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Bericht zu Öko-Energien: Blogger werfen Weltklimarat Interessenkonflikt vor

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Neuer Ärger beim Weltklimarat der Vereinten Nationen: Weil ein Greenpeace-Experte am neuesten Bericht des Gremiums mitgearbeitet hat, wittern Blogger einen Interessenkonflikt. Kritiker sind empört.

Module eines Solarstrom-Kraftwerkes in Brandenburg: Streit um Report des Weltklimarats Zur Großansicht
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Module eines Solarstrom-Kraftwerkes in Brandenburg: Streit um Report des Weltklimarats

Geht es um die Gefahren des Klimawandels, gilt Mark Lynas nicht gerade als Beschwichtiger. Der britische Umweltschützer saß als Unterhändler der vom Untergang bedrohten Malediven auf der Kopenhagener Weltklimakonferenz. Für die Rettung des Klimas würde er am liebsten wieder mehr Kernkraftwerke bauen lassen.

Außerdem verteidigte der Publizist vor gut zwei Jahren Klimaforscher und auch den Uno-Weltklimarat - den Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) - vor der Kritik von Skeptikern, die das ganze Gerede von steigenden Temperaturen für ein Hirngespinst von Ökoaktivisten halten. Genüsslich hatten diese nämlich falsche Zahlen über das Abtauen der Himalaya-Gletscher im IPCC ausgebreitet.

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Erneuerbare Energien: Die grüne Zukunft
Doch augerechnet auf seinem Blog geißelt Lynas selbst nun den Weltklimarat. Dieser habe "einen viel schlimmeren Fehler begangen als das sogenannte Himalaya-Gate". Lynas meint einen "ungeheurerlichen Interessenkonflikt" beim IPCC entdeckt zu haben, wie er "größer kaum vorstellbar ist". Die mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Institution solle dringend "ihre Politik ändern", mit der sie Autoren für die Berichte aussucht. Zudem fordert der Blogger "schnelle Antworten" des IPCC in diesem Fall von "Missbrauch wissenschaftlicher Unabhängigkeit".

Der Fall, der Lynas so erzürnt, dreht sich um die Veröffentlichung eines Sonderberichtes des IPCC zur Zukunft erneuerbarer Energien. 1544 Seiten ist er dick. Entzündet hat sich die neue Kontroverse, die sich mittlerweile wie ein Lauffeuer durch die einschlägigen Blogs zieht, an der Pressemitteilung dazu: Dort heißt es, dass "fast 80 Prozent des Weltenergieverbrauchs bis Mitte des Jahrhunderts von erneuerbaren Enrgien gedeckt werden könnten". Das "zeigt" der neue Report, steht da geschrieben.

Entsprechend haben bei der Vorstellung der Ergebnisse vor einem Monat in Abu Dhabi auch die Medien die frohe Botschaft transportiert - suggerierend, dass es sich hier um die Meinung des weltgrößten Wissenschaftsgremiums handelt.

Wie kann ein Greenpeace-Mann Leitautor beim IPCC werden?

Doch in Wahrheit gibt diese "fast 80 Prozent" nur eine von über 160 Studien wieder, die vom IPCC untersucht wurden. Doch dazu muss man die ganze IPCC-Presseaussendung schon bis zum Ende lesen. Und wer sich dann den gesamten Report vornimmt, der erst vorige Woche im Internet publiziert wurde, der erfährt den Auftraggeber der besagten Studie: die Umweltschutzorganisation Greenpeace und den European Renewable Energy Council, eine Lobbygruppe für erneuerbare Energien. Bedeutender noch: einer der Leitautoren des betreffenden Kapitels 10 ist Sven Teske, Greenpeace-Experte in Fragen erneuerbarer Energien.

Und genau hier liegt der Kern der ganzen Aufregung: Wie kann ein Greenpeace-Mann Leitautor beim IPCC werden? Und kann es sein, so fragen sich auch Umwelt- und Klimaschützer, dass eine Interessengruppe die Aussagen des IPCC mit ihren politische Zielen beeinflussen kann?

