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Australien: Riesenkalmar an Strand gespült

Außergewöhnlicher Fund an der Westküste Tasmaniens: Ein Riesenkalmar ist gestern tot am Strand entdeckt worden. "Ein Mordsding", findet der Direktor des örtlichen Museums. Ein schönes Ausstellungsstück wird die Kreatur aus der Tiefe aber trotzdem nicht.

Canberra - Die australische Stadt Strahan wird zur Attraktion: Eigentlich ist der Ort an der tasmanischen Westküste einer der einsamten Flecken des ganzen Kontinents, der regenreichste von Down Under zudem. Doch gestern Abend hat ein Spaziergänger an einem nahe gelegenen Strand einen riesigen Tintenfisch entdeckt: Ein etwa zehn Meter langer Kalmar liege halb im Sand, halb im Wasser.

Schnell kamen Wissenschaftler und die Lokalpresse herbeigeeilt: "Das ist ein Mordsding", sagte Genefor Walker-Smith, Direktor des Tasmanian Museum, verzückt zu Medienvertretern. "Der Hauptmantel ist im Querschnitt etwa einen Meter groß." Allein der Hauptkörper sei gut zwei Meter lang. Die Gesamtlänge wird nun mit rund acht Metern angegeben - wenngleich das bei dem weichen, stark beschädigten Tier schwer genau zu sagen ist.

Im vergangenen Jahr wurde bei den Falkland-Inseln an der Südspitze Südamerikas ein Riesenkalmar von 8,62 Metern Länge gefunden.Normalerweise werden Riesenkalmare (Architeuthis) über zehn Meter lang und wiegen mehr als 275 Kilogramm - der nun auf Tasmanien gefundene Riesentintenfisch bringt immerhin 250 Kilogramm auf die Wage.

Tasmanischer Riesenkalmar - Opfer von Pottwalen?

Ob die Kreatur in das Museum von Walker-Smith kommen wird, ist unklar. Selbst wenn, gäbe das Tier jedoch kein ansehnliches Exponat her: Seine Tentakel sind nämlich stark beschädigt. Mittlerweile wurden die Reste des Riesen aus dem Wasser geholt.

Der Riesen-Kalmar sei Opfer eines Pottwals geworden, vermuten die Wissenschaftler: Der Tintenfisch sei wohl das australische Kontinentalschelf entlanggeschwommen, um Fische zu fressen. Dann hätten Pottwale seinen Weg gekreuzt, die wegen des Winters auf der Südhalbkugel gerade aus dem antarktischen Ozean fortziehen. Die bis zu 19 Meter langen Wale hätten dann den etwa gleichgroßen Riesenkalmar gejagt, glauben die tasmanischen Experten.

Normalerweise leben Riesenkalmare im Ozean 200 bis 700 Meter unter der Wasseroberfläche und kommen selten nach oben - weswegen sie auch als Monster der Tiefsee bezeichnet werden. Erst seit dem Einsatz von tief durchs Wasser gezogenen Schleppnetzen sind Riesenkalmare an die Oberfläche gebracht und untersucht worden.

Im September 2004 haben Wissenschaftler erstmals einen Riesenkalmar lebendig gesehen - vor Japan, in 900 Metern Tiefe. Im vergangenen Dezember veröffentlichte ein Team um Tsunemi Kubodera vom Nationalen Zoologischen Museum in Tokio Fotos von einem Riesentintenfisch, den sie mit einem Haken aus der Tiefe ziehen konnten. Das dreieinhalb Meter lange und 50 Kilogramm schwere Tier starb bei der Aktion jedoch. Mitte Februar präsentierten dieselben japanischen Forscher Videoaufnahmen, die erstmals einen Tiefsee-Tintenfisch bei der Jagd zeigen. Dabei sendet das Tier kurze intensive Lichtblitze aus.

Antarktischer Riesenkalmar landete in XXL-Mikrowelle

Vor wenigen Wochen fingen neuseeländische Fischer vor der Antarktis einen ausgewachsenen Kolosskalmar. Er war zehn Meter lang und rund 450 Kilogramm schwer. Später wollten die Forscher das tiefgefrorene Exemplar der Art Mesonychoteuthis hamiltoni in der Mikrowelle auftauen, um es genauer zu untersuchen.

Zoologen unterscheiden Kalmare nach der Länge des röhrenförmigen Mantels, ihrer Tentakel und den Krallen der Tiere. Von Gesamtlängen bis zu 20 Metern wird berichtet, wobei die Angaben wegen der dehnbaren Tentakel variieren können. Einen kleineren Cousin aus der Gattung der Riesenkalmare stellte "Archie" mit über acht Metern Länge dar, der seit knapp einem Jahr in einem gläsernen Tank im Londoner Natural History Museum ausgestellt wird.

Kleiner als die Riesen-Tintenfische, doch viel gefährlicher sind Humboldtkalmare: Die Fischer der mexikanischen Cortézsee nennen sie "rote Teufel" - nicht nur wegen der Hautfarbe, die schlagartig von weiß nach rot wechseln kann. Sondern auch, weil die zehnarmigen Meeres-Banditen die gefräßigsten Weichtiere der Welt sind.

fba/rtr

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Strandgut: Tasmaniens angespülter Riesenkalmar

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