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Bedrohte Meeressäuger: Fischer fangen Seelöwen das Futter weg

Die seltenen Neuseeländischen Seelöwen bringen von Jahr zu Jahr weniger Jungen zur Welt. Wissenschaftler haben nun die Gründe ermittelt - Fischer holen das Futter der Meeressäuger aus dem Wasser. Und der Fischfang schadet den Seelöwen noch auf andere Weise.

Seelöwe (im Zoo Nürnberg, Juli 2011): Schlechte Nachrichten aus Neuseeland Zur Großansicht
dapd

Seelöwe (im Zoo Nürnberg, Juli 2011): Schlechte Nachrichten aus Neuseeland

Hamburg - Der Neuseeländische Seelöwe (Phocarctos hookeri) gilt als bedroht. Nur noch rund 10.000 Exemplare der bis zu 3,5 Meter großen und 400 Kilogramm schweren Meeressäuger gibt es. Früher müssen die Tiere deutlich häufiger gewesen sein, wie zahlreiche Knochenfunde auf Neuseeland belegen. Doch Robbenfänger dezimierten den Bestand. Gut 70 Prozent der heute lebenden Tiere haben auf den Auckland Islands ihren Brutplatz, der Rest auf Campbell Island.

Doch auf den Auckland Islands ging die Zahl der jährlich geborenen Jungen von 1998 bis 2010 um gut 40 Prozent zurück - von 3021 Geburten auf 1814, berichten die neuseeländischen Forscher Bruce Robertson und B. Louise Chilvers im Fachmagazin "Mammal Review". Auf Campell Island sank die Geburtenzahl nicht, 2010 kamen dort 726 Junge zur Welt.

Seelöwen enden als Beifang

Viele Weibchen kamen gar nicht erst zur Vermehrung an den Strand der Auckland Islands. Die Meeressäuger haben vor allem zwei Probleme, wie der Wissenschaftler von der University of Otago und seine Kollegin vom vom neuseeländischen Naturschutzamt ermittelten: Fischer fangen den Tieren das Futter weg - und immer wieder landen die Seelöwen selbst als Beifang in den Netzen. Zwischen 1988 und 1993 kamen so jährlich zwischen 17 und 140 Tiere um. Ob damit alle Fälle erfasst sind, ist nicht klar, denn nicht alle Boote haben Beobachter an Bord.

Krankheiten, Parasiten oder Raubtiere wie Haie können den stetigen Geburtenrückgang nicht verursacht haben, meinen die Forscher, da es keine Veränderungen in diesen Bereichen gab.

Weitere Ursachen könnten Störungen durch Touristen oder genetische Effekte sein - theoretisch könnten die Tiere auch abgewandert sein, um ihre Jungen an anderer Stelle zur Welt zu bringen. Durch den Vergleich der Lebensbedingungen auf beiden Inseln schließend die Forscher aber, dass der starke Rückgang der Tiere auf den Auckland Islands seine Ursache in der Konkurrenz durch die Fischer und den Beifang in den Netzen hat. Das Team fordert, alle Möglichkeiten zur Abhilfe zu nutzen, um den Seelöwen-Bestand zu bewahren.

wbr/dpa

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