Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Australien: Familie entdeckt unbekannte Riesenqualle

Von

Quallen: Faszinierende Glibbertiere Fotos
AFP/ Josie LIM

Mehr als einen Meter misst die Riesenqualle, die eine Familie zufällig an einem Strand in Tasmanien gefunden hat. Forscher sind fasziniert von der Art, die der Wissenschaft bisher unbekannt war. Eine Begegnung mit den Tieren kann sehr schmerzhaft verlaufen.

Man kann viele Metaphern bemühen, um das glibberige Fundstück zu beschreiben. Doch keine trifft es so recht. Als das Ehepaar Lim und seine Kinder im Januar einen Strandspaziergang auf der australischen Insel Tasmanien machten, fanden sie etwas, das aussah wie die Überreste eines richtig missratenen Samstagabends. Oder wie ein Alien, der aus großer Höhe aus seinem Raumschiff geworfen wurde und ziemlich hart auf der Erde aufschlug.

Das Ding, das die Lims beim Muschelsammeln am Strand von Howden fanden, war rosa-gelblich gefärbt, schleimig und beeindruckend groß: mehr als ein Meter war der Durchmesser dessen, was sich nach der ersten Verwunderung als riesige Qualle herausstellte. Selbst Experten zeigen sich verblüfft: "Es ist faszinierend, etwas so Großes zu sehen", sagt Meeresforscherin Lisa-Ann Gershwin von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Gershwin befasst sich seit mehr als 20 Jahren mit Quallen, Ende der Neunziger hat sie mit Kollegen die Art Chrysaora achlyos erstmals beschrieben. Diese Schirmqualle gilt als größte neu entdeckte Art des 20. Jahrhunderts unter den Wirbellosen.

Nun hat Gershwin den Fund der Lims ausgewertet. Nach Ansicht der Forscherin handelt es sich bei der Riesenqualle um die Vertreterin einer noch nicht wissenschaftlich beschriebenen Art der Löwenmähnenquallen. Die Gattung Cyanea umfasst mehrere große Spezies, darunter die Gelbe Haarqualle, die auch in Teilen von Nord- und Ostsee vorkommt, sowie die Arktische Riesenqualle.

Psychedelische Schönheiten
Weltweit berichten Forscher von einem Boom der Quallen. Die Tiere - es gibt etwa 1500 Arten - profitieren von Überfischung und Klimawandel. Sie vermiesen Touristen den Badeurlaub, bringen Fischer um ihr Geschäft und legen manchmal sogar Atomkraftwerke lahm. Doch die meisten Quallenarten sind klein, wie Gershwin erklärt: 90 Prozent kämen noch nicht einmal auf zweieinhalb Zentimeter.

"Ich habe schon mit vielen Quallen zu tun gehabt. Aber etwas so Großes zu sehen, das ist einfach… wow!", sagt die Forscherin. Kleinere Exemplare der Art seien bereits in der Vergangenheit im Wasser vor Tasmanien aufgetaucht. Es gebe in der Gegend derzeit eine wahre Quallenschwemme.

Um Weihnachten herum sei es ihr auch gelungen, Proben von der unbekannten Art zu nehmen - unter großem persönlichem Einsatz. Gershwin sagt, die Qualle habe sie gestochen: "Es ist nicht lebensgefährlich, aber es tut weh. Ungefähr so, als würde jemand mit einem Eispickel auf einen einprügeln."

"Eine außergewöhnlich große Qualle"

Das derart mühevoll gewonnene Quallenmaterial nutze sie derzeit für die wissenschaftliche Beschreibung. Anschließend wolle sie es der Sammlung des Tasmanian Museum and Art Gallery in Hobart zur Verfügung stellen.

"Dies ist tatsächlich eine außergewöhnlich große Qualle", sagt Christian Wild vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen zu dem Fund der Lims. Das Tier gehöre zu den für ihre großen Ausmaße bekannten Schirmquallen. "Die vorläufige Bestimmung als Löwenmähnenqualle durch die australischen Kollegen sehe ich skeptisch", sagt Wild aber auch. Denn diese Art sei bisher nicht im Südpazifik gefunden worden. Doch allein die Tatsache, dass man Schwierigkeiten bei der Bestimmung eines so großen Tiers habe, zeige, "wie wenig wir bis heute über unsere Meeresorganismen wissen".

Die Qualle, die Familie Lim am Strand von Tasmanien fotografiert hat, konnte sich der weiteren wissenschaftlichen Auswertung übrigens erfolgreich entziehen. Eine Welle habe das Nesseltier wieder zurück in den Ozean gespült, sagt Forscherin Gershwin. Sie hätte die Qualle allerdings wohl ohnehin nicht aufgesammelt, auch wenn sie die Chance dazu gehabt hätte: "Wo soll man denn so ein Riesending hinpacken?"

Dem Autor auf Twitter folgen:

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. 20. Jahrhundert?
endrag 06.02.2014
Ich befinde mich bereits im 21. Jahrhundert.
2. @endrah
optionalerKanzler 06.02.2014
Der Satz bezieht sich wohl auf die Art Chrysaora achlyos (Ende 90er).
3. (Genauer) lesen hilft.
Hanno3010 06.02.2014
Zitat von endragIch befinde mich bereits im 21. Jahrhundert.
"Ende der Neunziger hat sie mit Kollegen die Art Chrysaora achlyos erstmals beschrieben. Diese Schirmqualle gilt als größte neu entdeckte Art des 20. Jahrhunderts unter den Wirbellosen."
4. Super
Liton 06.02.2014
Zitat von endragIch befinde mich bereits im 21. Jahrhundert.
Das Problem haben hier einige.... Aber hier noch mal die Reihenfolge. 1 Text lesen. 2. Darüber nachdenken. 3. Einen Text Formulieren und posten. Zu der Qualle fällt mir nur eine Sache ein. Spongebobs Moby Dick^^
5. eher umgekehrt
OttoEnn 06.02.2014
---Zitat--- Auch in der Fischerei-Industrie verursachen Medusen Schäden, indem sie --- Fischbestände bedrohen. http://www.spiegel.de/fotostrecke/quallen-faszinierende-glibbertiere-fotostrecke-110728-9.html ---Zitatende--- möge man mich berichtigen, aber ist es nicht vielmehr so, dass die Biester zahlreich sind, weil ihre natürlichen Feinde vom Menschen weggefischt wurden ? _
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Testen Sie Ihr Wissen!


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: