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Atmosphäre: CO2-Gehalt steigt schneller als erwartet

Wird sich die Erde noch schneller und noch stärker erwärmen als bislang befürchtet? Neue Analysen zeigen, dass sich der Kohlendioxidanteil der Atmosphäre rascher erhöht als angenommen. Zu zwei Dritteln ist daran der Mensch schuld, glauben Forscher.

Der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre steigt - und zwar schneller als bislang befürchtet. Schuld daran ist das globale Wirtschaftswachstum und eine immer ineffizientere Industrie, meinen Forscher.

Chinesisches Kohlekraftwerk: Ineffiziente Industrie in Asien bewirkt eine schnellere Zunahme der CO2-Emissionen
REUTERS

Chinesisches Kohlekraftwerk: Ineffiziente Industrie in Asien bewirkt eine schnellere Zunahme der CO2-Emissionen

Der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre gilt als der wichtigste Indikator des Klimawandels. Zu Beginn der industriellen Revolution lag er bei 280 Teilchen pro Millionen (ppm), 2006 wurden 381 ppm erreicht. Mit einer stetigen Zunahme der CO2-Konzentration haben sich viele Menschen längst abgefunden - zumindest für die Gegenwart.

Doch der CO2-Anteil ist in den vergangenen Jahren sogar schneller gestiegen als erwartet. In den achtziger und neunziger Jahren erhöhte er sich noch um 1,5 bis 1,6 ppm pro Jahr. Im Zeitraum von 2000 bis 2006 betrug die jährliche Rate jedoch 1,93 ppm, wie Josep G. Canadell und seine Kollegen vom Global Carbon Project in Canberra (Australien) jetzt berichten.

Die Atmosphäre hat nach ihren Berechnungen zwischen 2000 und 2006 im Schnitt 4,1 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr zusätzlich aufgenommen. Deprimierendes Fazit der Wissenschaftler: Das Klima werde sich aufgrund dieser Veränderungen stärker und früher als angenommen wandeln.

Zwei Gründe haben die Forscher für den unerwartet schnellen Kohlendioxid-Anstieg ausgemacht: Zum einen habe die Menge der CO2-Emissionen zugenommen, schreiben Canadell und seine Mitarbeiter im Fachblatt " Proceedings of the National Academy of Sciences". Zum anderen würden immer weniger Treibhausgase gespeichert - sowohl auf dem Land als auch in den Ozeanen.

Die Wissenschaftler hatten umfangreiche Daten zum Kohlenstoffhaushalt der vergangenen 150 Jahre ausgewertet. Dabei stellten sie fest, dass die Effizienz der Industrie in Bezug auf das Treibhausgas zurückgegangen ist. Seit dem Jahr 2000 wird mehr Kohlendioxid freigesetzt, um dieselbe wirtschaftliche Leistung zu erreichen. Bisherige Prognosen waren stets davon ausgegangen, dass sich die Nutzungsbilanz wie in den Jahrzehnten vor 2000 weiter verbessert.

Wirtschaftswachstum in Asien maßgeblich Schuld

Schuld daran ist nach Ansicht der Forscher das weltweite Wirtschaftswachstum, vor allen in Teilen Asiens wie China und Indien. Der Studie zufolge stiegen die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen zwischen 2000 und 2006 jährlich um 3,3 Prozent. In den neunziger Jahren waren es hingegen nur 1,3 Prozent. Den Anteil des globalen Wirtschaftswachstums an der CO2-Zunahme in der Atmosphäre beziffern die Autoren mit 65 Prozent.

35 Prozent der Kohlendioxid-Zunahme führen sie auf kaum noch aufnahmefähige CO2-Senken zurück. Land als auch Ozeane können immer weniger Treibhausgas der Atmosphäre entziehen. In den achtziger und neunziger Jahren seien dies nur etwa 3,2 bis 3,4 Milliarden Tonnen jährlich gewesen. Veränderte Windzirkulationen im südlichen Ozean und eine Serie von Dürren in den mittleren Breitengraden seien dafür die Ursachen.

Erst kürzlich hatten britische Forscher berichtet, dass die Weltmeere heute deutlich weniger Treibhausgase aufnehmen als noch vor zehn Jahren. Die Wissenschaftler unter Leitung von Andrew Watson von der University of East Anglia hatten mehr als 90.000 Messungen aus dem Nordatlantik in der Zeit von 1995 bis 2005 ausgewertet. Ihr Ergebnis: Die CO2-Aufnahme des Meeres verringerte sich in diesem Zeitraum um die Hälfte. Diese Ergebnisse seien "höchst beunruhigend".

lub/dpa

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