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Bilanz für 2009: Arktis-Eis schrumpft auf drittkleinste Fläche seit 1979

Tauwetter im hohen Norden: Das Meereis der Arktis ist in diesem Sommer auf den drittniedrigsten Stand seit Start der Satellitenaufzeichnungen abgeschmolzen. Forscher sind sich sicher, dass eine Erholung ausgeschlossen ist.

Arktisches Eis (am 7. September 2009): "Deutlich geringer als die Rechenmodelle des Weltklimarates prognostizieren" Zur Großansicht
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Arktisches Eis (am 7. September 2009): "Deutlich geringer als die Rechenmodelle des Weltklimarates prognostizieren"

Berlin - Es ist ein beinahe bizarr zu nennendes Spiel. Zu Beginn eines jeden Sommers versuchen Polarforscher weltweit abzuschätzen, ob in dem betreffenden Jahr ein Negativrekord bei der Ausdehnung des arktischen Meereises aufgestellt wird. Ein paar Monate später können sie dann ihre Prognosen überprüfen. Für dieses Jahr stehen die Zahlen nun fest: Auf eine Fläche von 5,1 Millionen Quadratkilometern ist die Eisbedeckung im Arktischen Ozean während der warmen Sommermonate geschrumpft.

Erreicht wurde der Wert am 12. September. Nun wächst die Eisausdehnung langsam wieder. Der Wert dieses Jahres ist die drittniedrigste Fläche seit Start der Satellitenaufzeichnungen im Jahr 1979. Nur die Jahre 2007 (4,1 Millionen Quadratkilometer) und 2008 (4,5 Millionen Quadratkilometer) waren noch schlechter. Von einer Erholung will das National Snow and Ice Data Center in den USA, das die Daten veröffentlichte, folgerichtig nicht sprechen.

Auch Umweltschützer sehen das so: "Die Ausdehnung des arktischen Meereises ist immer noch deutlich geringer, als die Rechenmodelle des Weltklimarates IPCC prognostizieren. Damit setzt sich der seit 30 Jahren bestehende Abwärtstrend fort", sagt etwa die Meeresbiologin Iris Menn von Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation ist diesen Sommer mit einem eigenen Schiff, der "Arctic Sunrise" in der Arktis unterwegs - und versucht von dort öffentlichkeitswirksam für Klimaschutzmaßnahmen zu werben, mit deren Hilfe das ewige Eis doch noch gerettet werden könnte. Für Unternehmer wie Niels Stolberg von der Bremer Reederei Beluga ist das schmelzende Eis indes von Vorteil. Seine Schwergutfrachter konnten in diesem Jahr als erste westliche Schiffe die Nordostpassage vor der sibirischen Küste befahren (siehe auch Fotostrecke links).

Dass in diesem Jahr beim Arktiseis kein neuer Negativrekord aufgestellt wurde, dafür machen die Forscher des NSIDC den vergleichsweise kühlen Sommer im hohen Norden verantwortlich. Vor allem im Bereich der Tschuktschen- und der Beaufortsee sei es frisch gewesen. Außerdem hätten Windformationen das Packeis über eine größere Meeresfläche verteilt.

Rückkehr zu historischen Werten ausgeschlossen

Zwei deutsche Wissenschaftler-Teams, die im Mai erste Angaben für die diesjährige Eisausdehnung geliefert hatten, lagen mit ihren Vorhersagen weitgehend richtig. Eine Gruppe um Lars Kaleschke von der Universität Hamburg prognostizierte mit einem statistischen Vorhersageverfahren eine Fläche von 4,9 Millionen Quadratkilometern - und zwar mit einer geschätzten Unsicherheit von 0,4 Millionen Quadratkilometern. Die Forscher nahmen an, dass es in der Arktis einen langfristigen Trend zu weniger Eis gibt, der sich aktuell beschleunigt - und sehen sich durch die Ergebnisse dieses Sommers bestätigt.

Eine Forschergruppe um Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sagte bei ihrer Prognose im Frühsommer eine mittlere Bedeckung von 4,5 bis 5,5 Millionen Quadratkilometern voraus - mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit. Grundlage der Berechnung waren neben Eisbedeckungsgrad und der - bisher noch schwer zu ermittelnden - Eisdicke am Ende des Winters die Wetterszenarien der letzten Jahrzehnte. Und auch die Bremerhavener sehen sich durch die Realität in ihren Annahmen bestätigt.

