Schädlingsbekämpfung Attrappen locken Käfer in Sexfalle

Prachtkäfer bedrohen in den USA Eschenwälder. Eine Attrappe aus winzigen Reflektoren lockt die Schädlinge in die Falle - sie erkennen paarungswillige Weibchen.

Prachtkäfer: Angezogen von metallisch-grünen Attrappen
AP/Minnesota DNR

Prachtkäfer: Angezogen von metallisch-grünen Attrappen


Prachtkäfer-Männchen fallen auf Attrappen herein, deren Oberfläche der von Artgenossinnen ähnelt. Forscher um Michael Domingue von der Pennsylvania State University in State College imitierten die winzigen Strukturen der Deckflügel, so dass Asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) die Köder zur Paarung anflogen.

Die aus Ostasien stammende Art gilt vor allem in Amerika als eingeschleppter Schädling, der großflächig Eschenbestände bedroht. Die Attrappen ließen sich zu seiner Bekämpfung nutzen, schreiben die Biologen im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Domingue und Kollegen testeten drei verschiedene Attrappen: Beim ersten Modell prägten sie Nanostrukturen in einen Kunststoff und unterfütterten diese Oberfläche mit vier verschiedenen Lagen. Diese Kombination reflektiert Sonnenlicht mit einer Wellenlänge von etwa 540 Nanometern und verleiht dem etwa einen Zentimeter kleinen Insekt seine metallisch-grün schimmernde Farbe.

Bei der zweiten Attrappe wurde die Oberflächenstruktur einfach mit grüner Farbe bemalt, die dieselben Wellenlängen reflektiert. Bei der dritten Variante erzeugten die Forscher das Modell per 3D-Drucker mit der grünen Farbe, aber ohne Nanostrukturen.

Unter Strom gesetzt

Bei Versuchen in der Natur flogen Eschenprachtkäfer-Männchen auf die ersten beiden Attrappen-Typen, wie sie es zur Paarung tun. Beim dritten Modell näherten sie sich ebenfalls, drehten aber wenige Zentimeter vor dem Ziel ab. Die fehlenden Nanostrukturen ließen sie offenbar erkennen, dass es sich nicht um eine Artgenossin handelte.

Doch auch von den ersten zwei Attrappen ließen sich die Prachtkäfer nicht vollständig narren. Während sie bei ausgelegten echten, aber toten Weibchen tatsächlich mit der Paarung begannen, verließen sie die Attrappen nach spätestens zwei Sekunden wieder. Dass sie sich aber überhaupt darauf niederließen, werten die Forscher als Erfolg.

Sie hängten in Pennsylvania und Ungarn an Bäumen Fallen auf, bei denen sie die Attrappen auf geneigten Oberflächen anbrachten und mit Batterien unter Strom setzten. Die landenden Käfer wurden getötet und fielen in Behälter. So fingen die Wissenschaftler nicht nur paarungswillige Männchen, sondern auch einige Weibchen. Das Verfahren biete viele Vorteile im Vergleich zu Klebefallen, an denen Insekten haften bleiben, betonen sie.

boj/dpa



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