Fotos aus dem Bialowieza-Nationalpark Ich glaub, ich steh im Urwald

Der Bialowieza-Nationalpark in Polen und Weißrussland gehört zu den letzten Urwäldern Europas. Nun will Polens Regierung vermehrt Bäume abholzen - angeblich, um den Wald vor Schädlingen zu schützen.


Er bietet einen der letzten Lebensräume für den Europäischen Bison - auch als Wisent bekannt. Zudem leben hier Wildschweine, Biber, Luchse und eine Vielzahl von Insekten und Vögeln. Der Bialowieza-Wald gehört zu den ursprünglichsten Regionen in Europa und zum Weltnaturerbe der Unesco. Doch Naturschützer sorgen sich um den Wald - aus mehreren Gründen.

Auf den insgesamt 1500 Quadratkilometern in Polen und Weißrussland machen sich vermehrt Borkenkäfer an den alten Fichten zu schaffen. Die polnische Regierung will mehr Bäume fällen, um den Käfer zu bekämpfen. Ursprünglich sollten im Zeitraum zwischen 2012 und 2021 etwa 63.000 Kubikmeter weichen - dieses Volumen ist aber bereits jetzt fast erreicht. Deshalb plant die Regierung nun mit 188.000 Kubikmetern Holz bis 2021.

Umweltschützer halten das für falsch. Sie fürchten, dass die Regierung den Käfer nur als Vorwand nimmt, um mehr Holz verkaufen zu können. Sieben Organisationen, darunter Greenpeace und der WWF, haben bei der EU-Kommission Beschwerde eingereicht.

Auch manche Wissenschaftler argumentieren, der 8000 Jahre alte Wald habe zwei Weltkriege und diverse Angriffe von Borkenkäfern ohne menschliche Hilfe überstanden. "Selbst wenn die Bäume in einigen Regionen des Waldes absterben, wachsen nach einigen Jahre neue - manchmal nach zehn, manchmal nach 20 Jahren", sagt Rafal Kowalczyk von der polnischen Akademie der Wissenschaften.

Ein Drittel der Waldfläche, gut 600 Quadratkilometer, liegt auf polnischem Staatsgebiet. Etwa ein Sechstel davon sind als Nationalpark geschützt. Dort dürfen ohnehin keine Bäume gefällt werden. Der Rest wird von Förstern der Nationalen Fortverwaltung bewirtschaftet.

In einigen Regionen unterstützen Anwohner die Bedenken der Umweltschützer. Andernorts gibt es Kritik an der Kritik. Die Umweltorganisationen setzten die Existenz des Waldes aufs Spiel und damit auch die Einkommensgrundlage der Menschen in der Region, die teils vom Tourismus leben.

"Das Problem ist, dass der Borkenkäfer bereits vor einiger Zeit ausgebrochen ist und sich die Lage immer weiter verschlimmert hat", sagt Anna Malinowska von der Nationalen Forstverwaltung. Die einzige Möglichkeit, das Problem zu lösen, sei es, befallene Bäume abzuholzen. Das sei bislang nicht geschehen, weshalb sich der Käfer immer weiter ausgebreitet habe. Die Unesco will die Lage vor Ort in den kommenden Tagen begutachten.

jme/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.