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Schwanzlurch in Gefahr: Axolotl vom Aussterben bedroht

Schwanzlurch Axolotl: Bedroht durch Abwässer und eingeschleppte Fische Zur Großansicht
AFP

Schwanzlurch Axolotl: Bedroht durch Abwässer und eingeschleppte Fische

Mexikanische Forscher schlagen Alarm: Der für seine Fähigkeit zur Regeneration ganzer Organe bekannte Schwanzlurch Axolotl ist vom Aussterben bedroht. Die Zahl der Tiere in ihrer mexikanischen Heimat ist in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen.

Mexiko-Stadt - Der mexikanische Schwanzlurch Axolotl ist wohl eine der merkwürdigsten Tierarten der Welt - vor allem seine Fähigkeit, geschädigte Organe wie das Auge und sogar Teile des Gehirns zu regenerieren, fasziniert die Forschung. Doch einer Untersuchung der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (Unam) zufolge ist der Axolotl inzwischen vom Aussterben bedroht. Hintergrund ist demnach die Verschmutzung seines Lebensraums in den Feuchtgebieten südlich von Mexiko-Stadt.

Demnach finden sich in den Gewässern von Xochimilco heute pro Quadratkilometer im Schnitt nur noch 0,3 Axolotl, verglichen mit 1000 Exemplaren 1996. Die Biologin Cristina Ayala macht dafür die schlechte Wasserqualität verantwortlich, verursacht von Abwässern der nahe gelegenen Metropole und von Pestiziden auf den Feldern. Hinzu kämen die Abfälle der Touristen, die jede Woche zu Tausenden auf bunten Booten über die Kanäle schippern.

In den Siebzigerjahren wurden laut Ayala zudem Tausende chinesische Karpfen und afrikanische Tilapias für die Fischerei in die Gewässer gesetzt. Diese Tiere konkurrieren nun mit dem Axolotl um Nahrung und fressen seinen Laich.

Projekt zur Rettung gestartet

Eine Gruppe von Unam-Wissenschaftlern begann nun in Zusammenarbeit mit der Universität Kent (Großbritannien) ein Projekt zur Rettung des Axolotl. Die Wissenschaftler wollen Landwirte überzeugen, den Einsatz von Pestiziden sowie die Aquakultur fremder Arten aufzugeben. Im Gegenzug erhalten sie eine Öko-Zertifizierung für ihre Produkte.

In drei Experimentier-Kanälen des Stadtbezirks Xochimilco werden rund hundert der Lurche gezüchtet, wie Projektkoordinator Horacio Mena erklärt. Ein Dutzend Bauern wenden ein System an, bei dem die Kanäle mithilfe von Wasserpflanzen sauber gehalten werden. Um dem Diebstahl von Axolotl für den Verkauf als Haustier oder die Herstellung von dubiosen Zaubertränken vorzubeugen, wird die genaue Lage der Refugien geheim gehalten.

Die im Wasser lebenden Amphibien mit dem wissenschaftlichen Namen Ambystoma mexicanum werden bis zu 30 Zentimeter lang, 20 Jahre alt und bleiben ihr ganzes Leben im Larvenstadium - sie erreichen die Geschlechtsreife, ohne eine Metamorphose zu durchlaufen. Vier Mal im Jahr legen die Axolotl bis zu 1500 Eier. Die Salamander-Art kann milchweiß, olivgrün oder auch tintenschwarz sein. Wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Krebs und der Fähigkeit zur Regeneration ganzer Organe erforschen Biologen ihre Zellprogrammierung.

Fasziniert von dem unfertigen Wesen war schon der Naturforscher Alexander von Humboldt, zuletzt machte der Roman "Axolotl Roadkill" von Helene Hegemann den Lurch in Deutschland bekannt.

rls/AFP

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