Aschewolke Lufthansa will eigenen Messflug starten

Wie hoch ist die Konzentration der Vulkanasche, wie gefährlich ist sie wirklich? Ergebnisse des Forschungsflugs vom Luft- und Raumfahrtzentrum liegen noch nicht vor. Jetzt ergreift Deutschlands größte Airline die Initiative - und schickt einen speziell ausgerüsteten Airbus auf Messmission.

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Frankfurt am Main/Hamburg - Der Luftverkehr über Europa bleibt weiterhin eingeschränkt. Noch immer kann kein Wissenschaftler sagen, wie groß die Gefahren sind, die von der Vulkanasche ausgeht. Können Triebwerke ausfallen? Wie hoch müssen die Aschepartikel konzentriert sein, damit das passiert? Mit Spannung blicken Luftfahrtexperten nach Oberpfaffenhofen. Von dort war am Montag ein Forschungsflugzeug Falcon 20 E quer über Deutschland geflogen und hatte Dichte und Konsistenz der Aschewolke sowie die Größe der Teilchen gemessen. Schäden an der Maschine gab es keine.

Die Auswertung der Daten am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) läuft derzeit auf Hochtouren. "Die Wissenschaftler haben bis in die frühen Morgenstunden gearbeitet", sagte der DLR-Sprecher Andreas Schütz an diesem Dienstag. "Wir hoffen, heute Daten übergeben zu können." Die Auswertung soll unter anderem an das Bundesverkehrsministerium und den Deutschen Wetterdienst als Auftraggeber gehen. Ob es in den nächsten Tagen weitere Forschungsflüge geben wird, sei noch nicht entschieden.

Die Deutsche Lufthansa will die Aschewolke aus dem isländischem Vulkan mit einem eigenen Testflug untersuchen lassen. In Zusammenarbeit dem Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz soll nach Angaben des Unternehmens ein dafür speziell ausgerüsteter Airbus A340-600 am Dienstagnachmittag von Frankfurt aus starten und mehrere Stunden lang Messdaten über Europa sammeln. Der Flug findet demnach im Rahmen der seit Montag erlaubten kontrollierten Sichtflüge statt.

Die Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes erhoffen sich laut Lufthansa erste exakte Werte zur Konzentration und Verteilung der Vulkanasche über Europa. Es sei der erste weiträumige Messflug, der im europäischen Luftraum vorgenommen werde, erklärte die Fluggesellschaft.

"Belastung geringer als in Regionen mit aktivem Vulkanismus"

In den vergangenen Tagen hatten mehrere deutsche Forschungsinstitute die Aschewolken untersucht - allerdings nur vom Boden aus mit Laserstrahlen. Mit den sogenannten Lidar-Systemen ("light detection and ranging") konnten sie eindeutig nachweisen, dass es Aschepartikel in der Atmosphäre gibt. Präzise Angaben etwa zur Größe der Teilchen, ihrer chemischen Zusammensetzung und der Konzentration sind damit aber kaum möglich.

Einige qualitative Aussagen können die Forscher dennoch machen. Volker Wulfmeyer von der Universität Hohenheim hat die aktuellen Messungen mit Daten verglichen, die erhoben wurden, als Sandstaub aus der Sahara über Süddeutschland schwebte, was immer mal wieder vorkommt. "Die Signale damals waren stärker", sagte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Das sage jedoch nichts über die Gefahren, die von Vulkanasche ausgingen. Schließlich sei Sandstaub nicht identisch mit Vulkanasche.

Albert Ansmann vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig verweist ebenfalls auf die vergleichsweise geringe Aschekonzentration in der Luft: "Wir haben derzeit in Europa eine Belastung, die geringer ist als in Regionen mit aktivem Vulkanismus, etwa Indonesien", sagte er. Dort finde jedoch ständig Flugverkehr statt. Daher gebe es auch Forscherkollegen im Ausland, die sich über die Einschränkungen des Luftverkehrs in Europa wunderten.

