Vulkangase Schwefelwolke des Bárdarbunga erreicht Deutschland

Seit Wochen spuckt der isländische Vulkan Bárdarbunga Lava. Das dabei ausgestoßene Schwefelgas hat jetzt Deutschland erreicht. Wetterstationen in Österreich melden Rekorde, Gefahr für die Gesundheit besteht aber nicht.

Wolke des Vulkans Bárdarbunga: "Diese kurzfristige Überschreitung ist keine unmittelbare Gefährdung der Gesundheit"
ZAMG

Wolke des Vulkans Bárdarbunga: "Diese kurzfristige Überschreitung ist keine unmittelbare Gefährdung der Gesundheit"


Hamburg - Hunde mit ihrem empfindlichen Geruchsinn können den isländischen Vulkan vielleicht schon riechen. Seit Wochen speit der Bárdarbunga Lava und Gase. Seine Wolke treibe mittlerweile auch über Mitteleuropa, berichtet die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien (ZAMG). Auch in Deutschland sei bereits Vulkangas registriert worden, bestätigt der Deutsche Wetterdienst DWD.

Norweger hatten bereits vor Tagen von Gestank berichtet. Satellitenbilder bewiesen: Die Schwefeldioxidwolke des Bárdarbunga hatte Norwegen erreicht. Nun haben Nordwestwinde die Gase tiefer nach Europa getragen. Das zeigten sowohl Messungen als auch Simulationen der Luftausbreitung, berichtet die ZAMG.

Riechen kann man das Schwefeldioxid (SO2) allerdings noch nicht, die Konzentration ist zu gering. Es bestehe auch keine Gesundheitsgefahr, erklärt der DWD. In Nordrhein-Westfalen etwa hätten die höchsten SO2-Werte lediglich bei einem Zehntel des erlaubten Grenzwerts gelegen, erklärt das zuständige Landesamt.

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Unruhiger Riese: Lavaspektakel am Bárdarbunga
In Österreich hingegen seien an einzelnen Stationen zwar die höchsten SO2-Werte seit Beginn der Messungen festgestellt worden, berichtet die ZAMG - doch auch sie gibt Entwarnung: "Diese kurzfristige Überschreitung ist keine unmittelbare Gefährdung der Gesundheit."

Riecht wie Diesel

Vulkanasche, die im Flugverkehr für Probleme sorgen kann, sei weiterhin nicht zu beobachten. Mit Ascheeruptionen des Bárdarbunga rechnen Fachleute erst, wenn der Lavaausbruch größere Mengen Gletschereis schmölze. Noch liegt die Ausbruchstelle jedoch mehrere Kilometer entfernt vom Gletscher.

Den Isländern indes bereitet die Gaswolke Sorgen. Noch nie seit Beginn der Messungen Anfang der Siebzigerjahre wehten derart dichte Schwaden von Schwefeldioxid über die Insel. In solch großen Mengen schädigt das Gas die Gesundheit. Menschen, die in Windrichtung wohnen, sollen Fenster und Türen schließen. Wie Dieselabgase rieche der Vulkanatem, berichten Einheimische.

Seit dem 29. August spritzt aus einer kilometerlangen Spalte im Vulkan Bárdarbunga Lava. Jede Sekunde schießen nach Angaben des Icelandic Met Office (IMO) 150.000 Liter zähflüssiger Gesteinsbrei hervor, zungenförmig wälzt er sich nordwärts. Die Lavamassen würden mittlerweile den siebtgrößten deutschen See füllen, den Plauer See. Geoforscher sprechen von einem der bedeutendsten vulkanischen Vorfälle Islands.

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boj



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