Atacamagraben: Meeresforscher staunen über seltene Tiefseefische
Gewimmel in der Tiefe, ausdauernde Fressorgien: Ein internationales Forschungsteam hat in einer Tiefseerinne vor der Südamerikanischen Küste faszinierende Tiere entdeckt - trotz der vermeintlich lebensfeindlichen Umgebung.
Dass es auch in der Tiefe der Weltmeere oft von Leben wimmelt, das hat der "Census of Marine Life" eindrücklich bewiesen (siehe Fotostrecken links). Bei der Volkszählung in den Ozeanen waren Forscher auch in Gebieten auf zahllose tierische Bewohner gestoßen, die sie eigentlich für lebensfeindlich gehalten hatten. Einerseits verwundert die Entdeckung damit nicht unbedingt, die Forscher nun im Atacamagraben vor der Westküste Südamerikas gemacht haben. Und andererseits sind die erstaunlichen Fische am Grund der Tiefseerinne ein weiterer Hinweis darauf, wie viel es in den Meeren noch immer zu entdecken gibt.
Wissenschaftler aus Schottland, Japan und Neuseeland hatten - vom deutschen Forschungsschiff "Sonne" aus - sogenannte Scheibenbäuche entdeckt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Tiere, bei denen die Bauchflossen zu einer Saugscheibe umgebildet sind, gesichtet wurden. Doch die Forscher haben offenbar in 7000 Metern Tiefe eine neue Art entdeckt, wie die University of Aberdeen berichtet.
Der Atacamagraben tut sich auf, weil dort die Nasca-Platte unter die Südmaerikanische Platte taucht. Die Forscher hatten in den vergangenen Jahren Tiefseefische vor Japan und Neuseeland beobachtet. Nun wollten sie sehen, was die Ozeane vor Südamerika zu bieten haben. Sie drangen mit einem speziellen Kamerasystem in die Tiefe vor. Es war mit einem Köder versehen, um die Tiere anzulocken. Dabei zeigte sich, dass der Graben eine ganze eigene Gruppe von Bewohnern beherbergt.
Zwischen 4500 und 8000 Metern Wassertiefe machte die Apparatur immerhin 6000 Aufnahmen. Neben den Scheibenbäuchen entdeckten die Forscher auch Gruppen von Brotulas, das sind Knochenfische. Die Tiere hätten sich einem Fall in eine wahre Fressorgie hineingesteigert, berichten die Forscher um Alan Jamieson von der University of Aberdeen. Mindestens 22 Stunden am Stück hätten die Fische gefuttert - ein Hinweis darauf, dass das Nahrungsangebot sieben Kilometer unter der Wasseroberfläche oft doch recht überschaubar sein dürfte. Ob es sich bei den Marathon-Fressern ebenfalls um eine neue Art handelt, wissen die Wissenschaftler noch nicht. Für möglich halten sie es aber.
Auch aasfressende Krustentiere fanden den Weg vor die Kamera. Dass die überdimensionierten Flohkrebse in solch großer Zahl in der finsteren Tiefe vorkamen, überraschte die Wissenschaftler nach eigenem Bekunden. Die Tiefsee-Amphipoden der Gattung Eurythenes seien weit größer gewesen und in größeren Wassertiefen aufgetreten als man vermutet hatte. Das werfe die Frage auf, warum die Tiere vor Südmaerika durchaus in sieben bis acht Kilometern Wassertiefe existieren können, auch wenn das woanders nicht der Fall ist.
Das Fazit der Forscher: Jeder der von ihnen über die Jahre untersuchten Tiefseegräben stellt eine eigene kleine Welt dar, mit reichhaltiger und vielfältiger Besiedlung. Das leben in der Tiefe habe sich in einer einzigartigen Art und Weise entwickelt. Durch die Isolation habe es eine evolutionäre Entwicklung gegeben, vergleichbar mit dem Leben auf einsamen Inseln. In diesem Zusammenhang verglichen die Wissenschaftler die Tiefseelebewesen mit Darwins berühmten Galapagosfinken.
chs
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