Bisher hat sich die Debatte erst in den angelsächsischen Medien niedergeschlagen. Das mag daran liegen, dass der erste, der den möglichen Interessenkonflikt erkannt hat, Steve McIntyre ist. Der Kanadier gilt als einer der Hauptkritiker der etablierten Klimawissenschaften. Letzte Woche holzte der auf seinem Blog Climateaudit.org los, sprach von "Greenpeace-Karaoke", die sich in dem IPCC-Report befinde.

Dabei sind die Adressaten der Kritik vor allem Deutsche: Zum einen Sven Teske, der Greenpeace-Mann, der in der Hamburger Deutschland-Zentrale sitzt. Ausgewählt wurde er als Leitautor, so wie beim IPCC üblich, von der Regierung - konkret vom Bundesumweltministerium und Bundesforschungsministerium. Das war 2008, also während der Großen Koalition. Vor allem trifft die Kritik Ottmar Edenhofer vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der als Co-Vorsitzender der 3. Arbeitsgruppe des IPCC einer der Hauptverantwortlichen des Werkes ist.

IPCC-Report "ohne jede Parteilichkeit"

Der Klimaökonom verteidigt gegenüber SPIEGEL ONLINE deshalb auch das Gesamtwerk. Es sei "ausgewogen" und referiere "ohne jede Parteilichkeit" den Stand des Wissens. Er verweist darauf, dass selbst die jetzt so kritisierte Studie "durch einen strengen wissenschaftliches Begutachtungsprozess" gegangen sei. Man habe die zugrunde liegenden Annahmen der betreffenden Studie deutlich genannt. Außerdem habe der IPCC-Report "keine spezielle Studie über die erneuerbaren Energien als überlegen" dargestellt.

Damit hat IPCC-Vize Edenhofer auch recht - zumindest was den Gesamtbericht angeht. Dort erfährt man nämlich, dass die Greenpeace-Studie, die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt maßgeblich erstellt worden ist, die für die erneuerbaren Energien denkbar besten Annahmen trifft: etwa dass der Weltenergieverbrauch im Jahre 2050 im Vergleich zu heute sinkt oder dass nach 2008 keine neuen Atomkraftwerke gebaut werden würden. Das ungünstigste Szenario, erstellt von der Internationalen Energieagentur IEA in Paris, sieht nur 15 Prozent der Energie im Jahre 2050 aus nachhaltiger Quelle stammend.

Und der Durchschnitt aller 164 Szenarien, auch das wird deutlich, liegt in der Hälfte des Jahrhunderts bei rund 27 Prozent erneuerbarer Energien. Klimaökonom Edenhofer beklagt sogar, dass der Wissensstand über die Kosten erneuerbarer Energien sehr schlecht sei.

"Warum sollten wir bei einem solchen Bericht nicht mitmachen?"

Umso überraschender ist die IPCC-Pressemitteilung. Sie ist so formuliert, dass deutlich das Augenmerk auf jene fast 80 Prozent erneuerbare Energien gelegt wird, wie in der Greenpeace-Studie steht. Greenpeace-Mann Teske verteidigt sich gegenüber SPIEGEL ONLINE damit, nicht bei der Formulierung jener Pressemitteilung beteiligt gewesen zu sein. "Ich habe sie erst gesehen, als sie bei der Pressekonferenz in Abu Dhabi vorgestellt wurde", sagt er.

Außerdem könne er kein Problem darin erkennen, dass er als Greenpeace-Vertreter beim IPCC-Report mitgemacht habe. Es sei auch jemand von der US-Regierung dabei gewesen, der die Kernkraft leidenschaftlich verteidigt habe, sowie Vertreter der fossilen Energieindustrie. Greenpeace repräsentiere weltweit drei Millionen Menschen. "Warum sollten wir bei einem solchen Bericht nicht mitmachen?", fragt Teske.

Genau darin sehen Kritiker wie Mark Lynas das Hauptproblem. Denn gerade erst erholt sich der IPCC von einer großen Glaubwürdigkeits-Krise. In Abu Dhabi, wo der umstrittene Bericht vorgestellt wurde, verabschiedeten die IPCC-Delegierten auch einen neuen Kodex, der den Interessenkonflikt von Autoren und IPCC-Leitung neu regeln soll. Dies ist Folge einer Debatte, die um IPCC-Chef Rajendra Pachauri entbrannt war. Der Inder war bereits als Berater von Finanzunternehmen aufgetreten. Auch das Vorwort der Greenpeace-Studie stammt aus Pachauris Feder.

