Massentod: Milbe verbreitet tödliches Virus unter Bienen

Das massive Sterben unter Bienen hat Forscher jahrelang vor Rätsel gestellt - bis eine Milbe als Hauptschuldige identifiziert wurde. Eine neue Studie zeigt jetzt, wie schnell der zerstörerische Parasit ein tödliches Virus unter Bienen verbreitet.

Biene mit Varroa-Milbe: Auch in Deutschland schwere Schäden Zur Großansicht
AP/ Agriculture Research Service/ USDA/ S. Bauer

Biene mit Varroa-Milbe: Auch in Deutschland schwere Schäden

Hamburg - Bienen stehen seit Jahren unter Druck, und das weltweit: Gigantische Mengen der Insekten sind verendet, die Vereinten Nationen erklärten das Bienensterben gar zum globalen Problem. Vergangenes Jahr haben Forscher die Varroa-Milbe als Hauptursache identifiziert - und eine neue Untersuchung bringt nun weitere Details über den Parasiten. Die Milbe mit dem wissenschaftlichen Namen Varroa destructor trägt demnach wesentlich dazu bei, dass sich besonders gefährliche Viren-Varianten in Bienen verbreiten und viele Völker schnell auslöschen.

Stephen Martin von der University of Sheffield und seine Kollegen hatten den Ausbruch des Bienensterbens auf dem Archipel von Hawaii untersucht. Die Varroa-Milbe war erst vor kurzem dort angekommen und hatte begonnen, das Flügeldeformationsvirus (deformed wing virus, DWV) zu übertragen. Es führt dazu, dass Puppen verstümmelte Flügel haben und junge Bienen früh sterben. Mitunter geht schon die Brut ein. Erwachsene Bienen können als Reservoir für das Virus dienen, im schlimmsten Fall bricht das Volk binnen Tagen zusammen.

Wie Martin und seine Kollegen im Fachblatt "Science" schreiben, blieben die Bienen bis August 2007 auf Hawaii - einer Inselgruppe 3500 Kilometer entfernt vom nordamerikanischen Kontinent im Pazifik - frei von der Varroa-Milbe. Erst dann sei sie auch dorthin gelangt und habe sich verbreitet. Das bot die einmalige, wenngleich unschöne Möglichkeit, die Evolution der Virenstämme und die Ausbreitung der Milben zu beobachten.

Die Viren können Bienen auch von sich aus infizieren, aber die Milben beschleunigen ihre Verbreitung. In Arealen ohne die Milbe wurden die Viren in sechs bis 13 Prozent der Völker entdeckt. Sobald sich Varroa etabliert hatte, stiegen die Zahlen auf 75 bis 100 Prozent. Damit einher ging eine dramatische Zunahmen der Viren pro Biene: 1000 Viren in Gebieten ohne Milben, eine Milliarde Viren in Regionen mit den Schädlingen. Das ursprünglich seltene DWV-Virus sei durch die Verbindung mit der Milbe zu einem weitverbreiteten Erreger geworden, erklären die Forscher.

In Deutschland verursacht der Erreger bereits schwere Schäden: Er hat nach Meinung von Experten dazu beigetragen, dass bis zu einem Drittel der Honigbienen den vergangenen Winter nicht überlebt hat. Das wären rund 300.000 der etwa eine Million Bienenvölker im Land, teilte Ende März das Institut für Bienenkunde in Celle mit. Zuvor waren bereits Insektizide, Pestizide und eine parasitäre Fliege als Verursacher des Bienensterbens vermutet worden.

mbe/dpa

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