"Keinerlei Auffälligkeiten"

Bei zwei langen Testflügen hat der Flugzeugbauer Airbus keine Einflüsse der Vulkanasche auf Maschinen und Flugsysteme festgestellt. "Auf beiden Testflügen zeigten sich keinerlei Auffälligkeiten. Dies ist das Ergebnis der Beobachtungen durch die Piloten während des Fluges sowie der anschließenden Auswertung der Messdaten", erklärte Firmensprecher Tore Prang am Dienstag in Hamburg. Zu den Tests starteten am Montag in Toulouse ein Airbus A380 und ein A340. Beide Großraumjets flogen mehrere Stunden den europäischen Luftraum ab und landeten am Montagabend wieder am Startort. Bei Testflügen am Wochenende hatte auch die Lufthansa keine Schäden an Maschinen festgestellt. Die Durchmischung der Aschewolke sei mittlerweile so groß, dass keine Gefahr mehr bestehe, sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber am Sonntagabend.

Keine Gesundheitsgefahr

Die von dem isländischen Vulkan ausgestoßene Asche stellt der WHO zufolge für die Menschen in Europa bislang keine Gefahr da. Lediglich in der Umgebung des Eyjafjallajökull auf Island selbst gebe es Anlass zur Sorge, sagte Carlos Dora von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Wer in der Nähe des Vulkans wohne, solle sich nicht im Freien aufhalten oder einen Mund- und Augenschutz tragen.

Sollte die Aschewolke doch bestehen bleiben, wären der WHO zufolge Asthmatiker sowie Herz- und Lungenkranke am stärksten gefährdet. "Alle diese Erkrankungen werden durch hohe Konzentrationen von kleinen Teilen schlimmer", sagte Dora. Allerdings seien die Ascheteile aus Island offenbar weniger belastend als ähnliche Partikel, die von Autos oder Heizungen ausgestoßen würden, sagte der WHO-Mann.

Mit Material von dpa und AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
alignor 20.04.2010
1. Da bin ich aber gespannt,
was bei den Messungen herausgefunden wird...lol Na, wer wagt den Blick in die Kristallkugel?
Thomas Kossatz 20.04.2010
2. gz. Dr. Marlboro
Unabhängig vom Ergebnis: Hier werden die Grenzen zwischen der Aufsichtsbehörde und dem Beaufsichtigten verwischt. Ich halte das für nicht in Ordnung.
Cleo96 20.04.2010
3. Messmission
Und was machen sie mit den Messergebnissen? Weiß die Lufthansa ab wieviel Gramm, Milligramm oder Mikrogramm "Asche" es für die Triebwerke und/oder Meßinstrumente gefährlich wird? Wenn ja, wären die Lufthansa klarer Kandidat für den Nobelpreis in Physik.
albert schulz 20.04.2010
4. Schweinegrippe
für Flugzeuge ? Wenn die Brüder von der LH meinen fliegen zu können, ist es ihr Risiko und ihr Schaden, wenn was passiert. Das würden sie nicht überleben. Die Frage muß also erlaubt sein, warum die Aufsichtsbehörden hier so restriktiv agieren. Kann wohl nicht nur dieses polnische Begräbnis gewesen sein. Ist es einfach nur die übliche Ablenkung von wichtigen Fragen ? Aktivität zeigen ?
Julian Bachert, 20.04.2010
5. ...
Zitat von Thomas KossatzUnabhängig vom Ergebnis: Hier werden die Grenzen zwischen der Aufsichtsbehörde und dem Beaufsichtigten verwischt. Ich halte das für nicht in Ordnung.
Die behördliche Hoheitsgewalt wird hier ja nicht beschnitten oder eingeschränkt. Die LH führt diesen Flug durch, um ggf eine Öffnung des Luftraums zu ermöglichen. Dies wird nur geschehen, wenn eine Gefährdung für Leib und Leben aller Beteiligten ausgeschlossen werden kann. Die LH hat hier keine Entscheidungsgewalt und darum ist das auch in Ordnung.
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