Westantarktis Erneut großer Eisberg abgebrochen

Ein Eisberg der Fläche von Frankfurt ist vom Pine Island Gletscher in der Westantarktis abgebrochen. Überraschend ist das nicht unbedingt - ein Signal zum Nachdenken aber schon.

Pine Island Gletscher mit Eisberg B44 (mittig)
DPA / Esa

Pine Island Gletscher mit Eisberg B44 (mittig)


Gut zwei Monate nach dem Abbruch eines gigantischen Eisbergs hat sich in der Westantarktis erneut ein großer Eisbrocken gelöst. Auf Satellitenaufnahmen der europäischen Raumfahrtorganisation Esa ist zu sehen, dass der 265 Quadratkilometer große, rechteckige Eisberg B44 vom Pine Island Gletscher in der Amundsensee abgebrochen ist.

Anfang Juli hatte sich eine rund 6000 Quadratkilometer große Eismasse vom Larsen-C-Schelfeis gelöst. Der Rieseneisberg mit dem Namen A68 hatte sich zunächst kaum bewegt, war aber zuletzt deutlich in Fahrt gekommen. Satellitenbilder zeigen inzwischen eine deutliche Lücke.

Dass innerhalb kurzer Zeit zwei Eisberge in der Westantarktis entstanden seien, sei Zufall, sagte Thomas Ronge vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. "In den letzten Jahren haben wir aber immer mehr dieser großen Kalbungsereignisse verzeichnet." Seit 1991 sei der Pine Island Gletscher um 31 Kilometer zurückgegangen. Bereits 2013 und 2015 seien dort größere Eisberge abgebrochen, ergänzte sein Kollege Jan-Erik Arndt.

Angst um Eisschild

Der aktuelle Abbruch kam nicht überraschend. Bei einer Expedition im Frühjahr konnten die beiden Geowissenschaftler den Riss bereits beobachten. Der Abbruch von B44, der in etwa die Fläche von Frankfurt hat, wirkt sich nach Angaben der beiden Experten nicht direkt auf den Meeresspiegel aus. Doch sie befürchten, dass irgendwann das westantarktische Eisschild kollabieren könnte, wenn das Schelfeis weiter zurückgeht. Das hätte einen Anstieg des Meeresspiegels von 3,5 bis 4 Metern zufolge.

"Das Schelfeis ist wie ein Korken auf einer Champagnerflasche", erläuterte Ronge. Je mehr Eisberge davon abbrechen, desto weniger werden die Eismassen im Hinterland zurückgehalten. Die Westantarktis sei hierfür besonders anfällig.

Forscher wissen, dass sich das Tiefenwasser in der Westantarktis im Laufe der vergangenen 50 Jahre erwärmt hat. Messungen zufolge erhöht sich die Temperatur in der Bellingshausen- und der Amundsen-See der Westantarktis um 0,1 bis 0,3 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Zudem steigt das Tiefenwasser in der westlichen Antarktis in höhere Wasserschichten auf und erreicht so auch das Schelfeis.

chs/dpa



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