Bessere Sauerstoffversorgung Mutation machte Mammuts winterhart

Kalte Winter? Für Wollhaarmammuts kein Problem: Dank einer Genveränderung waren die aus Afrika stammenden Tiere gut an kalte Winter im hohen Norden angepasst. Ihre Blutkörperchen konnten so auch bei tiefen Temperaturen leicht Sauerstoff an die Zellen abgeben.

Mammut-Nachbildung (Archivbild): Sauerstoff bis in die Extremitäten
DPA

Mammut-Nachbildung (Archivbild): Sauerstoff bis in die Extremitäten


London - Die Vorfahren der Mammuts lebten einst nur in den tropischen Regionen Afrikas. Vor 1,2 bis 2 Millionen Jahren wanderten einige Tiere Richtung Norden und fanden in den hohen Breiten Eurasiens und Nordamerikas ihren neuen Lebensraum. Im Lauf ihrer Evolution zum Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius) wappneten sie sich gegen die Kälte nicht nur mit zottigem, wärmeisolierendem Fell und kleinen Schwänzen und Ohren.

Kevin Campbell und seine Kollegen von der University of Manitoba in Winnipeg haben nun herausgefunden, dass sich auch der Sauerstofftransport im Blut als Anpassung an die tiefen Temperaturen änderte. Die Forscher hatten die DNA eines vor 43.000 Jahren lebenden Wollmammuts analysiert und mit dem Erbgut von heutigen Elefanten verglichen.

Sie stellten beim Mammut Veränderungen an den Genen fest, die für die Codierung der Produktion von Hämoglobin zuständig sind. Dieser Proteinkomplex setzt sich aus vier Bausteinen zusammen, die aus Ketten von Aminosäuren bestehen. Im Vergleich mit den Genen von modernen Elefanten waren die Mammutgene mutiert, so dass bei der Hämoglobin-Herstellung plötzlich andere Aminosäuren in den Bausteinen entstanden, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Genetics".

Die kleine Veränderung hatte starke Auswirkungen: Die speziellen Aminosäuren sorgten für eine schwache Bindung des Sauerstoffs an das Transportprotein - auch bei niedrigen Temperaturen. Im Gegensatz dazu nimmt bei Elefanten und den meisten Wirbeltieren die Bindung zwischen dem Hämoglobin und dem Sauerstoff bei Kälte stark zu: Dies erschwert die Sauerstoffabgabe an die Zellen speziell in den kälteempfindlichen Extremitäten. Durch die Mutation mussten die Wollhaarmammuts ihr Blut weniger stark auf Temperatur halten, um das Gewebe mit Sauerstoff zu versorgen - im rauen Klima der eisigen Tundren ein entscheidender Vorteil.

Bis zum Massensterben vieler großer Säugetierarten am Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 bis 12.000 Jahren waren Mammuts fast weltweit verbreitet. Die letzten Mammuts lebten noch vor 3700 Jahren isoliert auf der westsibirischen Wrangel-Insel.

hda/ddp



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