Infektionskrankheit Bakterien-infizierte Mücken sollen Dengue stoppen

Mit einem spektakulären Freiland-Versuch wollen Forscher das Dengue-Fieber in Brasilien bekämpfen. Sie haben Mücken mit Bakterien infiziert - so können die Insekten die gefährliche Krankheit nicht mehr übertragen.

REUTERS

Die Krankheit beginnt mit einem kleinen Piekser. Moskitos übertragen die Viren des Dengue-Fiebers auf den Menschen. Mit verheerenden Folgen: Millionen Menschen erkranken nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich am Dengue-Fieber, etwa 500.000 müssen ins Krankenhaus, mindestens 12.000 sterben an der grippeähnlichen Krankheit. Eine Schutzimpfung gibt es nicht, genauso wenig eine wirksame Therapie.

Im Kampf gegen die Krankheit wollen Forscher in Brasilien nun einen Trick nutzen: Sie haben die Gelbfiebermücken der Art Aedes aegypti mit Bakterien infiziert, die dafür sorgen, dass die Mücken die Dengue-Viren nicht mehr übertragen können. In einem großangelegten Versuch des Programms "Eliminate Dengue" wurden bereits etwa 10.000 der infizierten Moskitos freigesetzt.

Wolbachia-Bakterien sind keine Kreaturen aus der Genküche der Forschungslabore. Sie kommen natürlicherweise in mehr als 60 Prozent der Insekten vor. Die Gelbfiebermücken, die das Dengue-Fieber übertragen, gehören jedoch nicht zu den Wirten des Bakteriums. Zumindest bisher. Doch Forschern gelang es schon vor einiger Zeit im Labor, Wolbachia-Bakterien in Embryonen der Mücken zu injizieren. Mit Erfolg: Die mit den Bakterien infizierten Mücken übertrugen das Virus nicht mehr. Warum das so ist, ist noch weitgehend unklar.

Vor allem die Weibchen der Stechmücken sind für das Experiment wichtig - sie geben die Bakterien an ihre Nachkommen weiter, auch wenn sie sich mit Männchen paaren, die die Bakterien nicht in sich tragen. So sollen sich die Bakterien nach und nach in der gesamten Mückenpopulation vermehren und verhindern, dass sich die Krankheit ausbreitet.

Biologisches Pestizid

In einem ähnlichen Versuch in Australien im Jahr 2011 zeigte sich, dass sich die Bakterien-infizierte Mückenart mit den wilden Steckmücken gepaart hat und weiter verbreiten konnte. "Ob die Ansiedlung von Wolbachia-infizierten Stechmücken eine Ausbreitung des Dengue-Fiebers verhindert, wird sich jedoch erst in Langzeitstudien zeigen", sagt Stefanie Becker, Leiterin des Instituts für Infektionsmedizin am Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems. "Der Zeitraum seit der Freisetzung 2011 bis heute ist noch zu kurz für eine Einschätzung."

Der Freilandversuch in Brasilien soll nun helfen, die Wirksamkeit dieses biologischen Pestizids weiter zu klären. Forschungsleiter Luciano Moreira ist optimistisch: "Ich vermute, dass wir in etwa zwei bis fünf Jahren eine Reduzierung der Dengue-Fälle erreichen werden", sagt er. "Und in fünf bis zehn Jahren werden wir in ganz Brasilien die Ausbreitung mit konkreten Resultaten überprüfen können."

Auch wenn die Forscher noch nicht genau wissen, ob sich diese Mücken längerfristig in der Natur halten werden, sind Fachleute von der Methode überzeugt: "Das ist ein sehr guter Ansatz im Kampf gegen das Dengue-Fieber", sagt Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. "Vor allem ist es eine natürliche Technik zur Bekämpfung der Krankheit - das ist sehr viel besser als gentechnische Methoden."

Die Krankheit bedroht vor allem Menschen in Afrika, Asien, der Karibik sowie Mittel- und Südamerika. Doch auch in Deutschland wurden im Jahr 2013 nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts knapp 800 Fälle gemeldet. Die Asiatische Tigermücke lebt inzwischen auch in Italien, Frankreich, Spanien und seit einigen Jahren auch in Süddeutschland. Allerdings trug in Deutschland bisher kein untersuchtes Exemplar das Dengue-Virus.

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Seite 1
hdudeck 26.09.2014
1. Hier liegt wohl ein Uebersetzungsfehler vor:
"Ob die Ansiedlung von Wolbachia-infizierten Stechmücken eine Ausbreitung des Dengue-Fiebers bewirkt wird sich jedoch erst in Langzeitstudien zeigen" Es ist wohl eher eine Eindaemmung gemeint. Ansonsten waere das ganze ja wohl wenig sinnvoll.
Zorpheus 26.09.2014
2.
"Wolbachia-Bakterien sind keine Kreaturen aus der Genküche der Forschungslabore." Ach, haben die Mücken jetzt auch schon Gentechnik-Paranoia?
m.r33v3 26.09.2014
3.
Wirkungsweise noch unklar, aber hauptsache keine Gentechnik. Denn gentechnisch sterilisierte Mücken sind ja völlig unberechenbar!
Heimatlos 26.09.2014
4. Aufklaerung
"Ich vermute, dass wir in etwa zwei bis fünf Jahren eine Reduzierung der Dengue-Fälle erreichen werden", heisst es. Und in der Zwischenzeit muss Brasilien Aufklaeren, Aufklaeren und nochmals Auflaeren. Die Dgengue-Mosquito legt am liebsten in stillen Wassern ihre Eier ab, das koennen Wasserlachen in Flaschen, in alten Reifen, in Dosen ebenso sein wie in Brackwasser. Diese Oertlichkeiten finden sich meist in den aermsten Siedlungen. Und dort muss aufgeklaert werden, wie bei uns in Costa Rica. Durch Plakate, Fernsehen und persoenliche Besuche des Gesundheitsministeriums. Dengua ist zwar bei uns nicht abgeschafft, aber stark eingedaemmt. Dank der Aufklaerung. Arriba Brasila, por un vida buena!
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