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Bilanz der 2000er Jahre Wie das Wetter zum Klima wurde

Die 2000er: Prima Klima
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2. Teil: "Ich habe aber nicht den Eindruck, dass wir im Geld schwimmen"

Die Klimaforschung boomt. Genaue Zahlen zu geförderten Projekten seien zwar schwer zu beschaffen, heißt es etwa bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft - doch der Trend gehe nach oben. "Die globale Erwärmung setzt die Agenda", sagen auch Wissenschaftsmanager wie Christin Kritoffersen, der im Universitätszentrum Unis auf der norwegischen Arktisinsel Spitzbergen arbeitet. Dorthin kommen immer mehr Forscher, um die Folgen des Klimawandels im hohen Norden zu untersuchen.

"Die Forschergemeinde in unserem Bereich ist größer geworden", sagt Peter Lemke vom Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Lemke ist Leiter des Fachbereichs Klimawissenschaften, und er ist ein wichtiger Autor des zuletzt erschienenen IPCC-Berichts. Seine Disziplin gehe immer mehr dazu über, das System Erde als Ganzes zu betrachten - deswegen würden mittlerweile Biogeochemiker in Projekten mitarbeiten. Trotzdem, fügt Lemke hinzu, sei es keine Garantie für Förderung, wenn Forscher auf Projektenanträgen das Schlagwort Klimaforschung vermerken: "Ich habe nicht den Eindruck, dass wir im Geld schwimmen."

Konzerne für den Klimaschutz

Das Thema Klima ist für viele Bereiche der Gesellschaft wichtiger geworden. Die Wirtschaft hat die Umwelttechnik als Boombranche entdeckt. 2008 exportierten deutsche Unternehmen Technologien zur umweltfreundlichen Stromerzeugung im Wert von zwölf Milliarden Euro. 2020 hofft die Branche auf einen Exportumsatz von 80 Milliarden Euro - und darauf, dass dann eine halbe Millionen Menschen in Deutschland in diesem Sektor arbeiten werden.

Auf nationaler Ebene wirbt mittlerweile der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) für ambitionierte Klimaschutzziele. Und die Chefs von mehr als 500 globalen Konzernen, darunter Allianz, BASF und Siemens, legten eine Erklärung vor, in der sie "ein ehrgeiziges, stabiles und faires Abkommen über den Klimawandel" forderten. Ziel sei eine "glaubwürdige Antwort" auf "das Ausmaß und die Dringlichkeit der Krisen, die diese Welt heute erschüttern". Kaum ein großes Unternehmen mag es sich noch leisten, ohne Corporate-Social-Responsibility-Manager zu agieren, also einen Wächter darüber, dass sich die Firma sozial verantwortlich und nachhaltig verhält.

Und bei den Bürgern? Ist das Thema durchaus auch angekommen. In Befragungen im Auftrag der Europäischen Kommission nennen 74 Prozent der Deutschen den Klimawandel ein "sehr ernstes Problem". Auf europäischer Ebene liegen die Zahlen sogar noch leicht höher. Befragungen im Auftrag der Deutschen Energieagentur belegen zum Beispiel, dass es 2003 im Schnitt 6,1 Energiesparlampen pro deutschem Haushalt gab - und im vergangenen Jahr schon 7,9. Verbraucher geben an, sich zum Beispiel beim Kauf eines neuen Kühlschranks deutlich mehr für dessen Energieeffizienzklasse zu interessieren und weniger für den Preis.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite boomten in den vergangenen zehn Jahren zum Beispiel die Billigflieger. Sie trieben die Kohlendioxidemissionen des privaten Flugverkehrs massiv in die Höhe - der aktuelle Überblick des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen listet nicht weniger als 19 Billigflieger in Deutschland. Laut dem Bericht war 2009 das Jahr mit dem bisher größten Angebot an Low-Cost-Strecken.

Klimaschutz als Hobby der besser Begüterten

Ist Klimaschutz für viele Bürger nur ein Lippenbekenntis? Hört die Begeisterung für die Umwelt auf, wenn es ernst wird - und wenn's ins Geld geht? Auch das sind Fragen der Nullerjahre. Fest steht, dass Klimaschutz immer eher ein Hobby für Besserverdiener war. Wer zum Beispiel Ökostrom beziehen wollte, musste merkliche Mehrkosten übernehmen. Und übernehmen können.

