Bilanz des Ozeanexperiments Eisendüngung bindet nur wenig CO2

Die künstliche Düngung der Weltmeere mit Eisen kann die Konzentration des Treibhausgases CO2 kaum vermindern. Das hat ein umstrittenes Experiment im Südlichen Ozean ergeben. Die Forscher an Bord der "Polarstern" erlebten bei ihrer Arbeit einige Überraschungen.


Berlin - Wie war um diesen Versuch gestritten worden: Zwei deutsche Minister gerieten sich in die Haare, weil Meeresforscher vom Forschungsschiff "Polarstern" aus sechs Tonnen Eisen auf 300 Quadratkilometern Ozean verteilen wollten. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) unterstützte das Vorhaben mit dem Namen "Lohafex", Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) argumentierte dagegen. Schließlich fand die Düngung doch statt, allerdings nicht mit dem Ergebnis, das sich mancher erhofft hatte. Wie sich bereits in früheren Versuchen angedeutet hatte, wurde bei dem Experiment nur wenig atmosphärisches CO2 gebunden.

Inzwischen hat das Forschungsschiff Punta Arenas in Chile erreicht. Zweieinhalb Monate war die "Polarstern" in den berüchtigten im Südatlantik gekreuzt. Die Forscher beobachteten den 100 Kilometer großen Meereswirbel, in dem sie das Eisen ausgebracht hatten, kontinuierlich über 39 Tage. Zusätzlich untersuchten sie die Chemie des Ozeans, insbesondere den Gehalt von CO2 und weiteren klimarelevanten Gasen.

Zu Beginn verlief das Experiment wie erwartet. Das Eisen regte das Wachstum von Kleinalgen (Phytoplankton) an. Die Algen verdoppelten ihre Biomasse innerhalb von zwei Wochen, indem sie CO2 aus dem Wasser nutzten. "Ruderfußkrebse stoppten ein weiteres Anwachsen der Algenblüte, da sie die Kleinalgen fraßen und dadurch eine größere Blüte verhinderten", sagte Wajih Naqvi, Co-Fahrtleiter vom indischen Council of Scientific and Industrial Research.

Die Algenarten, die für Blüten in küstennahen Gewässern und der Antarktis verantwortlich seien, wurden am stärksten gefressen. Bis zum Ende des Experiments sank wegen des hohen Fraßdrucks nur eine geringe Menge gebundenen Kohlenstoffs zum Meeresboden ab. So wurde während der Lohafex-Blüte weniger CO2 aus der Atmosphäre im Ozean aufgenommen als bei früheren Eisendüngungsexperimenten.

In vorhergehenden Versuchen bestanden die angeregten Blüten hauptsächlich aus Kieselalgen. Diese Diatomeen genannten einzelligen Algen sind durch eine harte Silikatschale vor Feinden geschützt, werden kaum gefressen und sinken nach der Blüte zum Meeresgrund ab. Diatomeen konnten in der Lohafex-Blüte nicht wachsen, da die Kieselsäure, die sie für ihr Wachstum benötigen, im Untersuchungsgebiet durch vorherige natürliche Blüten aufgezehrt worden war.

Die Wissenschaftler schließen aus ihren Beobachtungen, dass das Wachstum anderer Kleinalgen durch Eisendüngung zwar stimuliert werden kann, sie aber keine so großen Blüten bilden können wie Kieselalgen, da ihnen der Fraßschutz fehlt. Deshalb wird ihrer Einschätzung nach eine Düngung der riesigen subantarktischen Zone mit Eisen wahrscheinlich nicht dazu führen, dass bedeutende Mengen CO2 aus der Atmosphäre gebunden werden können. Dafür ist der Gehalt an Kieselsäure im Oberflächenwasser dieses Gebietes zu gering. Als Maßnahme für Geoengineering taugt die Eisendüngung zumindest in der Region nicht.

Eine zweite Düngung zwei Wochen nach Beginn des Experiments hatte keinen weiteren Einfluss auf das Phytoplankton, was darauf hinweist, dass das Ökosystem bereits eisengesättigt war.

hda/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.