Jenseits aller akademischen Diskussionen bedeutet das vor allem eines: Die Eisbedeckung der Arktis nimmt langfristig weiter ab. Die Eisausdehnung am Ende des Sommers liegt nur noch bei etwa 70 Prozent des langfristigen Mittelwertes der Jahre 1979 bis 2000. Dieser beträgt knapp sieben Millionen Quadratkilometer. "Der Anteil mehrjährigen dicken Eises ist inzwischen so weit zurückgegangen, dass die sommerliche arktische Meereisbedeckung sehr viel empfindlicher auf atmosphärische Anomalien reagiert als noch vor zehn oder 20 Jahren", sagt AWI-Forscher Gerdes. Er geht wie viele seiner Kollegen davon aus, dass eine Rückkehr zu einer Ausdehnung von über sieben Millionen Quadratkilometern, wie sie bis Ende der neunziger Jahre regelmäßig auftrat, nicht zu erwarten ist.

chs

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Forum - Was passiert mit Grönlands Eis?
insgesamt 2573 Beiträge
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1.
Rainer Helmbrecht 12.01.2009
Zitat von sysopGrönlands Gletscher sind dynamischer als bisher angenommen. Nach einem neuen Modell können sie nach Zeiten schneller Bewegung auch wieder zur Ruhe kommen. Forscher müssen nun die Frage beantworten, ob der massive Eisverlust der vergangenen Jahre nur eine Episode war. Hoffnung für die Gletscher?
Ich dachte, das ist geklärt. Feinschmecker tun es in ihren Whisky;o). MfG. Rainer
2.
inci 12.01.2009
Zitat von sysopGrönlands Gletscher sind dynamischer als bisher angenommen. Nach einem neuen Modell können sie nach Zeiten schneller Bewegung auch wieder zur Ruhe kommen. Forscher müssen nun die Frage beantworten, ob der massive Eisverlust der vergangenen Jahre nur eine Episode war. Hoffnung für die Gletscher?
sicher. aber nur wenn die forscher herausfinden, daß der mensch und nur des menschen CO2 an der bewegung schuld sind. erst dann gibt es hoffnung für die gletscher!
3. Gletscher Hoffnung
Luc, 12.01.2009
Zitat von incisicher. aber nur wenn die forscher herausfinden, daß der mensch und nur des menschen CO2 an der bewegung schuld sind. erst dann gibt es hoffnung für die gletscher!
Die einzige Hoffnung die wir noch für die Gletscher haben, kann nur darin legen auf das Fahrrad umzusteigen und Energiesparlampen zu kaufen. Wenn ganz Nordhessen so handeln würde, würde in Helsinki bald kein Eisbär mehr alleine mit dem Bus fahren müssen.
4.
günter1934 12.01.2009
Zitat von sysopGrönlands Gletscher sind dynamischer als bisher angenommen. Nach einem neuen Modell können sie nach Zeiten schneller Bewegung auch wieder zur Ruhe kommen. Forscher müssen nun die Frage beantworten, ob der massive Eisverlust der vergangenen Jahre nur eine Episode war. Hoffnung für die Gletscher?
Wahrscheinlich ist die neue Partei daran schuld mit Namen: "Befreit Grönland vom Packeis"! Entschuldigung Günter
5.
Serrax 12.01.2009
Zitat von sysopGrönlands Gletscher sind dynamischer als bisher angenommen. Nach einem neuen Modell können sie nach Zeiten schneller Bewegung auch wieder zur Ruhe kommen. Forscher müssen nun die Frage beantworten, ob der massive Eisverlust der vergangenen Jahre nur eine Episode war. Hoffnung für die Gletscher?
Die Gletscher Grönlands sind seit jeher einer der großen Unsicherheitsfaktoren in den Klimamodellen. Außerdem sind diese Gletscher ohnehin ein Relikt vorausgegangener Eiszeiten. Das bedeutet, sie schmelzen sowieso - die Frage ist nur: Wie schnell?
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