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Bedrohte Natur Mega-Fotoprojekt zeigt Europas wilde Wunder

"Wild Wonders of Europe": Fotoreise durch Europas Natur
Fotos
Wild Wonders of Europe / Magnus Lundgren

69 Fotografen, 48 Länder, mehr als 200.000 Fotos: Das Projekt "Wild Wonders of Europe" dokumentiert faszinierend die Natur des Kontinents. Die Aufnahmen setzen Maßstäbe, blenden aber Umweltzerstörungen durch den Menschen aus.

Das Foto wirkt beinahe so, als hätten sich die imposanten Vögel zusammengetan, um dem Fotografen ein Ständchen zu bringen. Dass die fünf Krauskopfpelikane ihre prachtvollen, knallroten Kehlsäcke synchron in den Himmel recken, ist nicht das Einzige, was an dem Bild beeindruckt. Worauf die meisten Bewohner Europas wahrscheinlich nicht kommen würden: Die Aufnahme ist auf ihrem Kontinent entstanden - auf dem Kerkini-See nahe der griechisch-bulgarischen Grenze.

Überraschungen dieser Art hält der jüngst erschienene Bildband "Wild Wonders of Europe" in Serie bereit. Der 288 Seiten starke Wälzer ist das Ergebnis eines fotografischen Mammutprojekts: 69 Fotografen sind von Mai 2008 bis August 2009 in 48 europäische Länder ausgeschwärmt und mit mehr als 200.000 Bildern zurückgekommen. Nach Angaben des Auftraggebers, der National Geographic Society, war es das bisher weltweit größte Naturfotografie-Projekt überhaupt.

Eine Jury aus den Direktoren und Initiatoren des Projekts hat am Ende die 300 besten Fotos für den Bildband ausgesucht - die Sammlung dürfte in der Naturfotografie neue Maßstäbe setzen.

Auch der Rosshaar-Schwindling kann schön sein

Viele der Bilder besitzen eine enorme visuelle Wucht. Das gilt nicht nur für spektakuläre Motive wie majestätische Berge, jagende Fischadler oder malerische Sonnenuntergänge. Viele Fotos offenbaren einen faszinierenden Blick für Details. Selbst der Rosshaar-Schwindling - ein Pilz, der in Gruppen aussieht wie ein Bündel Stehhaare - kann so zu einer Schönheit werden. Hier und dort kommen kleine Geschichten hinzu, die spannende und manchmal sogar lustige Einblicke in das nicht immer leichte Leben von Naturfotografen geben.

Die Stärke des "Wild Wonders of Europe"-Projekts ist, dass es immer wieder zu überraschen vermag. Selbst potentielle Käufer eines Naturfoto-Bildbands dürften des Öfteren staunen, dass derartige Fotos nicht nur an karibischen Korallenriffen, in Afrikas Serengeti oder in tropischen Regenwäldern entstehen können, sondern in Europa - direkt vor unserer Haustür.

Dass dergleichen überhaupt noch möglich ist auf einem derart dicht besiedelten und durch Industrie gezeichneten Kontinent, ist nicht zuletzt den Erfolgen des Umweltschutzes zu verdanken, wie die Autoren zurecht betonen. Die inhaltliche Botschaft - die Sensibilisierung für den Wert der unzerstörten Natur - kommt dagegen nicht selten plakativ daher: "Echte, unzerstörte Wildnis wird bald das kostbarste Gut überhaupt sein", heißt es etwa, oder: "Ohne diese unvergesslichen wilden Landschaften verarmen wir als Menschen."

Ausblendung des Hässlichen

Das Problem mit diesem offen vorgetragenen pädagogischen Ansatz ist, dass der Bildband die hässliche Seite des menschlichen Wirkens in der Natur ausblendet. Es beschleicht einen das Gefühl, dass das ästhetische Vergnügen möglichst nicht gestört werden soll. Fotos von Vögeln, die qualvoll in Öllachen zugrunde gehen, von Urwäldern, die aus Profitgier niedergebrannt wurden oder von Schiffen, die giftigen Müll auf dem Meer über Bord werfen, sucht man vergeblich. Dabei wäre ihre Durchschlagskraft gerade im direkten Zusammenhang mit verstörend schönen Naturmotiven beachtlich gewesen.

