Transgene Nutztiere Kein Schwein wollte die Ökosau

Mit Gentechnik die Umwelt schützen - die Grundidee steckte hinter dem "Enviropig", einem transgenen Schwein mit verändertem Stoffwechsel. Doch niemand wollte die Tiere haben. Kanadische Forscher stellen das Projekt jetzt ein, nachdem der Geldgeber abgesprungen ist.

Schweine: Problem bei der Phosphat-Aufnahme
AFP

Schweine: Problem bei der Phosphat-Aufnahme


Die Idee hat sich nicht durchgesetzt: Die Markteinführung eines gentechnisch veränderten Schweins in Kanada bleibt aus, nachdem der wichtigste Geldgeber das Projekt nicht mehr finanziell unterstützt. Forscher an der University of Guelph hatten die gentechnisch veränderten Tiere in den neunziger Jahren entwickelt und wollten sie unter dem Markennamen "Enviropig" auf den Markt bringen. Die direkte Übersetzung ins Deutsche klingt eher unglücklich - Umweltschwein oder Ökosau müsste es wohl heißen.

In Nordamerika fanden die transgenen Schweine wenig Anklang. Kanada erlaubte zwar die weitere Züchtung. Die Genehmigung, das Fleisch der Tiere als Lebensmittel zu verkaufen, stand jedoch noch aus.

Zu Ökoschweinen wurden die Tiere durch einen veränderten Stoffwechsel, der dazu führte, dass sie Phosphate aus dem Getreide besser verdauen können. Die sind zum großen Teil in Form von Phytat gespeichert, einer Verbindung, die Schweine normalerweise nicht verdauen können. Stattdessen scheiden sie es wieder aus - weshalb die Gülle viel Phosphat enthält, das wiederum zur Überdüngung von Gewässern beiträgt.

Das "Enviropig" aber besitzt die Gensequenz für ein Enzym des Bakteriums E.coli sowie einen Erbgutabschnitt der Maus - und kann Phytat deshalb besser verarbeiten. Die transgenen Tiere scheiden 30 bis 70 Prozent weniger Phosphat aus als gewöhnliche Schweine, so die Forscher.

Das Team von der University of Guelph hält zurzeit 16 "Enviropigs". Wenn sich keine Geldgeber mehr finden, werden diese Tiere wohl eingeschläfert. Der "New York Times" sagte der inzwischen emeritierte Forscher Cecil Forsberg, einer der Entwickler des Umweltschweins, dass Samen der Tiere eingefroren würden - für den Fall, dass sich neue Interessenten fänden.

Forsberg sagte, er hätte sich 1999 bei der Vorstellung des "Enviropig" geirrt. Damals hätte er gedacht, transgene Tiere wären in sieben bis acht Jahren allgemein akzeptiert. Die Realität sieht zumindest derzeit anders aus.