In Abu Dhabi allerdings sollten klare Regeln beschlossen werden, die für die Zukunft gelten sollen. So findet sich in dem Abschlussdokument auch folgender Satz, der sich wie ein ungewollter Kommentar zu der neuerlichen Affäre liest: "Das Individuum und der IPCC sollten nicht in eine Situation geraten, in der eine normal denkende Person die Arbeit des IPCC wegen der Existenz eines Interessenkonfliktes in Frage stellen könnte."

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1. Na und?
jan_nebendahl, 20.06.2011
Wenn man sich durchliest, wer an den Assessment Reports so alles mitmacht, dann sind da regelmäßig Leute von Greenpeace oder dem WWF einerseits, andererseits Leute von Exxon Mobil, BP, General Electric oder auch Siemens dabei. Da kräht der Herr McIntyre mal wieder etwas daher, der zwar nicht falsch ist, aber völlig irrelevant. Weil er gekonnt die Hälfte der Wahrheit ausblendet.
2. ...
.Zerberus. 20.06.2011
Zitat von sysopDer Uno-Weltklimarat hat neuen Ärger: Blogger haben einen möglichen*Interessenkonflikt beim neuesten IPCC-Bericht entdeckt - ausgerechnet einen Greenpeace-Experten hat die Institution als Autor verpflichtet. Kritiker des Gremiums sind empört. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,769471,00.html
Helmut Schmidt hält die vom IPCC erzeugte Hysterie, um den Klimawandel für unwissenschaftlich und nach solchen Berichten, kann jeder vernünftige Mensch dem nur zustimmen. Hier arbeiten Lobbys zusammen, die ihre Theorie über die empirisch Nachweisbare Realität gestellt haben und mit Panik versuchen sich noch mehr Macht und Gelder einzuverleiben. Nicht wenige dieser "Wissenschaftler" haben Allmachtsphantasien, die sich klar gegen die demokratische Grundordnung richten. Klimarealisten wird von Zwangstätowierungen über Verbannung bis zur Liquidierung mittlerweile alles von dieser Gruppe der Alarmisten angedroht.
3. [{-_-}] ZZZzz zz z...
Schah.Wenzel 20.06.2011
Zitat von sysopDer Uno-Weltklimarat hat neuen Ärger: Blogger haben einen möglichen*Interessenkonflikt beim neuesten IPCC-Bericht entdeckt - ausgerechnet einen Greenpeace-Experten hat die Institution als Autor verpflichtet. Kritiker des Gremiums sind empört. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,769471,00.html
Und genau aus diesen Gründen darf Wissenschaft und Forschung an Universtäten und ihren Einrichtungen nicht von Läden wie etwa der Deutschen Bank korrumpiert werden. Sie muß frei sein, unabhängig, gut bezahlt/ ausgestattet und darf allein dem Steuerzahler/ Staat verpflichtet. Doch wohin man sieht, korrupter Filz überall, "neuerdings" auch bei den Idealisten; bin ich froh, daß meine persönliche Restlaufzeit überschaubar ist.
4. na und 2?
platten 20.06.2011
Wenn ich eine Sumpf austrocknen will, frag ich nicht die Frösche. Es geht darum wie viel EE möglich ist. Wen hätten Sie fragen sollen? Shell?
5. Nicht ernst nehmen
Hubert Rudnick, 20.06.2011
Zitat von sysopDer Uno-Weltklimarat hat neuen Ärger: Blogger haben einen möglichen*Interessenkonflikt beim neuesten IPCC-Bericht entdeckt - ausgerechnet einen Greenpeace-Experten hat die Institution als Autor verpflichtet. Kritiker des Gremiums sind empört. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,769471,00.html
Es zeigt sich nun mal wieder, dass man nicht alles was publiziert wird ernst nehmen sollte, es stecken hinter allem was geschrieben und veröffentlicht wird auch ganz bestimmte Interessen. Also sollten wir vieles gelassener hinnehmen. HR
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Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.

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Grafiken: Deutschlands Energiewirtschaft

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