Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ausstellungseröffnung: Tiefseemonster in Stralsund

Gigantische Untiere der Meere, mörderische Fangarme, die Menschen in die Wellen ziehen - Riesenkalmare haben schon immer die Phantasie angeregt. Und die Wissenschaft weiß wenig über sie. Ab Sonntag wird erstmals in Deutschland ein präparierter Kalmar zu sehen sein.

Das deutsche Meeresmuseum in Stralsund ist eine der besten Adressen, wenn es um die Erforschung der gigantischen Kopffüßler geht. Hier wird am Sonntag (16. Januar) ein mehrere Meter langer Ausstellungsbehälter enthüllt, in dem der Architheutis-Riesenkalmar ruht. Das sechs Meter lange Tier ging im August 2003 neuseeländischen Fischern ins Netz und landete dann im Labor des Experten Steve O'Shea von der Auckland University of Technology. O'Shea untersuchte das Tier gemeinsam mit seinem Kollegen Volker Miske von der Universität Greifswald. Miske war es dann, der dafür sorgte, dass das Weichtier in Stralsund konserviert werden konnte.

Riesenkalmare waren lange im Reich der Legenden angesiedelt. So tauchten sie schon im Roman "Moby Dick" von Herman Melville auf, bevor die Zoologie ihre Existenz im Jahre 1857 bestätigte. Seitdem konnten 200 wissenschaftliche Nachweise zusammengetragen werden, dass die Tiere in all ihrer Pracht Realität sind. Etwa 20 Exemplare fielen den Biologen in so gutem Zustand in die Hände, dass sie präpariert werden konnten.

Fotostrecke

7  Bilder
Kolossale Kopffüßer: Zehnarmige Jäger der Meere

Mit bis zu 18 Metern Länge sind Kalmare die größten bekannten Weichtiere. Doch in ihrem Lebensraum - der Tiefsee - konnten sie noch nie beobachtet werden. Man vermutet, dass die großen Exemplare in Tiefen von 300 bis 1000 Metern leben. Hier gehen sie mit ihren zehn Armen auf die Jagd. Zwei lange Tentakel schnappen nach den Beutetieren, die anderen acht Arme transportieren das Opfer zu einem scharfen Schnabel, der es zerlegt.

Die Kalmare lagern Ammoniak in ihrem Muskelgewebe ein und verströmen deshalb einen unangenehmen Geruch. Das Ammoniak gibt den Tieren Auftrieb, macht aber auch ihr Fleisch für den Menschen ungenießbar. In den Augen eines Pottwals ist der Riesenkalmar allerdings eine Delikatesse. Immer wieder findet man unverdaute Kalmar-Schnäbel in Pottwalmägen. Und die meisten Wale tragen auf ihrer Haut Narben von den Saugnäpfen der Kalmare.

Neuerwerbung: Goetz Reinicke (li.) und Voker Miske (re.) untersuchten den Kalmar, als er im Mai 2004 in Stralsund ankam
DDP

Neuerwerbung: Goetz Reinicke (li.) und Voker Miske (re.) untersuchten den Kalmar, als er im Mai 2004 in Stralsund ankam

Als Volker Miske und Steve O'Shea den Stralsunder Kalmar untersuchten, erlebten sie eine Überraschung, die etwas über das Verhalten der Tiere verriet. Das Männchen trug unter seiner Haut Spermienbehälter, die von einem anderen Exemplar stammen mussten. Miske vermutete daraufhin, dass die Kalmare sich bei jedem Treffen mit Artgenossen Spermien injiziert haben könnten, ohne dabei auf das Geschlecht des Partners zu achten. Ein denkbarer Grund sei das seltene Vorkommen der Tiere.

Das Stralsunder Meeresmuseum hat rund um sein Prachtexemplar die Ausstellung "Riesenkalmare - Giganten der Tiefsee" zusammengestellt. Dort ist alles über den Lebensraum und die Besonderheiten der Tiere zu erfahren.

Laut der Tageszeitung "New Zealand Herald" hat Steve O'Shea Anfang Dezember 2004 zwei weitere Riesenkalmare nach Deutschland geschickt, und zwar an den umstrittenen "Plastinator" Günther von Hagens. Von Hagens, Schöpfer der Ausstellung "Körperwelten", will die Tiere seiner Behandlung der Plastination unterziehen.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: