Ausnahmezustand Gletscher-Vulkan auf Island ausgebrochen

Islands Behörden haben nach einem Vulkanausbruch für den südlichen Landesteil den Ausnahmezustand ausgerufen, Hunderte Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Der internationale Flughafen wurde gesperrt, auch Transatlantik-Flüge werden umgeleitet.

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Reykjavík - Nach Behördenangaben brach am frühen Sonntagmorgen ein Vulkan im Gebiet des Eyjafjallajökull-Gletschers im Süden des Landes aus, dem fünftgrößten Gletscher auf der Insel. Vermutlich sei niemand in Gefahr, sicherheitshalber sei jedoch ein Evakuierungsplan in Kraft getreten, sagte Sigurgeir Gudmundsson von der isländischen Zivilschutzbehörde der Nachrichtenagentur AFP. Verletzte oder Vermisste wurden dem öffentlich-rechtlichen Radiosender RUV zufolge nicht verzeichnet.

Etwa 500 bis 600 Menschen in drei Ortschaften mussten ihre Häuser verlassen. Sie seien in die nahegelegene Stadt Hvolsvollur evakuiert worden, berichtet "IceNews". In der Nähe von Fimmvorduhals habe sich eine Spalte im Boden aufgetan, Lava laufe von West nach Ost. Auf einem von einem Hubschrauber aus aufgenommenen Video, das der Sender RUV auf seiner Website vorhält, ist die Spalte und die in die Höhe spritzende Lava gut zu sehen.

Ein größeres Erdbeben wurde dem Meteorologischen Dienst Islands zufolge bislang aber nicht verzeichnet. Die betroffene Region liegt etwa 160 Kilometer südlich von Islands Hauptstadt Reykjavík.

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Island: Vulkanausbruch am Gletscher

Der internationale Flughafen Keflavik sowie die nationalen Flugplätzen Reykjavík und Akureyri wurden gesperrt. Der transatlantische Flugverkehr über der Insel wird weiträumig umgeleitet. Bei größeren Vulkanausbrüchen ist das als Vorsichtsmaßnahme üblich: Staub und Asche aus einer Eruption können die Triebwerke von Düsenflugzeugen verstopfen.

Flüge abgesagt, mit weiteren Verzögerungen wird gerechnet

Bei dem Ausbruch des Gletschervulkans Mount Redoubt in Alaska im Dezember 1989 etwa erreichte die Aschewolke ein 240 Kilometer entferntes Flugzeug - und störte die Motoren der Maschine. Die KLM stürzte mit 231 Passagieren an Bord über drei Kilometer in die Tiefe, bis die Piloten die Motoren wieder starten und das Flugzeug sicher landen konnten.

Drei Maschinen der Icelandair aus den USA haben die Anweisung erhalten, umzukehren und nach Boston, Orlando und Seattle zurückzufliegen. Etwa 500 Passagiere sind AP zufolge davon betroffen. Icelandair rechnet mit weiteren Verzögerungen im Lauf des Tages.

Nach Angaben des Rundfunksenders RUV kam es kurz nach Mitternacht zu ersten Eruptionen. Geologen erklärten nach Hubschrauberflügen, dass sich der Riss in dem Gletscher über eine Länge von etwa 500 Metern bis einem Kilometer erstrecke. Der Ausbruch scheint aber nicht, wie zunächst befürchtet, unter dem Eis stattgefunden zu haben - dann wäre das Risiko groß gewesen, dass schmelzendes Eis im Umland Überschwemmungen oder Erdrutsche auslöst. Tumi Gudumundsson von der Universität von Island sagte dem Radiosender RUV: "Das ist der bestmögliche Ort für eine Eruption, da die Gegend nicht von Eis bedeckt ist."

Island ist aus vulkanischen Aktivitäten entstanden und birgt in seinem Untergrund zahlreiche aktive Vulkansysteme. Der bekannteste Vulkan ist Hekla, der zuletzt vor zehn Jahren ausbrach. Der Eyjafjallajökull-Vulkan ist zuletzt vor rund 200 Jahren ausgebrochen.

Jul/cis/dpa/AP/APD/AFP

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