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Atmosphäre: Tropenbrände setzen große Mengen Quecksilber frei

Waldbrände auf der Südhalbkugel der Erde belasten die Umwelt stärker als bislang angenommen mit hochgiftigem Quecksilber. Das Umweltgift landet später in der Nahrungskette - Fische in bestimmten Seen Kanadas und Skandinaviens sind deshalb nicht mehr genießbar.

Quecksilber ist ein tückisches Umweltgift. In der Atmosphäre kommt es vor allem als Elementdampf vor. In Seen und Ozeanen abgelagertes Quecksilber wird hingegen teilweise zum äußerst giftigen Methylquecksilber umgewandelt, das sich auch in Fischen anreichert. In Kanada und Skandinavien sind deshalb inzwischen Tausende Seen so belastet, dass deren Fische nicht mehr gegessen werden sollten.

Mess-Sonde am Airbus: Quecksilber-Emissionen stark saisonabhängig
Max-Planck-Institut

Mess-Sonde am Airbus: Quecksilber-Emissionen stark saisonabhängig

Deutsche Forscher haben nun eine wichtige, bislang wenig erforschte Quecksilberquelle identifiziert: Waldbrände auf der Südhalbkugel. Brennende Biomasse setze dort zeitweilig mehr giftiges Schwermetall frei als menschliche Aktivitäten wie Kohlekraftwerke und Müllverbrennung, teilte das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie mit. Dies hätten Messungen mit einem Luftbeobachtungssystem an Bord eines Linienflugzeugs ergeben, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" (Bd. 34, S. L08813).

Die Biomasseverbrennung ist demnach für drei bis elf Prozent des weltweiten Quecksilberausstoßes verantwortlich, was einer Menge von 210 bis 750 Tonnen pro Jahr entspreche. "Diese Emissionen variieren von Jahr zu Jahr und sind stark saisonabhängig", teilten die Forscher mit. Während der von August bis Oktober dauernden Brandrodungssaison setze brennende Biomasse auf der Südhalbkugel mehr Quecksilber frei als der Mensch.

90 Prozent aller Brände in den Tropen

Weltweit gehen etwa drei Viertel des Quecksilbers, das in die Atmosphäre gelangt, auf menschliche Tätigkeiten zurück. Nur ein Viertel stammt aus natürlichen Quellen wie Vulkanen. Obwohl etwa 90 Prozent aller Waldbrände und Brandrodungen auf die Tropen entfallen, sei bislang nicht bekannt gewesen, welche weltweite Bedeutung diese Quecksilberquelle hat, betonen die Forscher. Zwar sei vor fünf Jahren beobachtet worden, dass bei der Verbrennung von Biomasse - etwa bei Wald- oder Savannenbränden - größere Mengen des Schwermetalls frei werden. Diese Messungen hätten sich jedoch auf die Nordhalbkkugel beschränkt.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) hatte 2005 dazu aufgerufen, den globalen Quecksilberkreislauf besser zu erforschen. Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts Caribic maßen die Forscher im Jahr 2005 bei Linienflügen von Frankfurt nach Chile via Brasilien erstmals die Quecksilber- und Kohlenmonoxid-Konzentrationen in den gewaltigen Abluftfahnen. Die Abgase stammten aus großen Waldbränden im südlichen, östlichen und zentralen Brasilien.

Für das Projekt Caribic, an dem auch das Institut für Küstenforschung am GKSS-Forschungszentrum Geesthacht beteiligt ist, wurde ein Lufthansa-Airbus A340-600 im Frachtraum mit einem Messcontainer ausgerüstet, der 15 empfindliche Instrumente enthält. Das Flugzeug ist weltweit unterwegs.

hda/dpa

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