In dem Band wird eine Eurobarometer-Umfrage von 2005 zitiert: "88 Prozent der Europäer möchten, dass der Naturschutz bei politischen Entscheidungen genauso berücksichtigt wird wie wirtschaftliche Aspekte." Schon die Frage beweist, dass der Naturschutz bisher nicht als wirtschaftlicher Faktor - der er eben auch ist - wahrgenommen wird, sondern als Luxus. Es steht zu befürchten, dass die Antwort der Befragten ein Lippenbekenntnis ist und das Ergebnis anders ausgefallen wäre, hätte man die Leute zugleich gefragt, ob sie für den Naturschutz zu bezahlen bereit wären.

"Endlich dämmert uns, dass geschädigte Ökosysteme die Gesellschaft teuer zu stehen kommen", heißt es in dem Bildband. Dämmern ist - vielleicht ungewollt - der passende Begriff. Denn so richtig Licht geworden ist es in dieser Hinsicht noch nicht.

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insgesamt 6 Beiträge
Gaztelupe 24.08.2010
Wo, bitteschön, steht eigentlich geschrieben, Naturfotografie müsse irgendwie pädagogisch grundiert eine grüne Message rüberbringen, gleichsam also mahnend und warnend wirken? Wo steht das und warum sollte irgendwer sich dran [...]
Zitat von sysop[...] Die Aufnahmen setzen Maßstäbe, blendet aber Umweltzerstörungen durch den Menschen aus. [...]
Wo, bitteschön, steht eigentlich geschrieben, Naturfotografie müsse irgendwie pädagogisch grundiert eine grüne Message rüberbringen, gleichsam also mahnend und warnend wirken? Wo steht das und warum sollte irgendwer sich dran halten? Es ist nichts dagegen einzuwenden, Wildnis ganz einfach ästhetisch und ansprechend abzubilden, ohne gleich Zugeständnisse an die übliche Miesepetrigkeit von Ökopessimisten zu machen, denen die Natur gar nicht »intakt« genug sein kann. Fehlt nur noch der Hinweis, daß jedes Neugeborene zum Welthungerproblem beiträgt. Und schuld sind wahrscheinlich wieder mal gewissenlose Reiche ... Fotos ölverschmierter Vögel jedenfalls brauche ich nicht, um die Viecher zu bedauern.
Don Alfonso 24.08.2010
Geht's auch ohne Miesmachen und demonstativ erhobenen Zeigefinger? Kann ja gar nicht sein, dass der Leser sich ungestört an tollten Naturfotos ergötzt. Die vielen guten Nachrichten, dass Pelikane, Adler und Rotwild sich wieder [...]
Geht's auch ohne Miesmachen und demonstativ erhobenen Zeigefinger? Kann ja gar nicht sein, dass der Leser sich ungestört an tollten Naturfotos ergötzt. Die vielen guten Nachrichten, dass Pelikane, Adler und Rotwild sich wieder ausbreiten, könnten ihn glatt vergessen lassen, dass wir alle am Rande des Abgrunds stehen. Deshalb darf beim Matterhorn auch der Hinweis auf die Gletscherschmelze nicht fehlen. Das letzte der Reihe zugefügte Foto ist allerdings eine üble Fehlleistung! Journalistisch ist das nicht sauber und zudem völlig unnötig. Fotos von Käfighühnern und Tierversuchen wären als Ergänzung auch nicht schlecht gewesen. Die wären ebenso gerechtfertigt gewesen. Wenn solche SPONNER mir SPON verleiden wollen, dann kann ich nur sagen: Ich bin nicht drauf angewiesen, dass ich Euch lese. Aber auch ohne Abo seid Ihr darauf angewiesen, dass Euch möglichst viele lesen. Immer mal wieder dran denken!
Löber 24.08.2010
Hier werden wunderschöne Naturbilder gezeigt. Die man normaler weise unkommentiert anschauen sollte. Ein entsprechender Kommentar ist hier aber nötig. Wie die Reaktion zeigt sind Bilder von ölverschmierten Vögeln unästhetisch! [...]
