100 Millionen Jahre altes Fossil Bernstein konserviert Spinnenangriff

Gerade setzte die Spinne zur Attacke an, da wurde sie mitsamt ihrer Beute mit Baumharz zugedeckt - und für die Ewigkeit in Bernstein konserviert: Forscher melden den ersten Fund eines Spinnenangriffs aus der Urzeit.

Spinne und Wespe: Urzeitliche Netzattacke
Oregon State University

Spinne und Wespe: Urzeitliche Netzattacke


Oxford/Hamburg - Urzeitliches Harz hat eine Spinne beim Angriff auf ihre Beute konserviert: In Bernstein haben Forscher eine rund 100 Millionen Jahre alte fossile Spinne entdeckt, die gerade dabei war, eine in ihrem Netz gefangene Wespe zu töten.

Dies sei der erste Fossilfund, der einen solchen Spinnenangriff quasi als Momentaufnahme zeige. "Die noch junge Spinne wollte sich die winzige parasitische Wespe als Mahlzeit einverleiben, kam aber nicht mehr dazu", sagt George Poinar von der Oregon State University in Corvallis. Denn beide Kontrahenten wurden in diesem Moment von flüssigem Baumharz eingeschlossen und so für immer konserviert.

Entdeckt haben der Spinnenforscher Poinar und seine Kollegen den seltenen Fund im Hukawng-Tal in Burma. Der Bernsteinklumpen ist ihren Angaben nach 97 bis 110 Millionen Jahre alt und stammt damit aus der Kreidezeit. Die beiden darin eingeschlossenen Tiere sind bis ins kleinste Detail erhalten, selbst die Borsten auf den Beinen der zu der Art Geratonephila burmanica gehörenden Spinne und die Flügel der Wespe.

Im Bernstein konserviert sind auch mindestens 15 Fäden des Spinnennetzes. Einige davon seien um die Wespe geschlungen und belegen, dass diese zum Zeitpunkt des Angriffs im Netz gefangen war, wie die Forscher im Fachmagazin "Historical Biology" berichten.

Da war eine weitere Spinne im Netz

Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich bei der Wespe um die parasitische Art Cascoscelio incassus. Heutige Nachfahren dieser Spezies legen ihre Eier und Larven in Spinnen- und Insekteneiern ab. Vermutlich habe auch die kreidezeitliche Wespenart ähnlich gelebt. Das im Netz eingefangene Exemplar sei allerdings ein Männchen gewesen und damit für die Spinne keine unmittelbare Bedrohung.

Der Bernsteinklumpen enthielt neben dem ersten fossilen Beleg für den Angriff einer Netzspinne auf ihre Beute noch eine weitere Besonderheit, wie die Forscher berichten. Denn in dem gleichen Netz habe sich neben der Jungspinne auch eine ausgewachsene männliche Spinne aufgehalten.

Die meisten Spinnen seien Einzelgänger, die oft sogar Artgenossen töteten und verspeisten, sagen Poinar und seine Kollegen. Normalerweise zögerten männliche Spinnen daher nicht, Jungtiere in ihrem Netz anzugreifen. Dass zwei Spinnen der gleichen Art in einem Netz gefunden wurden, werten die Forscher daher als ein seltenes Beispiel für soziales Verhalten bei Spinnen. Es sei zudem der bislang älteste bekannte Beleg für ein solches Phänomen.

Spinnen sind Gliedertiere, die sich vor mindestens 200 Millionen Jahren entwickelten. Die ältesten Fossilien von Spinnen in einem Netz seien aber nur 130 Millionen Jahre alt. Belege für zwei Spinnen in einem Netz oder gar für einen solchen Angriff wie der in diesem Bernstein konservierte seien noch niemals zuvor entdeckt worden.

Erst kürzlich hatten Forscher einen interessanten Fund in Bernstein gemacht: In Afrika fanden sie erstmals Bernstein, in dem fossile Insekten, kleine Pilze und Bakterien konserviert sind. Vergleichbare Funde hatte es bislang nur in Europa, Asien und Nordamerika gegeben.

Von Nadja Podbregar, dapd

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