Neonikotinoide Gut für Bienen - EU verbietet drei Pflanzenschutzmittel

Sie lähmen oder töten Bienen: Das Europaparlament hat Landwirten die Nutzung von drei umstrittenen Insektiziden untersagt. Die sogenannten Neonikotinoide dürfen nur noch in Gewächshäusern angewendet werden.

Biene auf Blüte
imago/ Photocase

Biene auf Blüte


Die EU-Staaten haben einem Freilandverbot für drei bienenschädliche Insektengifte zugestimmt. In dem zuständigen EU-Ausschuss in Brüssel sprach sich eine Mehrheit der 28 Mitgliedstaaten für den Vorschlag der Kommission aus, den Einsatz von sogenannten Neonikotinoiden auf Äckern zu verbieten und auf Gewächshäuser zu beschränken.

Das teilte die EU-Kommission mit. "Die Gesundheit der Bienen bleibt für mich von größter Bedeutung, weil sie Artenvielfalt, Lebensmittelproduktion und Umwelt betrifft", sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis laut Mitteilung. Auch Deutschland stimmte für das weitgehende Verbot. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte: "Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa."

Animation: Wie kommt das Bienensterben zustande?

explain it

Bei der Abstimmung ging es um die drei Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Die Mittel schützen Pflanzen vor Schädlingen, können aber auch Bienen beeinträchtigen oder töten. Bereits 2013 hatte die EU für sie strengere Regeln erlassen, weil die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) die Substanzen als gefährlich für Bienen eingestuft hatte.

Bisher nutzten Landwirte solche Mittel, um ihr Saatgut vor Insekten zu schützen. Sie werden etwa gegen Schildläuse oder Kirschfruchtfliegen eingesetzt. Die Stoffe können aber auch auf Blätter gesprüht oder über Bewässerung in die Pflanzen gebracht werden. Seit 2013 dürfen Landwirte die drei Stoffe im Freiland nicht mehr bei von Bienen bevorzugten Pflanzen wie Mais, Raps, Sonnenblumen sowie beim Anbau von Kirschen, Äpfeln oder Gurken anwenden. Getreide wie Weizen oder Gerste, das zwischen Januar und Juni ausgesät wird, durfte aber immer noch damit behandelt werden.

Die drei Substanzen schädigen das zentrale Nervensystem von Insekten - gelangen sie in den Körper der Tiere, kommt es zu Krämpfen und zum Tod. Doch auch Wild- und Honigbienen können verenden, wenn sie mit größeren Mengen in Kontakt kommen. Studien zufolge schränken Neonikotinoide die Orientierungsfähigkeit der Tiere ein.

Die Efsa hatte die drei Neonikotinoide mehrfach in den Fokus genommen. Anfang April bestätigte sie in einem neuen Bericht die Gefahren für Bienen und Hummeln: "Die Mehrzahl der Anwendungen von Neonikotinoid-haltigen Pestiziden stellt ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar.

joe/AFP/dpa

insgesamt 76 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marialeidenberg 27.04.2018
1. Sollte es tatsächlich möglich sein,
dass Vernunft die Gier der Lobby besiegt hat? Ich wage es kaum zu glauben. Und jetzt 'ran an das Glyphosat, Frau Klöckner. Aber da hat sie schon 'rumgeeiert. Ist auch nicht einfach, wenn man zumindest mittelbar zur Lobby von Pharma und Bauernverband gehört. Und - nicht zu vergessen - Bayer (+ Monsanto) ist ein wehrhaftes Wild; da kann manch ein Jagdunfall geschehen.
ziehenimbein 27.04.2018
2. Bitte mehr Infos!
Ab wann gilt das Verbot denn? Oft gibt es ja jahrelange Übergangsfristen, von daher halte ich die Frage für wesentlich. Gilt es nur für Spritzmittel oder auch für die Behandlung von Saatgut? Wie ist es mit genmanipulierten Pflanzen, die diese Gifte womöglich selber produzieren? Weiß jemand mehr dazu?
Europa! 27.04.2018
3. Endlich!
Die EU hat (nicht zuletzt aus Rücksicht auf die deutschen und amerikanischen Chemiekonzerne) viel zu lange gezögert. Die neue Landwirtschaftsministerin setzt leider den umweltfeindlichen Kurs ihres Vorgängers fort. Das darf die Öffentlichkeit ihr nicht durchgehen lassen!
chrimirk 27.04.2018
4. Gut so!
EU: bitte weiter machen. Da habt Ihr noch viel zu tun! Es wird schon.
Alternator 27.04.2018
5. Nicht genug.
Es ist ein riesiger Fortschritt, dass dieses Gift nicht mehr in der Landschaft verteilt werden darf, aber mir eigentlich nicht genug. Dieses Zeug sollte nicht mehr verwendet werden dürfen, egal wo. Schlussendlich verirren Bienen sich auch in Gewächshäuser, und bestäuben dort Blüten. Dieses Mistzeug kann auch dort noch Schaden anrichten. Trotzdem: Ein guter Tag für uns und unsere Umwelt in Europa. Ob Berlin allein sich so gegen Lobbies durchgesetzt hätte? Jedenfalls geht heute mal ein Dankeschön an Frau Klöckner.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.