Das vergangene Jahrzehnt hat den Aufstieg einer ganz besonderen Konsumentengruppe erlebt - der sogenannten Lohas. Das Akronym steht für Lifestyle of Health and Sustainability, also einem Lebensstil, der mit Gesundheit und Nachhaltigkeit einhergeht. Umweltschutz soll nicht mehr Selbstkasteiung bedeuten, sondern sich angenehm anfühlen, so beschreiben Wissenschaftler die Grundhaltung - die inzwischen auch die Politik erreicht. Der neue deutsche Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) zum Beispiel will "besonders betonen, dass der Schutz der Umwelt nicht Verzicht oder einen Opfergang bedeuten, sondern mehr Lebensqualität bringt und unseren Wohlstand sichert".

Inzwischen können umweltbewusste Verbraucher ihre Umweltsünden sogar durch Geldspenden an Klimaschutzprojekte neutralisieren. Zumindest suggerieren das spezielle Dienstleister wie die 2005 gegründete Firma Atmosfair, die aus einem Forschungsprojekt des Bundesumweltministeriums hervorging. Auch Fluggesellschaften bieten den CO2-Ausgleich direkt bei der Buchung an - allerdings manchmal zu zweifelhaften Konditionen. Bei Atmosfair werden für einen ein Hin- und Rückflug Berlin-London 23 Euro berechnet. Beim Billigflieger Easyjet ist es nur gut ein Zehntel: Wegen anderer Berechnungsmethoden wird Klimaschutz da scheinbar zum Schnäppchen.

Den modernen CO2-Ablasshandel hat der Komiker Rainald Grebe schon vor rund einem Jahr ironisch kommentiert, als er in das Leipziger Centraltheater zur Klimarevue "Alle reden übers Wetter" einlud. Am Einlass konnte damals jeder Besucher Klimazertifikate kaufen, um den Energieverbrauch des Abends auszugleichen. Mit dem Geld sollten in Panama Bäume gepflanzt werden.

Der Preis für das gute Gewissen: 18 Cent pro Person.

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insgesamt 7408 Beiträge
AndyH 18.06.2009
Die haben doch keine Ahnung ob und wie warm wird auch nur in 5 Tagen. Die Klimamodelle als Komputerspiele sind zudem gänzlich untauglich.
Die haben doch keine Ahnung ob und wie warm wird auch nur in 5 Tagen. Die Klimamodelle als Komputerspiele sind zudem gänzlich untauglich.
chagall1985 18.06.2009
Wenn es eh keine Rolle mehr spielt, kann Ich ja meinen SUV bestellen und weiter Chinascheiss kaufen. Dann kann man wenigstens die letzten Jahre noch geniessen. Ich habe echt das Gefühl, diese Statistiker sind im [...]
Wenn es eh keine Rolle mehr spielt, kann Ich ja meinen SUV bestellen und weiter Chinascheiss kaufen. Dann kann man wenigstens die letzten Jahre noch geniessen. Ich habe echt das Gefühl, diese Statistiker sind im Weltuntergangswettbewerb. Wer die schlechteste Prognose und statistische Interpretationsmöglichkiet findet, der hat gewonnen.
sacco 18.06.2009
schön, dass der neue report von schellnhuber & co nun endlich auch die klimäerwärmende rolle des lachgases berücksichtigt.
schön, dass der neue report von schellnhuber & co nun endlich auch die klimäerwärmende rolle des lachgases berücksichtigt.
AxelSchudak 18.06.2009
>Insofern, mahnen die Autoren, "werden die >Klimaveränderungen, die heutige Generationen >anstoßen, unsere Nachfahren noch lange in >der Zukunft beeinflussen". Zumindest sind sie soweit [...]
>Insofern, mahnen die Autoren, "werden die >Klimaveränderungen, die heutige Generationen >anstoßen, unsere Nachfahren noch lange in >der Zukunft beeinflussen". Zumindest sind sie soweit optimistisch, dass wir noch Nachfahren haben. :-)
purawida 18.06.2009
merken wir eh nix mehr... wir entwickeln uns einfach wieder zum affen zurück und retten uns auf die bäume und schwingen uns von ast zu ast.
merken wir eh nix mehr... wir entwickeln uns einfach wieder zum affen zurück und retten uns auf die bäume und schwingen uns von ast zu ast.
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