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Atommülllager: Decke in der Asse eingestürzt

Im maroden Atommülllager Asse in Niedersachsen gibt es neue Probleme: In dem früheren Salzbergwerk ist in rund 500 Meter Tiefe eine Decke zwischen zwei Hohlräumen eingestürzt. In den Kammern sollen sich jedoch keine atomaren Abfälle befunden haben.

Salzgitter - Es bestehe "keine akute Gefahr", teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Betreiber am Donnerstag in Salzgitter mit. Es handle sich nicht um Kammern, in denen Atomabfall gelagert gewesen sei. Vielmehr seien beide Kammern bereits mit Salz verfüllt gewesen, so dass die gebrochene Decke nur etwa 60 Zentimeter tief eingestürzt sei. Eine Erschütterung hätten die Messegeräte nicht festgestellt. Der Deckenbruch werde weiter beobachtet und geprüft, ob Stabilisierungsmaßnahmen sinnvoll seien.

Die Schachtanlage Asse bei Wolfenbüttel, in der rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktivem Atommüll lagern, ist einsturzgefährdet. Mindestens seit 1988 dringen rund 12.000 Liter Wasser täglich in die Grube ein. Mehrfach - zuletzt im Juli - wurde radioaktive Lauge entdeckt. Auch zu Gesteinsablösungen aus Decken war es in der Asse schon gekommen.

Anders als im aktuellen Fall kann es auch bei Kammern mit eingelagertem Atommüll zu Deckeneinbrüchen kommen. Im April drohten größere Gesteinsbrocken auf gelagerte Fässer zu fallen.

Im Untersuchungsausschuss des Landtages zur Asse wurde am Donnerstag in Hannover deutlich, dass Fachleute schon früh Zweifel hatten, ob die Asse zur Atommüll-Endlagerung geeignet ist. Grund für die Bedenken seien Probleme mit der Standsicherheit und der Wasserzutritt, sagte der ehemalige Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, Dieter Kind, als Zeuge im Ausschuss. Vor 30 Jahren hätten aber andere Maßstäbe gegolten.

Der frühere Asse-Betreiber wies am Donnerstag jedoch Kritik zurück. Nach Pannen und Ungereimtheiten in dem Salzbergwerk hatte das Helmholtz Zentrum allerdings die Zuständigkeit verloren, Betreiber der Asse ist seit Jahresanfang das Bundesamt für Strahlenschutz.

Das BfS will bis zum Jahresende einen Vorschlag für die endgültige Schließung des Lagers prüfen. Geprüft wird dabei auch, ob der in der Asse lagernde Atommüll ganz oder teilweise aus dem Salzstock zurückgeholt werden soll.

wit/dpa/AP/AFP

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