte ihrer Gesamtfläche nicht den Status eines Unesco-Welterbes besitzt. Die Forscher stuften 78 Regionen mit insgesamt 137 Schutzgebieten in 34 Staaten als besonders relevant ein, wie sie im Fachmagazin "Science" berichten. Die Gebiete beherbergen den überwiegenden Teil der weltweiten Population von mehr als 600 Vogel-, Amphibien- und Säugetierarten. Mehr als die Hälfte dieser Arten gelten in ihrem Fortbestand als gefährdet.

Die Wissenschaftler untersuchten insgesamt 173.463 Naturschutzgebiete auf ihre Bedeutung für den Schutz von Tieren, die auf der "Roten Liste der bedrohten Arten" stehen. "Wir haben insgesamt 137 Schutzgebiete auf einer Fläche von 1,7 Millionen Quadratkilometer als unersetzlich für die Artenvielfalt unser Erde ausgemacht", schreibt das Team. Geografische Schwerpunkte sind Regenwälder, Inseln und Gebirge in Afrika, Lateinamerika und Südostasien. Europäische Naturschutzgebiete stehen nicht auf der Liste.

Probleme in Nationalparks

Zu den unersetzlichen Schutzgebieten zählen die Wissenschaftler unter anderem die wegen ihrer einzigartigen Amphibienvielfalt berühmten, zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln, den peruanischen Manu-Nationalpark und die Bergkette der Western Ghats in Indien.

Während diese Regionen bereits als Unesco-Welterbe eingestuft sind, verfügen andere unverzichtbare Schutzgebiete bislang nicht über diesen Status. Dazu zählen den Forschern zufolge der Udzungwa-Mountains-Nationalpark in Tansania und der Nationalpark im kolumbianischen Gebirgszug Sierra Nevada de Santa Marta.

"Diese außergewöhnlichen Orte wären alle zwingende Kandidaten für den Welterbe-Status", unterstreicht Soizic Le Saout vom Centre d'Ecologie Fonctionnelle et Evolutive im französischen Montpellier. "Eine solche Anerkennung würde den effektiven Schutz der einzigartigen Artenvielfalt in diesen Gebieten garantieren, weil dort dann die rigorosen Regeln für Welterbe-Stätten gelten würden."

Das Management in vielen Nationalparks kritisieren die Wissenschaftler als oft ineffektiv. Gründe dafür seien kleine Budgets, zu wenig Personal, kaum Unterstützung seitens der Politik und große Problem mit Wilderern.

wbr/AFP/dpa



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joachim_m. 15.11.2013
1. optional
Zitat aus Artikel: "Diese außergewöhnlichen Orte wären alle zwingende Kandidaten für den Welterbe-Status", unterstreicht Soizic Le Saout vom Centre d'Ecologie Fonctionnelle et Evolutive im französischen Montpellier. "Eine solche Anerkennung würde den effektiven Schutz der einzigartigen Artenvielfalt in diesen Gebieten garantieren, weil dort dann die rigorosen Regeln für Welterbe-Stätten gelten würden." Das Management in vielen Nationalparks kritisieren die Wissenschaftler als oft ineffektiv. Gründe dafür seien kleine Budgets, zu wenig Personal, kaum Unterstützung seitens der Politik und große Problem mit Wilderern. Ende Zitat Klar, schoss es mir als erstes durch den Kopf, wenn die Nationalparks auf einmal einen Welterben-Status haben, dann haben die armen Ländern, in denen die Gebiete liegen, plötzlich ganz viel Geld, dass vom Himmel fällt, mit dem man dann die Gebiete schützen kann. Und natürlich, die armen Menschen dort, die ohne die manchmal auch jetzt schon illegale Nutzung der Gebiete vor der Alternative stehen, einfach zu verhungern, werden dann beschließen, einfach zu verhungern. Nach Europa werden die auch nicht reisen, haben schließlich unsere Politiker verboten, nein, wenn die Gebiete Weltnaturerbe werden, dann werden sie sofort erkennen, dass sie etwas für die Umwelt tun müssen und sich in ihre Hütten zurückziehen und dort auf den Hungertod warten, schließlich müssen die lieben Tierchen und Pflanzen geschützt werden, damit neoliberale Raffhälse, die erst die Zustände schaffen, dass das Naturerbe gefährdet ist, ihren Kindern ein intaktes Welterbe hinterlassen können, natürlich gilt das nur für Gebiete, wo nicht zufälligerweise Öl, Gold, Diamanten oder andere Schätze gehoben werden können.
AxelSchudak 15.11.2013
2. Das Wattenmeer...
wird übrigens gerade mit einem in der Windrichtung liegenden Kohlekraftwerk der RWE beglückt. Wenn es ums Geld geht, ist die Natur auch hier zweitrangig...
dschiseskreist 15.11.2013
3. Ist mir neu...
...das die Galapagosinseln für ihren Amphibienreichtum bekannt sind, das kann nicht stimmen! Und auch ansonsten ist diese Studie populistisch und zweifelhaft. Mir fallen in Peru (und da kenn ich mich einigermaßen aus) bedeutend artenreichere Gebiete ein als ausgerechnet den von Tieflandregenwald geprägten Manu-Nationalpark. Die Bergregenwälder des Andenostabhangs sind deutlich artenreicher v.a. was Vögel und Amphibien aber auch Pflanzen angeht. Und auch dort gibt es einige Schutzgebiete (bspw. Sira-Reserve). Keine Frage dass das im Prinzip alles geschützt gehört, das Problem ist eher das die roten Listen nur für die bekanntesten Schutzgebiete existieren und damit bedeutendere und meist schlechter zugängliche aber nicht minder bedrohte Gebiete nicht wahrgenommen werden.
wusel8 15.11.2013
4. Amphibien
Zitat: "Zu den unersetzlichen Schutzgebieten zählen die Wissenschaftler unter anderem die wegen ihrer einzigartigen Amphibienvielfalt berühmten, zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln ..." Dass es auf diesen doch eher zur Trockenheit neigenden Felsbrocken besonders viele Amphibien geben soll, ist geradezu unglaublich und wunderbar und natürlich durch und durch schützenswert. Dennoch habe ich den Verdacht, dass es sich bei dieser Artenvielfalt doch eher um Reptilien handelt. Als Amphibium würde ich da auswandern - UNESCO hin, UNESCO her.
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