Zitat von GaztelupeWo, bitteschön, steht eigentlich geschrieben, Naturfotografie müsse irgendwie pädagogisch grundiert eine grüne Message rüberbringen, gleichsam also mahnend und warnend wirken? Wo steht das und warum sollte irgendwer sich dran halten? Es ist nichts dagegen einzuwenden, Wildnis ganz einfach ästhetisch und ansprechend abzubilden, ohne gleich Zugeständnisse an die übliche Miesepetrigkeit von Ökopessimisten zu machen, denen die Natur gar nicht »intakt« genug sein kann. Fehlt nur noch der Hinweis, daß jedes Neugeborene zum Welthungerproblem beiträgt. Und schuld sind wahrscheinlich wieder mal gewissenlose Reiche ... Fotos ölverschmierter Vögel jedenfalls brauche ich nicht, um die Viecher zu bedauern.
Hier werden wunderschöne Naturbilder gezeigt. Die man normaler weise unkommentiert anschauen sollte. Ein entsprechender Kommentar ist hier aber nötig. Wie die Reaktion zeigt sind Bilder von ölverschmierten Vögeln unästhetisch! Aber genau hier muss der „Zeigefinger“ gehoben werden. Das Bild dokumentiert auf grausame Weise was passiert wenn die Spezi Mensch durch seine Geldgier in die Ökologie eingreift. Und genau deswegen ist die Natur nicht intakt. Sie kollabiert! Die anderen Bemerkungen finde ich nicht passend, gelinde ausgedrückt.
Gaztelupe 25.08.2010
Die Ökologie ist eine Wissenschaft und kollabiert nicht. Abgesehen davon ist es die Geldgier von Greenpeace et al, die durch plakative Zurschaustellung von »Umweltsünden« befriedigt wird. Damit generieren solche Organisatonen [...]
Zitat von Löber[...] Aber genau hier muss der „Zeigefinger“ gehoben werden. Das Bild dokumentiert auf grausame Weise was passiert wenn die Spezi Mensch durch seine Geldgier in die Ökologie eingreift. Und genau deswegen ist die Natur nicht intakt. Sie kollabiert! [...]
Die Ökologie ist eine Wissenschaft und kollabiert nicht. Abgesehen davon ist es die Geldgier von Greenpeace et al, die durch plakative Zurschaustellung von »Umweltsünden« befriedigt wird. Damit generieren solche Organisatonen ihre Spendengelder, die sie dringend benötigen. Ein global agierendes Unternehmen wie die Ökosekte ist schließlich gewissen betriebswirtschaftlichen Zwängen ausgeliefert, oder glauben Sie, Greenpeace muß keine Mieten, Gehälter, Stromrechnungen etc. bezahlen? Daß dabei kein Profit gemacht wir, ist in diesem Zusammenhang eher eine Marginalie. Schrumpfen jedenfalls wird der Laden nicht freiwilllig – und daher kommen ölverschmierte Vögel ihm gerade recht, denn die lockern die Kohle im Geldbeutel von Gewissensbissen geplagter Mitteleuropäer. Mit der immer wieder überraschenden Schönheit der Natur – die zu erkennen uns gewissermaßen in die Wiege gelegt ist –, haben Umweltkatastrophen gar nichts zu tun. Und wir sind auch nicht zum Pessimismus verpflichtet. Selbstredend auch nicht zum Gegenteil, aber was die Natur so tut, wenn der Tag lang ist, bleibt halt doch beeindruckend (http://www.motor-mania.org/?p=1818). Erhobene Zeigefinger gibt es zudem zu genüge im Staatsfunk zu sehen: 3Sat, arte, Phoenix und wie sie alle heißen werden doch nicht müde, die Schlechtigkeit menschlichen Handelns im immer gleichen penetranten Duktus zu betonen. Dabei muß doch nicht jede Publikation volkserzieherisch wirken. Ist doch langweilig ...
Bhur Yham 25.08.2010
Aber sie sind völlig richtig. Solange anderenorts riesige Waldflächen abbrennen und wir mit dem Verbot von Glühbirnen "reagieren", sind erhobene Zeigefinger absolut sinnlos.
Zitat von Löber...Die anderen Bemerkungen finde ich nicht passend, gelinde ausgedrückt.
Aber sie sind völlig richtig. Solange anderenorts riesige Waldflächen abbrennen und wir mit dem Verbot von Glühbirnen "reagieren", sind erhobene Zeigefinger absolut sinnlos.
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