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Atommüll: Forscher gibt Stoltenberg Verantwortung für Asse-Skandal

"Man hat die Probleme klar gesehen - und die Asse trotzdem zum Endlager gemacht": Historiker Möller macht den früheren Forschungsminister Stoltenberg für den Skandal um das einsturzgefährdete Atommülllager verantwortlich. Das Bergwerk sei schon beim Kauf in schlechtem Zustand gewesen.

Hamburg - Der frühere Bundesforschungsminister Gerhard Stoltenberg und die ihn beratenden Ministerialbeamten sind nach Überzeugung des Historikers Detlev Möller die Verantwortlichen für das einsturzgefährdete Atommülllager Asse in Niedersachsen. "Ohne den massiven politischen Willen pro Atomenergie würde es das Problem heute nicht geben", sagte der Forscher dem SPIEGEL.

Atommüll im Endlager Asse: Wegweisend für die Entwicklung der Atomkraft
DDP

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Nach Ansicht Möllers, der fünf Jahre Akten zu dem Thema ausgewertet und jetzt eine Dissertation zur Geschichte der Endlagerung radioaktiver Abfälle veröffentlicht hat, subventionierte der Staat mit der kostengünstigen Beseitigung des Strahlenmülls die Stromkonzerne.

Noch wichtiger sei aber die psychologische Funktion der alten Salzgrube gewesen: "Für die Firmen war die Beseitigung der Abfälle eines der größten Probleme bei der Entwicklung der Kernenergie. Mit der Benennung der Asse als Endlager war das Problem 1968 für Jahrzehnte ausgeräumt", so Möller.

Vieles spreche dafür, dass sich die Atomwirtschaft ohne die Asse niemals so hätte entwickeln können. So habe beispielsweise der zunächst gegenüber der Kernkraft zurückhaltende Konzern RWE abrupt einen Kurswechsel hin zur Atomenergie vollzogen.

Aus den alten Unterlagen ergebe sich auch, dass das Bergwerk 1965 beim Kauf durch den Bund in einem sehr schlechten Zustand gewesen sei. So habe es damals schon Wasserzuläufe gegeben.

"Man hat die Probleme sowohl vor Ort als auch im Ministerium in Bonn sehr klar gesehen – und die Asse trotzdem zum Endlager gemacht. Das ist der Kern des Skandals", sagte Möller. So ergebe sich aus dem Protokoll einer Besprechung am 10. November 1967 unmissverständlich, dass die Asse im Laufe von Jahrhunderten voll Salzlauge laufen werde.

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