Landwirtschaft Bio kann sich für Bauern lohnen

Wer Biolebensmittel kauft, muss mehr bezahlen. Für die Bauern lohnt sich das Geschäft. Sie verdienen oft mehr als konventionelle Landwirte, zeigt eine Studie - für Deutschland gilt das allerdings nicht.

Biozitronen: Umstellung auf Ökolandwirtschaft kann sich rechnen
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Biozitronen: Umstellung auf Ökolandwirtschaft kann sich rechnen


Ökolandbau kann für Landwirte rentabler sein als konventionelle Landwirtschaft. Trotz geringerer Erträge sind die Gewinnspannen für Biobauern einer weltweiten Übersichtsstudie zufolge größer als bei ihren herkömmlich arbeitenden Kollegen. Entsprechend könne der Ökolandbau wachsen und eine stärkere Rolle für die Welternährung spielen.

David Crowder und John Reganold von der Washington State University in Pullman verglichen 44 Studien, die die finanzielle Entwicklung ökologischer und konventioneller Betriebe ermittelt hatten. Ausgewertet wurden die Erträge beim Anbau von 55 Feldfrüchten in 14 Ländern aus fünf Weltregionen über einen Zeitraum von rund 40 Jahren.

Demnach ist der Gewinn der Biobauern um bis zu 35 Prozent höher als der ihrer konventionell anbauenden Kollegen. Geringere Erträge können sie mit höheren Preisen wettmachen, berichten die Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Weltweit waren Biolebensmittel laut Studie um bis zu 32 Prozent teurer als konventionell angebaute Waren. Genauso profitabel wie konventionelle Betriebe könnten die Biobauern allerdings schon mit einem durchschnittlichen Preisaufschlag von fünf bis sieben Prozent wirtschaften. Lässt man die Preisaufschläge ganz weg, machen sie aber weniger Gewinn.

Ausnahme Deutschland

Ohne Weiteres auf die Situation hierzulande übertragen lassen sich diese Ergebnisse allerdings nicht: Unter den untersuchten Ländern waren die USA, Spanien und Griechenland, aber nicht Deutschland.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums haben konventionelle Betriebe im Wirtschaftsjahr 2013/14 im Schnitt einen Gewinn von 792 Euro pro Hektar Landfläche gemacht. Bei den Ökobetrieben waren es lediglich 651 Euro. "Dabei ist es die wirtschaftliche Seite, die wirklich entscheidet, ob der Ökolandbau wächst oder schrumpft", so Crowder.

Warum sich die Situation in Deutschland offenbar von der in anderen Ländern unterscheidet, ist unklar. Denkbar wäre etwa, dass konventionelle Betriebe hierzulande günstiger produzieren oder bessere Preise erzielen und daher größere Gewinnspannen haben. Möglicherweise sind aber auch die Aufschläge bei einigen Lebensmitteln zu gering.

Wie rentabel ökologische Landwirtschaft ist, hänge in Deutschland stark von der Sparte ab, sagt Gerald Wehde, Sprecher des Bioland-Verbands. So lohne sich derzeit etwa der Umstieg bei der Milchproduktion, weil die Preise für konventionell erzeugte Milch niedrig sind.

Gewinn entscheidet über Zukunft der Landwirtschaft

Weltweit wird derzeit rund ein Prozent der Ackerfläche ökologisch bewirtschaftet. Ob sich dieser Anteil erhöht, hänge davon ab, ob ökologische Landwirtschaft wettbewerbsfähig ist, so die Forscher.

"Höhere Gewinne stellen sicher, dass die ökologische Landwirtschaft Raum zum Wachsen hat, sodass die Preise auf lange Sicht sinken können", sagt Crowder. Allerdings berge die Umstellung Risiken, da die Erträge zunächst sinken würden, während die Bauern zunächst noch nicht von den höheren Preisen profitieren könnten. Als Bio dürfen die Lebensmittel erst nach einigen Jahren verkauft werden, wenn Rückstände von der herkömmlichen Nutzung aus den Böden verschwunden sind.

pse/dpa



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gekreuzigt 02.06.2015
1. Es kommt sicher bald die Forderung
nach einer Zwangsfinanzierung durch den Verbraucher, etwa wie beim sog. Ökostrom.
spiegelleser987 02.06.2015
2. zwei Dinge
Heute wird fast nur noch über Gewinn und Profit geredet. Doch wie solles ohne gehen? Da sollte man in der industriellen Landwirtschaft über Gewinn und Profit reden. In der Biolandwirtschaft klingt der "Begriff "Erlösüberschuss" aus den Zeiten des Sozialismus doch viel ökologischer. Und was ist eigentlich mit den Chemikalien? Da protestierten vergangene Woche Politiker von SPD, Linken, Grünen und CDU in Berlin und Brandenburg gegen die angestiegene Menge an Sulfat in der Spree. Aber was für ein Sulfat ist es denn. Das haben die Forscher nicht ermittelt. Sie haben die Ursache nur auf die Braunkohle geschoben. Und was ist mit der angestiegenen Menge an Kupfersulfat in der Biolandwirtschaft? Das wird gegen Schimmelpilze im beim Anbau von Biokartoffeln eingesetzt. Auch andere Kupfersalze und Viren werden in der Biolandwirtschaft versprüht. Darüber redet niemand. Das Kupfer ist dann für immer in der Erde und im Grundwasser gleichmäßig verteilt und lässt sich kaum wiedergewinnen. Andere Pflanzenschutzmittel würden sich nach einigen Wochen wieder zersetzen und würden Stoffe in der Erde erzeugen, die auch die Natur schon dort macht.
dernordenrockt 02.06.2015
3. Wie geht das zusammen-
geringere Erträge und Sicherung der Welternährung? Vermutlich nur, wenn man die Flächen um etwa die Hälfte ausweitet, nur: woher soll die Fläche kommen?
Der Terraner 02.06.2015
4. Fehlentwicklung
Höhere Preise und geringere Ernten sind sicher kein Problem für Leute, die genügend Geld haben, aber in anderen Ländern kommt es dann zu Hungeraufständen. Die Probleme einer wachsenden Weltbevölkerung lassen sich wohl kaum durch Bioprodukte lösen, die sich in ihrer Qualität ohnehin kaum von konventionellen Lebensmitteln unterscheiden.
Spiegelleserin57 02.06.2015
5. die Welternährung ist schon längst da!
Zitat von dernordenrocktgeringere Erträge und Sicherung der Welternährung? Vermutlich nur, wenn man die Flächen um etwa die Hälfte ausweitet, nur: woher soll die Fläche kommen?
es wird massenhaft produziert, mehr als verbraucht wird. In Deutschland stehen mittlerweile riesige Kühlhallen in denen das Fleisch gelagert wird das nicht verkauft werden konnte. Bei Obst und Gemüse dürfte das auch nicht viel anders sein. Da werden noch vom ZUSÄTZLICH Subventionen gezahlt. Es ist mehr wie genug da man muss nur sorgsam mit den Lebensmitteln umgehen, da liegt das Problem!
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