Atacama-Wüste: Mikroben trotzen Temperatursprüngen von 66 Grad

Kaum Wasser, starke UV-Strahlung, Temperatursprünge von mehr als 60 Grad - mitten in der unwirtlichen Atacama-Wüste haben Biologen Mikroben entdeckt. Leben die Winzlinge von giftigen Wüstengasen?

Atacama-Wüste: Nachts minus zehn Grad, tagsüber mehr als 50 Grad plus. Zur Großansicht
DPA

Atacama-Wüste: Nachts minus zehn Grad, tagsüber mehr als 50 Grad plus.

Berlin - Wenn Mikrobiologen ein Gramm Erde analysieren, entdecken sie normalerweise Tausende verschiedene Lebensformen darin. Die Mikrobenvielfalt ist groß. Bei den Proben aus der Atacama-Wüste in Südamerika, die ein Forscherteam nun untersucht hat, war das anders. Nur wenige Mikroben konnten Steve Schmidt und seine Kollegen von der University of Colorado in Boulder überhaupt nachweisen.

"Im Boden eine Gemeinschaft von weniger als 20 Arten zu finden, ist ziemlich bemerkenswert für einen Mikrobiologen", sagte Schmidt. Doch die Bedingungen im Grenzgebiet zwischen Argentinien und Chile seien extrem. In einer Höhe von über 6000 Metern brennt die Sonne unerbittlich, die UV-Strahlung ist doppelt so hoch wie in normaler Höhe. Wasser gibt es praktisch nicht. Bei den Untersuchungen vor Ort schwankten die Temperaturen zwischen minus 10 Grad nachts und plus 56 Grad tagsüber.

Die Forscher suchten in dem vulkanischen Gestein nach Leben - und konnten zumindest die DNA einfacher Lebensformen wie Bakterien und Pilzen nachweisen. Um welche Arten es sich genau handle, wisse man noch nicht, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Journal of Geophysical Research".

"Wir haben die Arten noch nicht identifiziert", sagte der Mikrobiologe Ryan Lynch. Die Lebensformen würden sich auf jeden Fall stark von denen unterscheiden, die man bislang kenne. Die DNA unterscheide sich um mindestens fünf Prozent von der allen anderer Mikroben aus einer 2,5 Millionen Arten umfassenden Datenbank. Die Datenbank beinhalte nahezu alle bekannten Mikroorganismen.

Wie die noch nicht identifizierten Mikroben unter den extremen Bedingungen der Atacama-Wüste überleben, wissen die Forscher bislang nicht. Gene, die für eine Photosynthese sprechen, wurden nicht gefunden. Womöglich nutzen die Lebensformen ja die Energie chemischer Reaktionen, schreiben die Forscher. Als Basis dafür kämen Kohlenmonoxid oder Dimethylsulfid in Frage, die in der Wüstenluft vorkommen.

Das Interesse für Leben in scheinbar totem Gestein kommt nicht von ungefähr: Was in der Atacama-Wüste passiert, könnte in ähnlichen Umgebungen auch auf anderen Planeten wie dem Mars ablaufen. Die Hochwüste gilt als der Platz auf der Erde, der dem Roten Planeten am ähnlichsten ist. "Wenn wir die Limits für Leben auf der Erde kennen und die Bedingungen auf dem Mars, dann haben wir eine bessere Idee davon, was dort leben könnte", sagte Schmidt.

hda

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