Schutz vor Krankheiten: Frösche im Gesundbrunnen
Je gemischter die Tierwelt, desto gesünder: Forscher haben Amphibien in 345 Teichen untersucht. Je mehr Arten in einem Tümpel leben, desto fitter sind sie. Auch die Gesundheit des Menschen könnte von Vielfalt profitieren.
Hamburg/Boulder - In Teichen und Tümpeln leben zahlreiche Arten zusammen. Offenbar schützt ihre Gemeinschaft die Tiere vor Krankheiten, berichten Forscher. In Gewässern mit mehreren Amphibienarten fanden sie deutlich weniger Tiere, die von einem Parasiten befallen waren, der heftige Fehlbildungen verursacht. Auch der Mensch profitiert vermutlich von dem Phänomen.
Pieter Johnson von der University of Colorado in Boulder und Kollegen untersuchten 345 kleinere Teiche in Kalifornien und erfassten, welche Arten von Amphibien dort leben, wie viele Tiere Deformationen haben und wie viele Schnecken mit dem parasitären Saugwurm Ribeiroia ondatrae infiziert sind. Der Wurm führt bei Fröschen, Kröten oder Salamandern zur Ausbildung von überzähligen und deformierten Gliedmaßen.
Das Ergebnis: In Teichen mit sechs verschiedenen Amphibienarten war die Zahl der fehlgebildeten Tiere um mehr als die Hälfte geringer als in Gewässern mit nur einer Art, berichten die Biologen im Wissenschaftsmagazin "Nature". Die Übertragungsrate des Parasiten sank um fast 80 Prozent.
Der Effekt sei mit der Anfälligkeit der einzelnen Arten für die Parasiten zu erklären, schreiben die Forscher: Generell sei die erste Art in einem Ökosystem besonders anfällig für Infektionen. Hinzukommende Spezies infizieren sich demnach weniger leicht. Dies führe in artenreichen Systemen zu einer Art Verdünnungseffekt: Die Parasiten treffen mit höherer Wahrscheinlichkeit auf resistente oder weniger empfindliche Amphibien, was die Übertragung bremse.
Das Resultat lasse sich wohl auch auf Menschen übertragen. "Wie Artenvielfalt das Risiko für Infektionskrankheiten bei Menschen und Tieren beeinflusst, wird zu einer zunehmend wichtigen Frage", sagt Johnson. "Unseren Resultaten zufolge verringert Vielfalt den Erfolg von Erregern, zwischen Wirten zu wechseln."
jme/dpa
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