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Müll: Auf Ozeanen schwimmt weniger Plastik als vermutet

Plastikabfall: Der Müll im Meer Fotos
PNAS

Auf den Meeren unseres Planeten treibt offenbar weniger Plastikmüll als bislang gedacht. Tausenden weltweit entnommene Wasserproben machen den Forschern trotzdem große Sorgen: Wohin verschwinden die Plastikpartikel?

Zuerst die gute Nachricht: Die Menge der weltweit auf den Ozeanen schwimmenden Plastikabfälle wird offenbar überschätzt. Das ist das Ergebnis aus Tausenden Wasserproben, die während der spanischen Expedition Malaspina 2010 auf Gewässern weltweit entnommen wurden. Die auf der Wasseroberfläche treibende Abfallmenge liege wohl zwischen 7000 und 35.000 Tonnen, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Die vergleichsweise niedrigen Zahlen überraschen. Nach einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) gelangen jedes Jahr rund 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Meer. Insgesamt könnten sich dort schon 142 Millionen Tonnen Plastikabfall angesammelt haben. Es gibt aber plausible Erklärungen dafür: Nur etwa die Hälfte der Kunststoffreste schwimmt auf der Wasseroberfläche. Und der Großteil der Flaschen, Tüten und sonstigen Plastikabfälle zerfällt nach und nach in immer kleinere Partikel und verschwindet schließlich von der Wasseroberfläche. Der Zerfall in kleinere Teile wird vor allem durch das Sonnenlicht begünstigt.

"Zahlen aus den Siebzigerjahren über die schwimmenden Plastikmengen sind hundertmal größer als unsere aktuellen Schätzungen", schreiben Andrés Cózar von der Universidad de Cádiz und seine Kollegen. Die Forscher haben auch analysiert, in welchen Partikelgrößen der Kunststoffmüll auftritt. Frühere Studien hatten gezeigt, dass bei den treibenden Abfällen Partikel dominieren die kleiner sind als ein Zentimeter. Dies bestätigten nun die mehr als 3000 weltweit entnommenen Wasserproben. 88 Prozent der Proben enthielten Kunststoffreste.

Wohin gelangt die Mikroplastik?

Es zeigte sich jedoch, dass die Menge von Partikeln im Millimeter- und Mikrometerbereich geringer war, als die Forscher erwartet hatten. Und dies bereitet den Forschern Sorgen. Die Beobachtung stützt nämlich die Hypothese, dass große Mengen kleiner Plastikmüllsegmente kontinuierlich von der Wasseroberfläche verschwinden. Vier Prozesse könnten dafür verantwortlich sein:

  • Anspülen an die Küsten
  • Nanofragmentierung (Zerfall in noch kleinere Partikel)
  • Biofouling (Partikel werden von Kruste umhüllt und sinken tiefer)
  • Verschlucken durch Fische und andere Meeresbewohner

Welcher Prozess welche Rolle beim Verschwinden der Mikropartikel hat, wissen die Forscher nicht. Hier sei weitere Forschungsarbeit nötig.

Schon seit Längerem warnen Biologen und Meeresforscher vor den Folgen des treibenden Mülls. Kunststoffe sind extrem beständig und überdauern im Meer Hunderte von Jahren. Besondere Sorge machen den Forschern die Mikropartikel. Bei Fischen sind bereits Leberschäden durch Mikroplastik nachgewiesen worden.

Das Mikroplastik bietet nicht nur eine willkommene Oberfläche für verschiedene fettliebende Giftstoffe, es kann sich auch innerhalb der Nahrungskette anreichern. In einigen Nordsee-Fischen und Langusten wurde bereits Mikroplastik entdeckt. In den Großen Seen Nordamerikas sind die winzigen Kügelchen auch bereits in großen Mengen gefunden worden.

hda

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insgesamt 36 Beiträge
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1.
humpalumpa 01.07.2014
Man darf auch nicht vergessen, dass viel Müll durch die Strömungen auch wirklich ganz nach unten getrieben wird und sich da festsetzt. Es kam doch letztens erst raus, dass Müll sogar in den tiefsten Ecken der Meere gefunden wurde. Das, was wir sehen, ist bekanntlich immer die Spitze des Eisbergs. Und das reicht schon. Es gibt ganze Müllinseln, die durchs Meer treiben und Teile davon werden sogar auf unbewohnten Inseln mitten im Meer angeschwemmt. Die Dokus dazu sind erschreckend. Also wär ich mal vorsichtig mit der Aussage, dass wenig Müll im Meer treibt. Im Vergleich zu was? Zum All? Na immerhin landet der Weltraummüll nicht durch den Fisch in unseren Mägen und tötet nicht unsere Meeresbewohner. Was ist denn jetzt eigentlich mit den Meeresreinigungsrobotern, die schon vor einem Jahr erfunden wurden? Das finde ich schon seltsam, dass die noch gar nicht in die Produktion gehen oder gar in Betrieb. Warum?
2. weniger als vermutet
s.4mcro 01.07.2014
vermittelt den falschen Eindruck, dass es den Ozeanen ja also hervorragend geht. Die Artikulation ist hier entscheidend ähnlich wie wenn man bei Light Zigarette ausrückt, dass diese "gesünder" sind, obwohl sie tatsächlich nur 'weniger schädlich' sind. Weniger Müll als vermutet ist immernoch VIEL ZU VIEL!!!
3. Mittlerweile,
fpwinter 01.07.2014
so war in einem Bericht von Mare-TV zu sehen, bestehen allein an der deutschen Nordseeküste schon etwa 10% des Sandstrandes aus Plastik-Pellets! Jedes Jahr verenden allein an unseren Küsten über 1500 Seevögel durch Plastikmüll im Magen. Ganz andere Gefahren bietet die Ostsee: Die Alliierten haben nach Kriegsende etwa 1,6 Millionen Tonnen Munition versenkt. Die Bomben werden durch Korrosion und chemische Prozesse immer gefährlicher; seit Jahren wird vermehrt weißer Phosphor an den Ostseestrand gespült. Er ist leicht mit Bernstein zu verwechseln, entzündet sich an der Luft mit Temperaturen über 1000 Grad, und jedes Jahr erleiden über 150 Urlauber teils schwerste Verbrennungen. Die Küstengemeinden spielen das Problem natürlich herunter, um keine Urlauber zu vergraulen...
4. The Ocean Cleanup
michael sh 01.07.2014
Es ist fast schon deprimierend, dass man kaum etwas dagegen unternehmen kann, irgendwann einmal diese Partikel mit der Nahrung aufzunehmen :-/ Kleine Hoffnungsschimmer der Besserung bringen mir Projekte wie das Ocean Cleanup http://www.theoceancleanup.com Dort ist auch deutlich zu sehen, was so alles im Meer treibt, was man so nicht einfach sieht … *Frust*. Vielleicht berichtet SPON ja mal über das Projekt.
5.
Olaf 01.07.2014
Zitat von fpwinterso war in einem Bericht von Mare-TV zu sehen, bestehen allein an der deutschen Nordseeküste schon etwa 10% des Sandstrandes aus Plastik-Pellets! Jedes Jahr verenden allein an unseren Küsten über 1500 Seevögel durch Plastikmüll im Magen. Ganz andere Gefahren bietet die Ostsee: Die Alliierten haben nach Kriegsende etwa 1,6 Millionen Tonnen Munition versenkt. Die Bomben werden durch Korrosion und chemische Prozesse immer gefährlicher; seit Jahren wird vermehrt weißer Phosphor an den Ostseestrand gespült. Er ist leicht mit Bernstein zu verwechseln, entzündet sich an der Luft mit Temperaturen über 1000 Grad, und jedes Jahr erleiden über 150 Urlauber teils schwerste Verbrennungen. Die Küstengemeinden spielen das Problem natürlich herunter, um keine Urlauber zu vergraulen...
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