Studie zu weltweitem Luftverkehr TUI Airways fliegt am klimafreundlichsten

Wie viel CO2 stoßen Flugzeuge pro Passagier und Kilometer aus? Im globalen Ranking liegen TUI-Jets vorn. Doch der Branche gelingt keine Trendwende: Ihr gesamter CO2-Ausstoß steigt weiter.

Boeing 737 der Fluggesellschaft TUI Fly (Archivbild)
imago/ Horst Galuschka

Boeing 737 der Fluggesellschaft TUI Fly (Archivbild)


Der Weltluftverkehr droht laut einer aktuellen Studie seine selbst gesetzten Klimaziele zu verfehlen. Wie die Umweltorganisation Atmosfair am Samstag auf dem Weltklimagipfel in Bonn mitteilte, geht die Flottenerneuerung durch sparsame, moderne Jets bei wachsendem Verkehr nur schleppend voran.

Weltweit stiegen die CO2-Emissionen der Airlines um gut 4 Prozent, die Flugkilometer um knapp 7 Prozent. Bei der Vorstellung des atmosfair-Klimaindex 2017 warnte Geschäftsführer Dietrich Brockhagen: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Luftverkehr weltweit nicht auf Zielkurs ist."

International gehöre nur eine von 100 Maschinen zur Klasse der hocheffizienten Flugzeuge. Von den 50 klimaeffizientesten Airlines der Welt kommen laut Studie 16 aus Europa und zehn aus China.

Beste Chartergesellschaft aus Hannover

Dieser Trend zeigt sich auch an der Spitze: Zwei Fluggesellschaften des Tui-Reisekonzerns aus Hannover und die chinesische China West Air sind demnach die saubersten Airlines weltweit.

Die Chinesen, die im Vorjahr noch die Liste angeführt hatten, wurden an der Spitze nun von der britischen Tui Airways (früher: Thomson Airways) verdrängt. China West Air liegt jetzt auf Platz zwei - vor der Tuifly aus Hannover auf Platz drei. Tuifly belegt seit dem Index-Start stets einen der vordersten Ränge.

Damit gilt Tui Airways als beste Charter-Gesellschaft weltweit: Sie hat in der Gesamtwertung die geringsten CO2-Emissionen pro Passagier und Kilometer. Mit der Condor auf dem neunten Platz schaffte es ein weiterer deutscher Ferienflieger in der Gesamtwertung in die Top Ten.

Zu den Kriterien für die Index-Beurteilung der Klimafreundlichkeit der gut 200 weltgrößten Fluggesellschaften zählt unter anderem die Zahl der bei einem Flug transportierten Passagiere. Der Grund: Flugzeuge mit enger Bestuhlung belasten in der Bilanz die Umwelt deutlich weniger mit dem Klimakiller CO2 als Flieger mit viel Beinfreiheit.

CO2 aus Flugzeugen besonders klimaschädlich

Zudem zahlte sich der Einsatz moderner Maschinen mit weniger Emissionen aus. Flugzeuge wie die Boeing 787-9 und der Airbus A350-900 erzielen laut der Studie auch auf der Langstrecke Werte von weniger als 3,5 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer.

Auf den ersten Blick scheint Fliegen ja sogar klimafreundlicher zu sein als Autofahren. Wenn eine Person allein mit einem Mittelklassewagen fährt, verbraucht dieser etwa 6 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Im Flugzeug sind es nur 3,5 Liter.

Doch CO2 ist nicht gleich CO2: Wird es in großen Höhen von einem Flugzeug ausgestoßen, schädigt es das Klima laut Berechnungen des Umweltbundesamts etwa dreimal so stark wie die gleiche Menge CO2 aus einem Autoauspuff. Deshalb wäre es vor allem bei Kurzstreckenverbindungen fürs Klima besser, diese mit einem modernen Pkw zu fahren als zu fliegen.

China überholt die USA

Die Lufthansa steigerte sich im Vergleich zur Konkurrenz dank einer erneut verbesserten Auslastung und Flotte auf Platz 65 und liegt damit kurz vor Air France (68). "Auf der Kurz- und Mittelstrecke setzt Lufthansa immer weniger ineffizientere Flugzeugmodelle ein", betonte atmosfair.

Die Analyse zeigt auch, dass chinesische Airlines dank modernerer Flotten zunehmend die US-Airlines im Index überholen. Die großen Gesellschaften Delta Air Lines und United Airlines liegen punktgleich mit Uzbekistan Airlines auf Rang 41 - nur die amerikanische Alaska Airlines liegt mit Platz 14 im vorderen Bereich der Top 50.

Falle für das Treibhausgas

Atmosfair bieten Fluggästen ebenso wie auch Nutzern anderer Verkehrsmittel an, den durch ihre Mobilität verursachten CO2-Ausstoß durch Zahlungen zu kompensieren, die dann in Klimaschutzprojekte fließen.

Die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens von 2015 erfordert für das 1,5 Grad Ziel, dass CO2-Emissionen weltweit noch vor 2020 ihren Höchststand erreichen und dann um diesen Wert zu sinken beginnen. Die Emissionen von Flugzeugen und auch Schiffen sind jedoch nicht Teil des Pariser Vertrags - sie wurden ausgeklammert.

Die Internationale Zivil-Luftfahrtorganisation ICAO beschloss 2016, dass Fluggesellschaften ab dem Jahr 2021 Zertifikate für den Ausstoß von CO2 kaufen müssen - bis zum Jahr 2026 allerdings auf freiwilliger Basis. Erst ab dem Jahr 2027 sollen die Zertifikate verpflichtend sein.

hda/dpa

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