Hamburg - Im All mag sich die Nasa auskennen, auf der Erde offenbar nicht ganz so gut: Die US-Weltraumagentur musste am Donnerstag eingestehen, dass sie versehentlich einen Berg in Indien zum Mount Everest erklärt hat. Dabei veröffentlichte sie auf ihrer Internetseite ein aus dem Weltraum aufgenommenes Foto mit dem Hinweis, es zeige den an der Grenze von Nepal und China gelegenen Mount Everest. Tatsächlich war aber nicht der höchsten Gipfel der Welt zu sehen, sondern ein Gipfel in der Bergkette Saser Muztagh in Indien.
Der russische Kosmonaut Juri Malentschenko hatte das Foto von der Internationalen Raumstation ISS aus geschossen. Sein Bild verbreitete sich zusammen mit der von der Nasa gegebenen Beschreibung rasch über die sozialen Netzwerke und wurde von zahlreichen Medien aufgegriffen. Bald meldeten jedoch nepalesische Internetnutzer Zweifel an. Der Journalist Kunda Dixit, der als Himalaja-Experte gilt, schrieb auf Twitter: "Tut mit leid Jungs, aber der Gipfel mit dem Schatten in der Mitte ist nicht der Mount Everest."
Ein Nasa-Sprecher räumte den Fehler am Donnerstag in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AFP ein. "Es ist nicht der Everest. Es handelt sich um den Saser Muztagh, der im Karakorum-Gebirgszug in der indischen Region Kaschmir liegt." Das Foto sei inzwischen von der Nasa-Internetseite entfernt worden. Wie es zu der falschen Zuordnung des abgebildeten Berges kam, erklärte der Sprecher nicht.
Der Mount Everest, 8848 Meter hoch, ist bei Weltraumaufenthalten ein begehrtes Fotomotiv, wie der Astronaut Ron Garan dem US-Magazin "The Atlantic" sagte. Es sei aber schwierig, den Berg tatsächlich abzulichten. "Unsere alltägliche Arbeit erlaubt es für gewöhnlich nicht, Fotos von der Erde zu machen", sagte Garan, der im vergangenen Jahr auf der ISS im Einsatz war. "Wenn wir also einen bestimmten Punkt fotografieren wollen, müssen wir vorher ganz genau wissen, wann wir über diesem Punkt sein werden."
Dass renommierte Wissenschaftsinstitutionen markante Naturphänomene vertauschen, kommt häufiger vor, als mancher denken mag. Vergangenes Jahr fehlte im angeblich "glaubwürdigsten Atlas der Welt" ein Siebtel des Grönlandeises. Zudem bezichtigten Forscher einen falschen Vulkan eines Ausbruchs.
boj/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
| alles zum Thema Mount Everest | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH