Schutz vorm Bienensterben Pflanzenbüffet soll Bienen fitter machen

Um das Bienensterben einzudämmen, testen Schweizer Forscher spezielle Pflanzenmischungen. Diese sollen Insekten im kargen Frühsommer gut ernähren - so können sich die Tiere besser gegen Krankheiten wehren. Erste Ergebnisse des Feldversuchs sind vielversprechend.

Biene: Zwischen Mai und Juli wird das Nahrungsangebot für die Insekten häufig knapp
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Biene: Zwischen Mai und Juli wird das Nahrungsangebot für die Insekten häufig knapp


Schweizer Forscher wollen dem Bienensterben mit einem einfachen und natürlichen Rezept entgegenwirken. Sie haben für die Zeit zwischen Mitte Mai und Ende Juli spezielle Saatgutmischungen für sogenannte Bienenweiden entwickelt. Die Pflanzenvielfalt soll Honig- und Wildbienen mehr Nahrung bieten - und sie damit fitter für den Überlebenskampf machen. Nach zwei Versuchsjahren melden die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Bern nun erste Ergebnisse.

Nach Meinung der Schweizer Forscher ist es vor allem Nahrungsmangel, der Bienen im Sommer für Krankheiten und Parasiten anfällig macht. Zu den Parasiten zählt die Varroamilbe. Aber auch Sauerbrut, eine für Bienen sehr ansteckende bakterielle Erkrankung ihrer Brut, sowie Viren setzen dem kleinen Nutztier zu.

Weltweit sollen bereits mehr als 30 Prozent der Honigbienen weggestorben sein - auch durch die Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion und durch Zersiedelung.

Als problematisch gelten zudem bestimmte Pestizide. Wurden sie vorschriftsmäßig angewendet, konnten die Schweizer Wissenschaftler zwar keinen Zusammenhang mit einem Bienensterben nachweisen. Ausschließen wollten sie diesen möglichen Negativeffekt aber nicht.

Futterlücke im Frühsommer

Vielfach sei es eine Kombination all dieser Faktoren, die ein Bienenvolk dauerhaft schwäche und schließlich zu seinem Absterben führe, vermutet der Schweizer Projektleiter Hans Ramseier. Da sich manche dieser Faktoren nicht direkt beeinflussen lassen, wollten die Wissenschaftler zumindest das Nahrungsangebot für Bienen optimieren. Die Futtersuche ist für die Insekten zwischen Mitte Mai und Ende Juli besonders mühsam.

Raps, Löwenzahn und Obstbäume sind bereits verblüht, aber der Wald bietet Bienen noch wenig Nahrung. Diese Futterlücke scheint einen wichtigen Einfluss auf die Gesundheit der Insekten zu haben, folgern die Berner Forscher. Denn zu dieser Jahreszeit befänden sich die Bienenvölker noch im Aufbau.

Um die Futterlücke zu schließen, haben die Wissenschaftler gemeinsam mit Partnern spezielle Saatmischungen für Bienenweiden entwickelt. Darin enthalten sind zum Beispiel Buchweizen, Phacelia, Kornblumen, Perser- und Alexandrinerklee, Klatschmohn sowie verschiedene Kleesorten.

Mit den getesteten Saatmischungen konnten die Forscher in den ersten beiden Versuchsjahren den Menüplan für Bienen zeitlich so ausdehnen, dass die Insekten von Anfang Juni bis Ende Juli reichlich Nahrung fanden. In den Versuchsanlagen wurden fünfmal mehr Honigbienen und zwei- bis dreimal mehr Wildbienen gezählt als in Buntbrachen. Das sind ökologische Ausgleichsflächen, zum Beispiel mit Wildkräutern.

Nur die Nahrungslücke Mitte Mai und Anfang Juni konnten die Forscher meist nicht schließen. Eine so kurze Zeit falle für die Bienen aber viel weniger ins Gewicht, sagt Ramseier. Der Versuch läuft noch weitere zwei Jahre. Die ersten Ergebnisse stufen die Wissenschaftler aber schon als sehr vielversprechend ein.

wbr/dpa

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