Europa: Schmetterlingsbestände im Sinkflug

Schmetterlingsschwund in Europa: Armer Falter Fotos
Chris van Swaay/ Dutch Butterfly Conservation

In 20 Jahren sind die Bestände der Wiesen-Schmetterlinge in Europa um fast 50 Prozent zurückgegangen, berichtet die Europäische Umweltagentur. Das deutet auch auf den Rückgang vieler anderer Insektenarten hin.

Inmitten landwirtschaftlicher Monokulturen haben sie es schwer. Und auch auf lange brachliegendem Land finden sie sich selten: Typische Wiesen-Schmetterlinge werden immer seltener. Innerhalb von 20 Jahren ist in Europa fast die Hälfte dieser Falter verschwunden. Das berichtet die Europäische Umweltagentur (EUA), die die Bestände der Insekten seit Jahrzehnten beobachtet.

Schmetterlinge seien wichtige Indikatoren "für die Biodiversität und die allgemeine Gesundheit des Ökosystems", teilt die EUA in einem jetzt veröffentlichten Bericht mit. Dieser fasst Daten von 1990 bis 2011 zusammen. Um die Bestände einzuschätzen, beobachten Menschen in 19 teilnehmenden Staaten die Entwicklung von 17 Schmetterlingsarten.

  • Seit 1990 gingen demnach die Bestände von acht Arten zurück, darunter der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus).
  • Zwei Arten blieben stabil; dazu zählte der Aurorafalter (Anthocharis cardamines).
  • Eine Art, der Rote Würfel-Dickkopffalter (Spialia sertorius), konnte sich sogar ausbreiten.
  • Für sechs Arten war die weitere Entwicklung "unsicher", darunter für den Mattscheckigen Braun-Dickkopffalter (Thymelicus acteon).

Die intensive Landwirtschaft gilt als eine wichtige Ursache für den Rückgang bei den Wiesen-Schmetterlingsarten. Aber auch die Aufgabe von Feldern in gebirgigen Regionen vor allem in Süd- und Westeuropa ist ein Grund, denn dort wandeln sich Wiesen nach und nach zu Gestrüppflächen oder Wäldern - und diese bieten den Wiesen-Schmetterlingen keine Heimat. In einigen Regionen in Nordwesteuropa bleiben den Faltern so nur noch die Grasflächen an den Straßenrändern, an Bahnstrecken oder in den Städten, schreibt die EUA. Die Behörde betont zudem, dass die Bedingungen für Falter sich schon deutlich vor 1990 zunehmend verschlechtert hätten.

"Wir müssen die Bedeutung dieser Schmetterlinge und anderer Insekten anerkennen", sagt EUA-Chef Hans Bruyninckx. "Die Bestäubung, die sie leisten, ist entscheidend für das natürliche Ökosysteme und die Landwirtschaft." Wenn es nicht gelänge, deren Lebensräume zu erhalten, könnten viele dieser Arten für immer verloren sein, warnt er.

Die EUA ist zwar eine EU-Behörde, an dem Projekt sind aber nicht nur EU-Staaten beteiligt. Auch die Schweiz steuerte Daten bei. Ebenso sind Informationen aus dem Westen der Ukraine sowie einer Region in Westrussland in den Bericht eingeflossen.

wbr/AFP

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1. Erst die Bienen, nun die Schmetterlinge
Jasro 23.07.2013
Zitat von sysopIn 20 Jahren sind die Bestände der Wiesen-Schmetterlinge in Europa um fast 50 Prozent zurückgegangen, berichtet die Europäische Umweltagentur. Das deutet auch auf den Rückgang vieler anderer Insektenarten hin. Bestände von Wiesen-Schmetterlingen schwinden europaweit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bestaende-von-wiesen-schmetterlingen-schwinden-europaweit-a-912617.html)
Wenn sowohl Bienen als auch Schmetterlinge in ihren Beständen immer weiter zurückgehen und somit als Bestäuber von Blüten ausfallen, und die davon betroffenen Pflanzen sich somit auch nicht mehr fortpflanzen können, dann könnte das eine fatale ökologische Kettenreaktion auslösen.
2. Schmetterlinge brauchen Wiesen
kritischergeist 23.07.2013
Kein Wunder wenn wir überall wo noch eine Freifläche ist Raps für Biosprit und Mais für Biogas und Strom anbauen. Schäfer bekommen kein bezahlbares Weideland mehr verpachtet und Schmetterlingen fehlt die Nahrung. Bedanken können wir uns bei Frau Künast von den Grünen die all diesen Schwachsinn während der rot-grünen Koalition losgetreten hat. Stellt man sie heute zur Rede was sie angerichtet haben, hört man nur die Antwort: Wir haben es ja gut gemeint.
3. Katastrophal!
der-denker 23.07.2013
Seit 20 Jahren gibt es überhaupt erst so etwas wie ein nennenswertes Umweltbewusstsein bei Politik und Bevölkerung. Trotzdem - eine Halbierung der Bestände in dieser Zeit! Die Gleichgültigkeit und Konsequenzlosigkeit mit der solche Meldungen aufgenommen werden lässt Schlimmes ahnen. Die Städter haben ohnehin zur Natur kaum eine Beziehung, und die Landbevölkerung ist es ja selbst, die mit Monokultur, Pestiziden und Flurbereinigung den Schaden anrichtet. Ob A. Merkel das Artensterben zur Chefsache macht? Haha, das war natürlich Ironie...
4. Traurig
phboerker 23.07.2013
Ich kann meinen Kindern schon jetzt im Garten lediglich ein paar Pfauenaugen, Weißlinge und Zitronenfalter zeigen. Ein Admiral ist da schon eine kleine Sensation. Meine Enkel werden dann vermutlich gar keine Schmetterlinge mehr kennenlernen.
5. Intensive Bewirtschaftung
bluebill 23.07.2013
sämtlicher Flächen inklusive Wiesen lässt eben kaum noch Lebensraum übrig. Wiesen werden durch (Über)Düngung zu effizientem Anbau von Viehfutter genutzt, Folge sind Gras-Monokulturen ohne Artenvielfalt. Die Agrarindustrie duldet eben nur, was sich auch verkaufen lässt. Und schneidet sich damit den Ast ab, auf dem sie sitzt. Wie soll den irgendetwas angebaut werden, wenn es keine bestäubenden Insekten mehr gibt? Die kann man nicht einfach in Massen "erzeugen".
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