Australien Forscher entdecken unbekannte Meereswesen

Krabben mit Riesengreifern, sonnenhungrige Quallen und jede Menge Würmer: Australische Forscher haben am Great Barrier Reef Hunderte unbekannte Arten entdeckt. Bei einer Inventur des Meeres fanden sie all die Lebewesen, die fischverrückte Taucher bislang übersehen hatten.


Sydney - Der Flohkrebs hat ein Hinterbein wie eine Peitsche. Und es ist dreimal so groß wie der Krebs selbst. Er ist eines der neuen Lebewesen, die Wissenschaftler bei Australiens Great Barrier Reef entdeckt haben. Sie beobachteten eine Cassiopeia-Qualle, die auf dem Rücken auf dem Meeresboden lag, damit die Algen in ihren Tentakeln Sonnenlicht für die Photosynthese tanken konnten. Und sie fanden auch einen neuen Meeresaasgeier. Das ist eine Art Assel, die sich von totem Fisch ernährt oder sich wie der "Zungenbeißer" (Cymothoida) in den Mäulern von Fischen einnistet - und deren Zunge wegfrisst.

"Wir waren völlig überrascht, so viele neue Arten zu finden", sagte der Leiter der Expedition, Julian Caley. Er arbeitet am australischen Meeresinstitut (AIMS), das die Ergebnisse am Donnerstag vorstellte. Sie sind Teil einer Initiative von Wissenschaftlern aus mehr als 80 Ländern, die bis 2010 die Biodiversität der Meere dokumentieren wollen.

Zur Überraschung der australischen Forscher bevölkern die Tiere teilweise viel besuchte Taucherparadiese unweit der Küste. Doch wurden die Meeresregionen in der Nähe der Inseln Lizard und Heron vor der Ostküste und am Nigaloo Reef in Nordwestaustralien bislang nie so systematisch untersucht. "Taucher sind seit langem von den unglaublich bunten Korallen und Fischen fasziniert, aber unsere Augen werden erst jetzt für die erstaunliche Fülle von anderen Lebewesen in diesem Lebensraum geöffnet", sagte Ron O'Dor, der die Studie über die Biodiversität des Meeres mitorganisiert.

Die Forscher fanden rund 150 neue weiche Korallenarten, mindestens eine neue Krebsart, krabbenähnliche Schalentiere mit besonders langen Greifern und neue Würmer. "Korallen sind gefährdet durch die Versauerung und Erwärmung des Meeres, Umweltverschmutzung und Überfischung", sagte der Chef des australischen Meeresinstituts (AIMS), Ian Pointer. "Nur, wenn wir die Biodiversität einmal feststellen und dann immer wieder überprüfen, können die Folgen der Bedrohungen und mögliche Lösungen gefunden werden."

lub/dpa



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