Tokio - Walfang liegt der japanischen Regierung am Herzen - so sehr, dass sie die Haushaltsmittel dafür offenbar kräftig aufstocken will. Ein Sprecher des Fischereiministeriums erklärte, man benötige im kommenden Haushaltsjahr rund 10,7 Millionen Euro für zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. Hintergrund seien die Störaktionen von Tierschützern.
Die Umweltschutzgruppe Pro Wildlife hatte zuvor davon gesprochen, dass die Japaner den Walfang-Etat auf 20 Millionen Euro erhöhen wollten. Diese Zahl bestätigte der Ministeriumssprecher jedoch nicht. Er wollte auch nicht verraten, ob der Etat für das japanische Walfangprogramm noch im laufenden Finanzjahr aufgestockt wird.
Japan jagt seit Jahren Wale im Südpolarmeer - offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken. Das Land nutzt dabei eine Ausnahmeregelung des seit 1986 geltenden weltweiten Walfangmoratoriums. Auch dass das Fleisch der Meeressäuger nach der "Untersuchung" zum Konsum freigegeben wird, stellt keinen Verstoß gegen das Moratorium dar. Kritiker sehen in dem Programm freilich nur einen Vorwand. Sie verweisen darauf, dass Walforscher anderer Länder ihre Ergebnisse erzielen, ohne die Meeressäuger zu töten.
Laut Regierung werden keine bedrohten Arten gejagt
"Obwohl Japans Staatskasse leer ist, die Kühlhäuser mit Walfleisch überquellen und die Nachfrage nach Walfleisch stetig abnimmt, hält Japan am Auslaufmodell Walfang fest", kritisierte Sandra Altherr von Pro Wildlife. Die Regierung in Tokio argumentiert stets, es würden keine bedrohten Arten gejagt. Außerdem sei der Walfang mit der Wildjagd in Europa vergleichbar. Dabei essen die meisten Japaner gar kein Walfleisch. Ohne staatliche Subventionen käme der Walfang laut Kritikern zum Erliegen.
In der vergangenen Saison hatte die japanische Fangflotte ihre Jagd auf die Meeressäuger angesichts verstärkter Störaktionen abbrechen müssen. Schon im Februar drehten die Schiffe ab, verantwortlich dafür war die streitbare Umweltgruppe Sea Shepherd Conservation Society. Umweltschützer hatten im Anschluss bereits die Hoffnung geschöpft, Japan werde den Walfang einstellen.
Doch Tokio hält an seinem Kurs fest. In den kommenden Monaten stehen in der Antarktis rund 1000 Wale auf der Abschussliste. Fischereiminister Michihiko Kano hatte kürzlich angekündigt, sein Ministerium werde erstmals ein Schiff als Begleitschutz ins Südpolarmeer schicken. Ob und mit welchen Waffen die Boote ausgestattet werden, wollte das Ministerium nicht sagen. "Wir werden weiterhin die Überzeugungen unseres Landes geltend machen", sagte Kano.
chs/dpa
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