Bedrohliche Blähungen Medikament verringert Methan-Ausstoß von Weidevieh

Wenn Schafen und Kühen ein Lüftchen entwischt, ist das nicht nur lustig und übelriechend. Die Tiere tragen auch zu rund 20 Prozent zum weltweiten Ausstoßes des Klimagases Methan bei. Ein neues Medikament soll die Flatulenzen von der Weide nun verringern.


Schafe in den Niederlanden: Methanaufstoßer
DPA

Schafe in den Niederlanden: Methanaufstoßer

Wenn Schafe, Kühe und andere Weidetiere rülpsen oder furzen, riecht es nicht nur nach frischer Landluft. Die entweichenden Gase enthalten so große Mengen an Methan, dass die Tiere weltweit etwa 20 Prozent zum gesamten Ausstoß des Gases beitragen. Damit fördern die Wiederkäuer den Treibhauseffekt und die globale Erwärmung. Methan ist ein besonders gefährlicher Klimakiller, denn in der Atmosphäre sorgt es für etwa 20 Mal so viel Wärme wie die gleiche Menge an Kohlendioxid.

Der Australier Andre-Denis Wright und seinen Kollegen von der Commonweatlth Science and Research Organisation in Perth haben nun ein Gegenmittel entwickelt, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Es soll Bakterien im Magen der Tiere, die das gefährliche Treibhausgas produzieren, unschädlich machen und klimaschädliche Rülpser verringern.

Die Wissenschaftler testeten die Substanz an einer Schafherde. Nach zwei Injektionen reduzierte sich der Methanausstoß in einem bestimmten Zeitraum um acht Prozent, ergaben die Analysen der Forscher. Bislang wirke das Mittel nur gegen ein Fünftel der Methan produzierenden Bakterien im Magen der Schafe, erklären Wright und seine Kollegen. Zukünftige Versionen sollen jedoch ein breiteres Wirkungsspektrum haben.

In Australien und Neuseeland könnte ein solches Medikament breite Anwendung finden, denn dort grasen Schafe zu Zigtausenden die Wiesen ab und produzieren dabei Methan. Bei Tieren, die in Ställen gehalten werden, gibt es jedoch bereits eine Alternative zum Medikamenten-Einsatz: Zusatzstoffe, die dem Futter beigemengt werden und die Tiere seltener rülpsen und furzen lassen.



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