Biodiversität: Seltene Arten helfen Ökosystemen

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Riesenmuräne im Roten Meer (Archivbild): "Nicht bloß eine ökologische Rückversicherung"

Spitzkopf-Fledermausfisch, Riesenmuräne oder Strauß-Steinbrech sind Exoten - doch sie sind extrem wichtig. Denn nur durch solche seltenen Arten können Ökosysteme überleben. Forscher warnen: Nicht nur die häufigsten oder beliebtesten Arten müssen geschützt werden.

Seltene Tier- und Pflanzenarten sind für das Funktionieren eines Ökosystems oft extrem wichtig - weil sie Merkmale oder Eigenschaften haben, über die keine oder nur wenige andere Arten in ihrem Lebensraum verfügen. Der Verlust solcher Arten treffe das Ökosystem deshalb als Ganzes schwer, schreibt ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "PloS Biology". Auch Artenschutzbemühungen - etwa im Rahmen des Weltrats für biologische Vielfalt - sollten das berücksichtigen, so die Forderung der Wissenschaftler.

Dabei wurde bisher oft vermutet, dass seltene Arten in einem Ökosystem keine allzu große Rolle spielen. Ihre Funktionen oder Aufgaben seien redundant, würden also auch von anderen, häufiger vorkommenden Arten ausgeübt, so die Annahme. Die seltenen Arten seien eher eine "Rückversicherung", falls eine häufige Art mit einer besonderen Eigenschaft einmal ausfalle. Wissenschaftlich untersucht waren diese Vermutungen aber bisher kaum.

Nun haben sich Forscher um David Mouillot von der Universität im französischen Montpellier drei ganz unterschiedliche Ökosysteme und die darin lebenden Arten genauer angeschaut. Das waren:

  • 846 Arten von Fischen in einem Korallenriff im Südpazifik,
  • 2979 Pflanzen in den französischen Alpen und
  • 662 Arten tropischer Bäume in Französisch-Guayana.

Die Forscher ermittelten zunächst, welche Arten selten sind, und schauten sich dann genau an, inwieweit deren Eigenschaften sich von denen anderer Arten des Ökosystems unterschieden. Dann verknüpften sie die beiden Information miteinander. Es stellte sich heraus, dass die Arten mit den individuellsten Eigenschaften auch am seltensten vorkamen.

Wichtige Rolle im Klimawandel

Die Riesenmuräne jagt zum Beispiel fast als einziger Räuber des Korallenriffs nur nachts. Im Regenwald von Französisch-Guayana wächst der seltene Baum Pouteria maxima, der besonders widerstandsfähig gegen die in der Region häufiger vorkommenden Feuer ist. Und der Strauß-Steinbrech in den Alpen besitzt ausgesprochen lange Blütenstengel, die für bestäubende Insekten in dem artenarmen Lebensraum besonders gut und weithin sichtbar seien.

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Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten die seltenen Arten in Ökosystemen vor allem angesichts des Klimawandels eine große Rolle spielen. Kürzlich sei zum Beispiel gezeigt worden, dass der seltene Spitzkopf-Fledermausfisch die Algenblüten am Korallenriff gut kontrollieren könne, zu denen es aufgrund verschiedenster globaler Veränderungen kommen könne. Viele andere, häufige Arten könnten dies nicht.

Die Weltnaturschutzunion IUCN hat im vergangenen Jahr 64.000 Arten untersucht - und festgestellt, dass fast jede dritte vom Aussterben bedroht ist. "Seltene Arten sind nicht bloß eine ökologische Rückversicherung", sagt Forscher David Mouillot. "Sie verfügen über zusätzliche ökologische Funktionen, die während der raschen Übergänge der Ökosysteme wichtig werden könnten." Es sei deshalb wichtig, sich vor allem auf den Erhalt funktionell wichtiger Arten zu konzentrieren, anstatt nur die häufigsten oder beliebtesten Arten zu schützen.

