Aufrüstung der Flotte: Japan päppelt Walfänger mit Millionen

Japans Walfang in der Antarktis kostet Millionen, immer wieder müssen sich die Schiffsbesatzungen gegen Umweltschützer zur Wehr setzen. Nun reagiert die Regierung in Tokio - und pumpt zusätzliches Geld in die Industrie: Die Flotte soll kräftig aufgerüstet werden.

Umstrittener Walfang: Japans blutige "Wissenschaft" Fotos
AP / Sea Shepherd Conservation Society / Barbara Veiga

Tokio - Walfang liegt der japanischen Regierung am Herzen - so sehr, dass sie die Haushaltsmittel dafür offenbar kräftig aufstocken will. Ein Sprecher des Fischereiministeriums erklärte, man benötige im kommenden Haushaltsjahr rund 10,7 Millionen Euro für zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. Hintergrund seien die Störaktionen von Tierschützern.

Die Umweltschutzgruppe Pro Wildlife hatte zuvor davon gesprochen, dass die Japaner den Walfang-Etat auf 20 Millionen Euro erhöhen wollten. Diese Zahl bestätigte der Ministeriumssprecher jedoch nicht. Er wollte auch nicht verraten, ob der Etat für das japanische Walfangprogramm noch im laufenden Finanzjahr aufgestockt wird.

Japan jagt seit Jahren Wale im Südpolarmeer - offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken. Das Land nutzt dabei eine Ausnahmeregelung des seit 1986 geltenden weltweiten Walfangmoratoriums. Auch dass das Fleisch der Meeressäuger nach der "Untersuchung" zum Konsum freigegeben wird, stellt keinen Verstoß gegen das Moratorium dar. Kritiker sehen in dem Programm freilich nur einen Vorwand. Sie verweisen darauf, dass Walforscher anderer Länder ihre Ergebnisse erzielen, ohne die Meeressäuger zu töten.

Laut Regierung werden keine bedrohten Arten gejagt

"Obwohl Japans Staatskasse leer ist, die Kühlhäuser mit Walfleisch überquellen und die Nachfrage nach Walfleisch stetig abnimmt, hält Japan am Auslaufmodell Walfang fest", kritisierte Sandra Altherr von Pro Wildlife. Die Regierung in Tokio argumentiert stets, es würden keine bedrohten Arten gejagt. Außerdem sei der Walfang mit der Wildjagd in Europa vergleichbar. Dabei essen die meisten Japaner gar kein Walfleisch. Ohne staatliche Subventionen käme der Walfang laut Kritikern zum Erliegen.

In der vergangenen Saison hatte die japanische Fangflotte ihre Jagd auf die Meeressäuger angesichts verstärkter Störaktionen abbrechen müssen. Schon im Februar drehten die Schiffe ab, verantwortlich dafür war die streitbare Umweltgruppe Sea Shepherd Conservation Society. Umweltschützer hatten im Anschluss bereits die Hoffnung geschöpft, Japan werde den Walfang einstellen.

Doch Tokio hält an seinem Kurs fest. In den kommenden Monaten stehen in der Antarktis rund 1000 Wale auf der Abschussliste. Fischereiminister Michihiko Kano hatte kürzlich angekündigt, sein Ministerium werde erstmals ein Schiff als Begleitschutz ins Südpolarmeer schicken. Ob und mit welchen Waffen die Boote ausgestattet werden, wollte das Ministerium nicht sagen. "Wir werden weiterhin die Überzeugungen unseres Landes geltend machen", sagte Kano.

chs/dpa

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insgesamt 162 Beiträge
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1. Super
panzerknacker51 07.10.2011
Da kommt ja auf Sea-Shepherd wieder ordentlich Arbeit zu. Mast- und Schootbruch und ein kräftiges Ahoi für die Jungs!
2. Bitte keine Hetze!
niepmann 07.10.2011
Zitat von panzerknacker51Da kommt ja auf Sea-Shepherd wieder ordentlich Arbeit zu. Mast- und Schootbruch und ein kräftiges Ahoi für die Jungs!
Ist doch alles für die Wissenschaft! 1 Quadratdezimeter Pelle vom Wal an die Uni, der Rest wird aufgegessen. Man lässt doch keine Lebensmittel verderben!
3. Japan reagiert abstoßend.
ratxi 07.10.2011
Zitat von panzerknacker51Da kommt ja auf Sea-Shepherd wieder ordentlich Arbeit zu. Mast- und Schootbruch und ein kräftiges Ahoi für die Jungs!
Ja, hoffendlich können sie trotzdem einiges verhindern.
4. Die Japaner haben so Recht!
andreasneumann2 07.10.2011
Ich bin Vegetarier und ich esse absolut kein Fleisch! Aber ich muss den Japaner Recht geben. Man stelle sich mal vor die Hindus würden uns das Essen von Rindfleisch verbieten wollen. Oder die Buddhisten würden alle unsere Schlachthöfe in die Luft sprengen, weil die meisten Buddhisten wie ich Vegetarier sind. Übrigens haben die Wale in meinen Augen so viel Lebensrecht wie unsere Kühe. Und so lange durchgeknallte und selbsternannte Weltretter die Wale retten wollen und gleichzeitig bei McDonald Hamburger essen, so lange gebe ich den Japaner Recht!
5. Beharrlichkeit
KarlRad 07.10.2011
Diese sinnlose Beharrlichkeit passt zu den Japanern. Nächsten Monat kündigen sie an die Sicherheitsvorkehrungen für Atomkraftwerke zu lockern. Völliger Schwachsinn dieser Walfang!
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