Kluge Insekten Hummeln denken logisch

Hunderte Pflanzen, weite Wege: Eine Blüte mit Nektar zu finden, ist für Hummeln gar nicht so einfach. Offenbar hilft der Aufenthaltsort von Artgenossen den Insekten bei der Routenplanung - und ihre Fähigkeit logisch zu denken.

Hummel im Anflug: Wo zuvor ein Artgenosse saß, gibt es vermutlich keinen Nektar mehr
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Hummel im Anflug: Wo zuvor ein Artgenosse saß, gibt es vermutlich keinen Nektar mehr


Hamburg/Cambridge: Auf der Suche nach nahrhaftem Nektar fliegen Hummeln täglich Hunderte Blüten an. Dabei folgen sie einer ausgeklügelten Route: Die Insekten beobachten Artgenossen und schließen durch Assoziieren auf die besten Blüten. Dabei kombinieren sie verschiedenen Informationen - sie denken logisch, wie Forscher im Fachmagazin "Current Biology" berichten.

Die Wissenschaftler um Erika Dawson von der University of London setzten zunächst 250 Hummeln einzeln in einer Flugarena mit künstlichen Blumen aus. Auf einige der Blüten hatten sie zuvor tote Hummeln oder Attrappen gesetzt - und zwar genau auf diejenigen mit einer nahrhaften Zuckerlösung. So lernten die Versuchshummeln, die Anwesenheit von Artgenossen mit Futter zu verbinden.

Im zweiten Versuchsteil ließen die Forscher ihre Hummeln durch eine Glasscheibe für zehn Minuten in die Flugarena hineinschauen. Diesmal befanden sich darin farbige Kunstblumen, von denen wiederum ein Teil mit vermeintlichen Artgenossen besetzt war. Anschließend entfernten die Forscher die Hummel-Modelle und vertauschten die Reihenfolge der farbigen Blumen. Dann ließen sie die Versuchshummeln in die Arena.

Die Insekten steuerten nun Blumen in genau der Farbe an, auf denen zuvor vermeintliche Artgenossen gesessen hatten. Die Hummeln hatten zwei Informationen miteinander verknüpft und daraus einen folgerichtigen Schluss gezogen. Erstens: dort, wo andere Hummeln sind, gibt es Futter. Und zweitens: Andere Hummeln bevorzugen eine bestimmte Farbe. Das bedeutet: diese Farbe verspricht Futter. Hummeln, die im Test nie gelernt hatten, die Anwesenheit ihrer Artgenossen mit Nahrung in Zusammenhang zu bringen, flogen dagegen auf keine bestimmte Blütenfarbe.

Der Assoziationstest funktionierte genauso mit negativen Erfahrungen: Hatten die Hummeln Attrappen auf farbigen Blüten mit einer bitteren Lösung beobachtet, mieden sie anschließend genau diese Farbe. Es sei durchaus denkbar, dass Hummeln im Freiland die Anwesenheit von Artgenossen negativ mit Futter assoziieren, schreiben die Forscher. Da Hummeln die Blüten normalerweise leer trinken, würde es sich nicht lohnen, genau dorthin noch einmal zu fliegen.

Das logische Denken sei für die Hummeln wichtig, da sie täglich unzählige Blüten anfliegen müssen, um genügend Nektar zu sammeln. Bereits frühere Studien hatten gezeigt, dass Hummeln auf Nahrungssuche zu komplexer Navigation fähig sind. Offenbar planen sie ihre Flugroute auch in Abwesenheit von Artgenossen nach einem ausgeklügelten System: In einem Test flogen die Insekten nur dann eine Route erneut ab, wenn diese kürzer war als eine bereits ausprobierte. So finden sie den kürzesten Weg.

jme/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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salmo 05.04.2013
1. Das einzig sympathische Insekt...
sind Hummeln! Beruhigender Sound, coole Aerodynamik UND nützlich - was will man mehr ?
Layer_8 05.04.2013
2. Nützlichkeit
Zitat von salmosind Hummeln! Beruhigender Sound, coole Aerodynamik UND nützlich - was will man mehr ?
Was heißt hier "nützlich"? Alle Insekten als Teil des Ganzen sind irgendwie nützlich. Unnützliche Insekten wären schon längst ausgestorben.
herkurius 05.04.2013
3.
Zitat von salmosind Hummeln! Beruhigender Sound, coole Aerodynamik UND nützlich - was will man mehr ?
Hornissen. Mehr Sound, mehr Aerodynamik und sie sind als Fleischfresser, insbesondere Wespenjäger, noch nützlicher. Und nein, die stechen normal auch nicht.
ratte321 06.04.2013
4. @hotte69
Ne ist klar, Tiere sind alle gleich und alle auf dem Niveau einer Amöbe! Wir sind keine Delphine und keine Frösche ergo müssen wir Tieren bei beobachtungen und Erkenntnissen Attribute zusprechen die wir u.U von uns kennen und so benennen.
koprolith 06.04.2013
5. Immerhin hat Rimsky-Korsakow
dem Hummelflug ein musikalisches Denkmal gesetzt. Auch damit, aber nicht nur deshalb, spielt die Hummel ganz weit vorne in den Insekten-charts mit. Und den puscheligen Pelz macht der Hummel so schnell auch kein Kollege aus der Insektenwelt nach.
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