Satellitenbild der Woche Schwefelwolke hängt über Island fest

Der isländische Vulkan Bárdarbunga bläst seit drei Monaten gigantische Mengen an Schwefeldioxid in die Atmosphäre. Anscheinend hängen nun sogar schon Wolken vor den stinkenden Rauchschwaden des Vulkans fest.


Satellitenaufnahmen des Bárdarbunga vom 9. November 2014: Links in Originalfarben, rechts ein Falschfarbenbild mit einer Kombination aus grünem, fast infrarotem und kurzwelligem Infrarotlicht.

Der isländische Vulkan Bárdarbunga hört nicht auf zu qualmen: Seit dem 29. August strömen aus einer kilometerlangen Spalte Lava und Schwefeldioxid. Das stechend riechende Gas, das unter anderem bei der Verbrennung in Dieselmotoren entsteht, erreichte zwischenzeitlich sogar Deutschland - allerdings in so geringen Mengen, dass man es nicht riechen konnte und auch kein Gesundheitsrisiko bestand.

In Island ist das derzeit anders. Wissenschaftler der Universität von Island schätzen, dass das Lavafeld Holuhraun am Bárdarbunga jede Sekunde zwischen 450 und 700 Kilogramm Schwefeldioxid ausstößt - also rund 40.000 bis 60.000 Tonnen am Tag, berichtet die Nasa. Seit Beginn der aktuellen Eruption habe der Vulkan doppelt so viel Schwefeldioxid in die Atmosphäre geblasen wie die gesamte Industrie Europas in einem Jahr. Der Vulkan scheint lediglich beim Ausstoß von Asche sparsam zu sein.

Windstille sammelt Stinkegase über Island

Erschwerend hinzu kam den vergangenen Wochen ein sehr schwacher Wind. Er führte dazu, dass sich das stinkende Schwefeldioxid über Island ansammelte. Behörden rieten von Tätigkeiten im Freien ab. Vor allem Menschen mit Erkrankungen der Atemwege sollten im Haus bleiben. Je nach Konzentration kann Schwefeldioxid Kopfschmerzen und Übelkeit verursachen oder die Bronchien und Lungen angreifen. Über die Langzeiteffekte auf Menschen, Pflanzen und Tiere ist bislang wenig bekannt.

Der Operational Land Imager (OLI) an Bord des Nasa-Satelliten "Landsat 8" hat die Situation am 9. November aufgenommen - ein Bild zeigt das Szenario in Originalfarben, das zweite in einer Kombination aus grünem, fast infrarotem und kurzwelligem Infrarotlicht. Auf dem Falschfarbenbild leuchtet die Lava rot, während Wolken, Schnee und Eis in verschiedenen Blaugrüntönen zu erkennen sind.

Hängen Wolken vor dem Vulkanrauch fest?

Besonders fasziniert Forscher das Zusammenspiel der Wolken und Rauchschwaden über dem Vulkan. Unterhalb seines Gipfels schweben im Norden, Osten und Süden Wolken. Oberhalb wabert die Rauchfahne des Vulkans, und zahlreiche Quellwolken (Schäfchenwolken) sind zu sehen, die Schatten auf die unteren Wolken werfen.

Ralph Kahn vom Goddard Space Flight Center der Nasa glaubt, dass die Quellwolken entstehen, weil der Vulkan die Atmosphäre aufheizt und zusätzlich Wasserdampf ausstößt. Wassertröpfchen sind der Hauptbestandteil der Wolken. Allerdings fällt auf, dass die Wolkendecke sich nicht bis nach Westen ausdehnt, wo der Vulkanrauch hängt - als würden die Wolken vor dem Dampf aus Schwefeldioxid und Asche stehenbleiben.

Ob "Landsat 8" Rauch und Wolken nur zufällig aufgenommen hat, als die Wolken gerade von Osten nach Westen zogen und den Vulkanrauch erreichten, oder ob die Wolken tatsächlich vor der Rauchwolke festhängen, könne man jedoch nicht sagen, erklärt Nasa-Mitarbeiter Santiago Gassó. Dazu seien weitere Untersuchungen nötig.

Der aktuelle Vulkanausbruch ist der größte in Island seit einem Vorfall am Laki-Krater Ende der Achtzigerjahre des 18. Jahrhunderts. Fast einen Kubikkilometer Lava hat das Lavafeld Holuhraun am Bárdarbunga bereits ausgestoßen. Nach drei Monaten bedeckt geschmolzenes Gestein eine Fläche von 70 Quadratkilometern, was beinahe der Fläche Manhattans entspricht. 700 Mal ließ der Vulkan die Erde bereits mit einer Stärke von mindestens drei auf der Richterskala beben, 60 Mal überstieg das Beben die Stärke fünf.

jme

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