chs/dpa

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Nervig
herkurius 29.05.2013
Klar ist das alles wichtig gegen den Klimawandel. (Gibt's den überhaupt? Einig sagen, nein ... und das sind meistens diejenigen, die auch eine Begründung für ihre Meinung haben). Kieselsteine sind auch gut gegen den Klimawandel. Ich kann einen in den Bach werfen, wo er am engsten ist, das Wasser staut sich ein bisschen, Äste, Sand und leere Flaschen bilden einen kleinen Damm, ein weitreichender Sumpfsee formt sich im Wald und sonst hätte es vielleicht einen Waldbrand gegeben, der zum CO2-Gehalt in der Luft beigetragen hätte. Leute, die Kieselsteine für ihren Vorgarten nach Hause schleppen, gefährden die Erde!
2. Nervig?
Antiautor 29.05.2013
Es gibt überhaupt keinen Grund, den Artikel auf die Schippe zu nehmen. Der Mensch verursacht ein einzigartiges Artensterben und Sie machen sich auch noch darüber lustig. Lassen Sie sich auf ein Gedankenexperiment ein, das Ihnen vielleicht die Tragweite menschlichen Wirkens vor Augen führt. Es ist eine Binse, dass die Meere verschmutzt werden. Besonders zu nennen ist die radioktive Belastung durch nukleartechnische Anlagen wie Sellafield, Fukushima, Müll"entsorgung", aber auch Chemikalien, Plastik und Öl landen massenhaft in den Meeren dieser Erde. Alles Konsens und lange bekannt. Nun kann man ein Meer aber nicht mit einer Badewanne voll Salzwasser vergleichen, in der sich alles auf ungefährliche Werte verdünnt und dann unschädlich ist. Nein, die Meere sind voll Leben, und, wie wir seit Kurzem wissen, besonders in der Tiefsee viel reicher bevölkert als bisher angenommen wurde. Die Lebensformen da unten leben vorwiegend von Aas, das von oben runter fällt. Die Meeresbewohner in höheren Schichten, vom Krill bis zum Hai, ziehen ständig Meerwasser durch die Kiemen und fressen alles was da fressbar ist. Sie wirken als perfekter Filter, denn irgendwann ist jedes Partikelchen im Meer von irgendwas inkorporiert worden. Es ist nur eine Frage der Zeit. Jedes Meereslebewesen stirbt irgendwann, so oder so und sinkt ab, wo es von den Tiefseebewohnern verwertet wird. Fassen wir das eben Gesagte zusammen, stellen wir fest, dass jede Verschmutzung irgendwann in der Tiefsee landet. Jetzt stellen wir uns vor, dass wir auf diese Weise die Totengräber der Meere um die Ecke bringen, ohne es zu merken. Ich weiß nicht ob unsere Fantasie ausreicht, um uns ein gekipptes Meer vorzustellen. Das stinkt im Wortsinn zum Himmel und wäre das Ende der Menschheit. Bloß weil man die Tiefseebiotope nicht ständig vor Augen hat und meint, dass das was man nicht sieht ja auch nicht so wichtig sein kann.
3. Und was ist mit dem...
zufriedener_single 29.05.2013
Juchtenkäfer? Na ja, Hauptsache der Mensch vermehrt sich...
4.
M. Michaelis 29.05.2013
Warum müssen Arten überhaupt geschützt werden. In der Natur sind auch ohne menschliches Zutun schon sehr viele Arten verschwunden. Geschadet hat es am Ende nicht.
5.
M. Michaelis 29.05.2013
Zitat von AntiautorEs gibt überhaupt keinen Grund, den Artikel auf die Schippe zu nehmen. Der Mensch verursacht ein einzigartiges Artensterben und Sie machen sich auch noch darüber lustig. Lassen Sie sich auf ein Gedankenexperiment ein, das Ihnen vielleicht die Tragweite menschlichen Wirkens vor Augen führt. Es ist eine Binse, dass die Meere verschmutzt werden. Besonders zu nennen ist die radioktive Belastung durch nukleartechnische Anlagen wie Sellafield, Fukushima, Müll"entsorgung", aber auch Chemikalien, Plastik und Öl landen massenhaft in den Meeren dieser Erde. Alles Konsens und lange bekannt. Nun kann man ein Meer aber nicht mit einer Badewanne voll Salzwasser vergleichen, in der sich alles auf ungefährliche Werte verdünnt und dann unschädlich ist. Nein, die Meere sind voll Leben, und, wie wir seit Kurzem wissen, besonders in der Tiefsee viel reicher bevölkert als bisher angenommen wurde. Die Lebensformen da unten leben vorwiegend von Aas, das von oben runter fällt. Die Meeresbewohner in höheren Schichten, vom Krill bis zum Hai, ziehen ständig Meerwasser durch die Kiemen und fressen alles was da fressbar ist. Sie wirken als perfekter Filter, denn irgendwann ist jedes Partikelchen im Meer von irgendwas inkorporiert worden. Es ist nur eine Frage der Zeit. Jedes Meereslebewesen stirbt irgendwann, so oder so und sinkt ab, wo es von den Tiefseebewohnern verwertet wird. Fassen wir das eben Gesagte zusammen, stellen wir fest, dass jede Verschmutzung irgendwann in der Tiefsee landet. Jetzt stellen wir uns vor, dass wir auf diese Weise die Totengräber der Meere um die Ecke bringen, ohne es zu merken. Ich weiß nicht ob unsere Fantasie ausreicht, um uns ein gekipptes Meer vorzustellen. Das stinkt im Wortsinn zum Himmel und wäre das Ende der Menschheit. Bloß weil man die Tiefseebiotope nicht ständig vor Augen hat und meint, dass das was man nicht sieht ja auch nicht so wichtig sein kann.
Unsinn, die grössten Artensterben fanden noch vor dem Erscheinen des Menschen statt.
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