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25. November 2013, 14:13 Uhr

Auftauender Meeresboden

Polarmeer stößt mehr Methan aus als gedacht

Aus dem auftauenden Meeresboden der Arktis entweicht offenbar weit mehr Methan in die Atmosphäre als bisher angenommen. Das folgern Forscher aus Messungen im ostsibirischen Schelfmeer. Ursache seien neben steigenden Temperaturen auch Stürme.

Fairbanks - In den Böden des Nordpolarmeers lagern riesige Mengen Methan. Viele Experten sorgen sich, dass das Auftauen dieser Schichten deren Freiwerden fördert und so die Erderwärmung beschleunigt - zumal Methan als Treibhausgas etwa 20-mal stärker wirkt als Kohlendioxid. Wenn das Gas in Blasen aufsteigt, kann es sich unterwegs im Wasser lösen oder aber von der Oberfläche aus in die Atmosphäre gelangen. Grundsätzlich gilt: Je schneller die Blasen emporsteigen, desto weniger Methan wird im Meer abgebaut.

Die Forscher um Natalia Shakhova von der University of Alaska in Fairbanks haben nun den Methanaustritt in der südlichen Laptewsee im ostsibirischen Schelfmeer untersucht. Das Gebiet mit einer mittleren Wassertiefe von unter 50 Metern gilt als sehr methanreich. Die Wissenschaftler erfassten die aufsteigenden Blasen im Wasser durch akustische Messungen. Ferner maßen sie die Methanwerte im Meer und über dessen Oberfläche. Insbesondere achteten sie auf den Einfluss von Stürmen, die in der Region an bis zu 70 Tagen pro Jahr auftreten.

Zudem bohrten sie bis 57 Meter tief in die Sedimente unter dem Meeresboden. In der Schicht des Meeresbodens lag die Temperatur zwischen -1,8 und 0 Grad. Wegen des Salzgehalts waren die Sedimente nicht gefroren. Gerade nach Stürmen gelangten den Forschern zufolge vermehrt Blasen an die Wasseroberfläche. Anhand ihrer Messungen schätzen die Forscher, dass vom ostsibirischen Schelfmeer - das ein Viertel des gesamten arktischen Schelfs stellt - jährlich 17 Megatonnen Methan in die Atmosphäre gelangen, weit mehr als bisher vermutet. Dies sei sogar eine konservative Schätzung, schreiben sie im Fachblatt "Nature Geoscience".

Wasserschicht binnen 14 Jahren um 0,5 Grad wärmer

Die Wissenschaftler glauben, dass die Erwärmung des Wassers, das Schwinden der Eisdecke und zunehmende Stürme den Methan-Ausstoß aus dem Schelfmeer noch beschleunigen werden. In der küstennahe Zone stiegen die Temperaturen der unteren Wasserschicht demnach binnen 14 Jahren um 0,5 Grad Celsius, im Sommer sogar um mehr als ein Grad. Eine frühere Untersuchung hatte ergeben, dass auch Erdbeben den Methanausstoß erhöhen können.

"Die Autoren legen Daten vor, die bisher noch nicht bekannt waren", sagt Gerhard Bohrmann vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. Die Kalkulation der Austrittsmenge sei zwar sehr schwierig. Wenn sie jedoch zutreffe, ließen sich die Werte auf andere arktische Küstengewässer übertragen, also etwa auch auf die Gebiete Nordamerikas, betont er.

hda/dpa

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