Bienenschutz: Greenpeace-Report entfacht Debatte über Pestizide

Honigbiene bei der Arbeit: Sorge um das nützliche Insekt Zur Großansicht
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Honigbiene bei der Arbeit: Sorge um das nützliche Insekt

Greenpeace untermauert mit einem Bericht seine Position, dass mehrere Pestizide zum Schutz der Bienen verboten werden sollen. Von Seiten der Industrie wird der Report angegriffen - es handle sich um eine pseudowissenschaftliche Kampagne.

Im Streit um einen besseren Bienenschutz hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace erneut ein Verbot mehrerer Pestizide gefordert. Konkret gehe es um sieben Pflanzenschutzmittel, darunter drei sogenannte Neonicotinoide.

Neonicotinoide stehen auf europäischer Ebene seit längerem als eine mutmaßliche Ursache für den Tod zahlreicher Bienenvölker in der Kritik. Auch die EU-Kommission stuft ihre Anwendung zum Teil als riskant ein. Die Hersteller sehen das anders.

"Die Interessen der Chemieindustrie dürfen nicht länger Vorrang vor dem Schutz von Bienen und der Landwirtschaft haben", sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann. Bienen seien enorm wichtig für die Bestäubung von Nutzpflanzen, es drohten große Produktivitätsrückgänge. Greenpeace hat den Report "Bye Bye Biene?" veröffentlicht, in dem Ergebnisse anderer Studien zusammengefasst werden.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit warnte im Januar insbesondere vor Risiken durch Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Für eine abschließende Beurteilung des Risikos fehlten jedoch Informationen.

Die EU-Kommission hatte sich vor kurzem für ein befristetes Anwendungsverbot dieser drei Neonicotinoide bei für Bienen beliebten Nutzpflanzen wie Mais und Sonnenblumen ausgesprochen, um die Auswirkungen zu überprüfen. Die EU-Mitgliedstaaten hatten dies zunächst verhindert, auch Deutschland enthielt sich bei der Abstimmung der Stimme. Hierzulande gelten allerdings bereits Regeln, die den Einsatz der umstrittenen Pflanzenschutzmittel einschränken.

Nach Angaben von Greenpeace überlebten in den vergangenen Jahren europaweit durchschnittlich 20 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht. In Deutschland seien es teilweise sogar 30 Prozent. Umweltschützern zufolge führen Pestizide bei den Bienen zu Missbildungen oder stören den Orientierungssinn der Tiere.

Krankheitserreger und Futtermangel

Neonicotinoid-Hersteller wie Bayer CropScience, BASF und Syngenta verweisen dagegen vor allem auf allgemein schlechte Umweltbedingungen sowie natürliche Krankheitserreger als Ursachen für den schlechten Bienen-Zustand. Der Industrieverband Agrar e.V. bezeichnete den Greenpeace-Report als pseudowissenschaftliche Kampagne. Das helfe weder Bienen noch Bauern.

Die unter anderem vom Landwirtschaftsministerium unterstützte Langzeitstudie "Deutsches Bienenmonitoring" ergab, dass vor allem sogenannte Varroamilben den Bienen zusetzen. Auch Viren schwächen demnach die Insekten. Die Forscher von sieben deutschen Forschungsinstituten konnten keinen Zusammenhang zwischen Pestiziden und dem Bienensterben nachweisen. In den Jahren 2007 bis 2010 wiesen die Forscher in mehr als 400 gesammelten Proben von sogenanntem Bienenbrot nur in drei Fällen Spuren von Neonicotinoiden nach. Nach Angaben des Projektes lagen die Verluste im Winter 2011/2012 bei rund 13 Prozent. Umweltschützer kritisieren, dass die Langzeitstudie mit Unterstützung der Agrarindustrie durchgeführt wurde.

Bayer und Syngenta kündigten vor wenigen Tagen einen eigenen Aktionsplan zum Bienenschutz an. Nach eigenen Angaben wollen die beiden Agrarchemie-Riesen unter anderem in die Erforschung von Bienen-Krankheiten investieren und die Schaffung von "Bienenweiden" fördern, auf denen die Insekten mehr Nahrung finden.

Ein von Schweizer Forschern gestartetes Projekt zu solchen Grünflächen, die den Nahrungsmangel der Insekten in Frühsommer beheben sollen, zeigt erste vielversprechende Ergebnisse.

wbr/AFP/dpa

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1. Die Grüne haben kein Herz für Monsanto
sltgroove 09.04.2013
Schrecklich !
2.
weckbee 09.04.2013
Und immer wieder wird das Deutsche Bienenmonitoring (DeBiMo) als Grundlage angeführt, dass die Behauptungen ja nicht stimmen können. Nur wurde im DeBiMo der Bereich Pestizide völlig ausgeklammert, deren Schädlichkeit gar nicht umfassend berücksichtigt! Dies ist die übliche Augenwischerei, mit der die Industrie versucht, uns Sand in die Augen zu streuen! Der Deutsche Berufsimkerbund DBIB weist schon seit langem darauf hin, dass das DeBiMo völlig ungeeignet ist, solche Aussagen zu treffen. Vor allem in der Politik kommt das scheinbar nicht an...oder will man da keine Büchse der Pandora öffnen??
3. Bestäubung
phboerker 09.04.2013
Naja, wenn die Mittelchen dann doch am Bienensterben schuld sind, dann können die Bauern ihre Pflanzen ja mit dem Pinselchen bestäuben. Fällt die Ernte halt etwas knapper aus...
4. optional
hergebuyther 09.04.2013
Reflexartig beim Lesen der Überschrift habe im geheulten Ton der Industrie das Wort "Arbeitsplätze" vernommen
5. Und wenn Greenpeace unrecht hätte,...
cruxxx 09.04.2013
würden sie das auch nicht eingestehen...
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