wbr

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dr3w 04.04.2012
1. Nicht schlecht
Einfrieren ist keine schlechte Idee. In 20 Jahren, wenn die zum Einschleusen der Gene benutzten Methoden (oft noch eingebaute Antibiotikaresistenzen) besser verstanden und entwickelt sind, wird vielleicht noch was nützliches draus.
7eggert 04.04.2012
2.
Was fressen die Schweine denn normalerweise? Echte Schweine sind in der Regel Allesfresser. Sie nehmen sowohl pflanzliche Nahrung wie Wurzeln, Knollen, Früchte und Blätter als auch tierische Nahrung wie Insekten, Würmer, kleine Wirbeltiere und auch Aas zu sich. Viele Arten graben mit der Schnauze oder den Hauern auf der Nahrungssuche im Boden. Getreide scheint garnicht die Hauptmahlzeit zu sein ...
wincel 04.04.2012
3. .
Zitat von 7eggertWas fressen die Schweine denn normalerweise? Echte Schweine sind in der Regel Allesfresser. Sie nehmen sowohl pflanzliche Nahrung wie Wurzeln, Knollen, Früchte und Blätter als auch tierische Nahrung wie Insekten, Würmer, kleine Wirbeltiere und auch Aas zu sich. Viele Arten graben mit der Schnauze oder den Hauern auf der Nahrungssuche im Boden. Getreide scheint garnicht die Hauptmahlzeit zu sein ...
Das sind aber keine Schweine in Massenzucht, die fuer Fleischproduktion gehalten werden. Diese Schweine sind genauso "echte" Schweine - und bekommen fuer schnellen Muskelaufbau Getreide. Und zusaetzlich witzigerweise Phosphatzusatz im Futter, weil sie das Phosphat in der Pflanzennahrung nicht aufschliessen koennen. Die Enviropigs koennen das aber durch die Maus-Phytase, welche sie nun im Speichel auch produzieren. D.h. die Guelle enthaelt ca. 60% weniger Phosphat - und es ist nicht mehr noetig, Phosphat als Nahrungszusatz zu verfuettern.
MiniDragon 04.04.2012
4. Gemeinsamkeiten bei Menschen, Schweinen , Rindviechern und Weinbergschnecken
Zitat von 7eggertWas fressen die Schweine denn normalerweise? Echte Schweine sind in der Regel Allesfresser. Sie nehmen sowohl pflanzliche Nahrung wie Wurzeln, Knollen, Früchte und Blätter als auch tierische Nahrung wie Insekten, Würmer, kleine Wirbeltiere und auch Aas zu sich. Viele Arten graben mit der Schnauze oder den Hauern auf der Nahrungssuche im Boden. Getreide scheint garnicht die Hauptmahlzeit zu sein ...
Tja dank Google und SPON mal wieder etwas dazugelernt : Schweine sind Nahrungskonkurrenten des Menschen. Sie können alles, was der Mensch verdaut, ebenfalls oder auch nicht verdauen. Erzeugung ‹ Schweinefleisch ‹ Lebensmittel von A-Z [was-wir-essen.de] (http://www.was-wir-essen.de/abisz/schweinefleisch_erzeugung_domestikation.php) Rinder aber auch Weinbergschnecken sind jedoch in dieser Hinsicht sowohl Menschen als auch Schweinen überlegen: Sie schaffen es sogar, sich mit Hilfe der in ihrem Verdauungstrakt siedelnden Kleinlebewesen die in Grünfutter (Blatt-Salat ) enthaltene Zellulose zu versüßen. Etwas mehr dazu : Phytinsäure (http://de.wikipedia.org/wiki/Phytins%C3%A4ure) Die Weinbergschnecke (Helix pomatia) (http://www.weichtiere.at/Schnecken/weinbergschnecke.html?/Schnecken/land/weinberg/seiten/verdauung.html) PS Auch ein Minidragon, der sowohl Rindersteaks als auch Weinbergschnecken zum Fressen gern hat, verdaut auf Umwegen Zellulose!
7eggert 05.04.2012
5.
Zitat von wincelDas sind aber keine Schweine in Massenzucht, die fuer Fleischproduktion gehalten werden. Diese Schweine sind genauso "echte" Schweine - und bekommen fuer schnellen Muskelaufbau Getreide. Und zusaetzlich witzigerweise Phosphatzusatz im Futter, weil sie das Phosphat in der Pflanzennahrung nicht aufschliessen koennen. Die Enviropigs koennen das aber durch die Maus-Phytase, welche sie nun im Speichel auch produzieren. D.h. die Guelle enthaelt ca. 60% weniger Phosphat - und es ist nicht mehr noetig, Phosphat als Nahrungszusatz zu verfuettern.
Genau das meine ich, die Massentierhaltung ernährt die Schweine unnatürlich, so daß die Probleme entstehen. Vielleicht gibt es ja Futterpflanzen, die von den Schweinen besser verdaut werden können?
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