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Artenvielfalt: Große Naturschutzgebiete liegen am falschen Ort

Naturschutzgebiete bieten vielen Tier- und Pflanzenarten die letzte Überlebenschance. Doch die größten Refugien orientieren sich meist an den Bedürfnissen der Menschen, wie eine aktuelle Studie ergeben hat: Ausgerechnet die artenreichsten Gegenden bleiben ungeschützt.

Fischreiher (in Florida): Naturschutzgebiete oft an Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet Zur Großansicht
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Fischreiher (in Florida): Naturschutzgebiete oft an Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet

Naturschutzgebiete, darüber herrscht unter Experten weitgehend Einigkeit, sind an sich eine gute Idee. Erst vergangene Woche wurde eine großangelegte Studie veröffentlicht, laut der die globale Artenvielfalt derzeit dramatisch schwindet - und dass Schutzgebiete ein wirksames Mittel dagegen sein können.

Jetzt aber warnen Forscher davor, dass viele Naturreservate eher an den Bedürfnissen des Menschen als an denen der Natur ausgerichtet sind. Lisette Cantú-Salazar und Kevin Gaston von der University of Sheffield analysierten Informationen über Schutzgebiete, die mindestens 25.000 Quadratkilometer umfassen. Das entspricht etwas mehr als der Ausdehnung des Bundeslandes Hessen. Reservate dieser Größe gibt es auf allen Kontinenten außer der Antarktis.

Gerade die größten Naturschutzgebiete zeichnen sich laut der Studie, die im Fachmagazin "BioScience" erschienen ist, durch besondere Kargheit aus: Schnee, Eis, Wüsten und Regionen mit spärlicher Vegetation herrschen vor. Die Regionen mit der höchsten Dichte der Artenvielfalt dagegen befänden sich zumeist gerade nicht in Schutzgebieten.

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Artensterben: Wie der Mensch die Natur bedroht
Die Forscher fanden allerdings auch Ausnahmen von dieser Regel. So umfassten manche Schutzgebiete Regionen mit besonders kostbaren Ökosystemen, wie etwa südamerikanische Nebelwälder oder Lebensgemeinschaften im Himalaja. Häufig seien diese Lebensräume besonders empfindlich, ihr Schutz lasse aber zu wünschen übrig, so die Forscher: Die Reservate würden oft schlecht verwaltet und seien unter anderem von Überweidung und illegaler Jagd bedroht. Hierbei besteht den Wissenschaftlern zufolge Handlungsbedarf.

Immerhin können Umweltschützer auf Besserung hoffen: Auf dem Uno-Naturschutzgipfel in Nagoya haben die Staaten Ende vergangener Woche umfassende Maßnahmen beschlossen. So sollen bis 2020 rund 17 Prozent der Landfläche und zehn Prozent der Meeresfläche unter Schutz gestellt werden.

mbe/dapd

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1. Dieser Titel liegen falschen Stellen
Saïph 01.11.2010
Großer Journalismus, wenn sich bei Erstellen der Nachricht nicht einmal die Überschrift zweimal durchgelesen wird...
2. Schutzwert
exkeks 01.11.2010
Ist es denn so, dass artenreiche Biotope besonders schützenswert seien? Ich könnte mir vorstellen, dass Leute wie Reichholf andere Kriterien (etwa die gesamtsystemische Relevanz) anlegen würden...
3. Es ist schon traurig,
dr.u. 01.11.2010
dass man überhaupt Naturschutzgebite braucht. Die menschliche Existenz sollte grundsätzlich den Anspruch haben, den Rescourcenverbrauch zu minimieren und immer mit der geringsmöglichen Beeinträchtigung der natürlichen Umgebung auszukommen. Das Ganze aus der Einsicht gespeist, dass wir uns sonst unserer eigenen Lebensgrundlage berauben. Viele sogenannte "primitive" Völker konnten das wesentlich besser als der ach so gebildete, technisierte und industrialisierte Mensch. Aber solange sich die MC Donalds Tüten an den Schnellstraßenauffahrten sammeln, BP und Haliburton im Golf von Mexico nach Tunfisch in Öl bohren, Shell das Niegerdelta vergiftet und Elektroschrott an der Elfenbeinküste zwecks Kupfergewinnung abgefackelt wird, brauchen wir wohl diese Naturschutzgebiete. Und wenn es nur ist, um unsere Gewissen zu beruhigen...
4. Romantik
Daniel28, 01.11.2010
Zitat von dr.u.dass man überhaupt Naturschutzgebite braucht. Die menschliche Existenz sollte grundsätzlich den Anspruch haben, den Rescourcenverbrauch zu minimieren und immer mit der geringsmöglichen Beeinträchtigung der natürlichen Umgebung auszukommen. Das Ganze aus der Einsicht gespeist, dass wir uns sonst unserer eigenen Lebensgrundlage berauben. Viele sogenannte "primitive" Völker konnten das wesentlich besser als der ach so gebildete, technisierte und industrialisierte Mensch. Aber solange sich die MC Donalds Tüten an den Schnellstraßenauffahrten sammeln, BP und Haliburton im Golf von Mexico nach Tunfisch in Öl bohren, Shell das Niegerdelta vergiftet und Elektroschrott an der Elfenbeinküste zwecks Kupfergewinnung abgefackelt wird, brauchen wir wohl diese Naturschutzgebiete. Und wenn es nur ist, um unsere Gewissen zu beruhigen...
Welch süße, romantische Vorstellung. In der Regel sind primitive Völker eben nur zu primitiv gewesen, um der Natur ernsthaft zu schaden. Aber öfter als man denkt, haben sie doch recht erfolgreich Umweltzerstörung betrieben.
5. naive Vorstellung
gis 01.11.2010
Zitat von dr.u.dass man überhaupt Naturschutzgebite braucht. Die menschliche Existenz sollte grundsätzlich den Anspruch haben, den Rescourcenverbrauch zu minimieren und immer mit der geringsmöglichen Beeinträchtigung der natürlichen Umgebung auszukommen. Das Ganze aus der Einsicht gespeist, dass wir uns sonst unserer eigenen Lebensgrundlage berauben. Viele sogenannte "primitive" Völker konnten das wesentlich besser als der ach so gebildete, technisierte und industrialisierte Mensch. Aber solange sich die MC Donalds Tüten an den Schnellstraßenauffahrten sammeln, BP und Haliburton im Golf von Mexico nach Tunfisch in Öl bohren, Shell das Niegerdelta vergiftet und Elektroschrott an der Elfenbeinküste zwecks Kupfergewinnung abgefackelt wird, brauchen wir wohl diese Naturschutzgebiete. Und wenn es nur ist, um unsere Gewissen zu beruhigen...
Die sogenannten "primitiven" Völker hatten meist nicht die Möglichkeit die Umwelt zu schädigen. Mit einer Steinaxt kann man den Amazonasurwald eben nicht abholzen. Drücken Sie den Indianern eine Stihl Kettensäge und ein modernes Jagdgewehr in die Hand, dann werden Sie sich wundern was passiert.
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